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Life2Me® – Bewusstheit in Krisen

Das Kartentool „Life2Me® – Bewusstheit in Krisen“ basiert auf dem von Professor Clare W. Graves entwickelten ‚Graves Value System‘. Eine detaillierte Einführung in dieses System finden Sie in diesem Aufsatz.

  • 15 Karten je Denkhaltung [Bewusstheitsebene] = 105 Karten
  • 3 Gewichtungskarten
  • Spielkartenformat
  • Stabiler Karton [Stärke: 330g]
  • Gewicht: ca. 200 gr.
  • beidseitige Lackierung für lange Haltbarkeit
  • abgerundete Ecken
  • Kunststoff-Stülpverpackung
  • Elegante und gut lesbare Schrift, Schriftfarbe anthrazit
  • Jede Karte mit farbigem ‚Bewusstheits-Index‘
  • HIER KÖNNEN SIE DIE KARTEN KAUFEN

Für das Thema Krisenprävention bietet sich die Arbeit mit unserem Tool an, wenn Sie diese Annahmen akzeptieren:

  • Wir machen einen Unterschied zwischen ‚Bewusstsein’und ‚Bewusstheit‘.
    Unter ‚Bewusstsein‘ verstehen wir die Gesamtmenge aller Sinnesempfindungen, Gedanken und Emotionen, die einem Menschen in einem bestimmten Zeitraum bewusst sind und über die er aus der Erste-Person-Perspektive berichten kann.
    Der Zeithorizont des Bewusstseins kann somit die ferne und nahe Vergangenheit sowie die Gegenwart umfassen. Eine bekannte Methode, mit der die Entwicklung des Bewusstseins [z.B. in Zusammenhang mit der Lösung von Problemen] dokumentiert wird, ist die Tagebucharbeit. Unter ‚Bewusstheit‘ verstehen wir hingegen die individuelle psychische Disposition, die das unmittelbare Wahrnehmen dessen beschreibt, was einen Menschen in eigener Achtsamkeit im Hier und Jetzt bewegt und ihm aktuell gewahr wird, seien es Körperempfindungen, Sinneswahrnehmungen, Gefühle, Fantasien, Denkweisen und Impulse. Der Zeithorizont der Bewusstheit ist somit der aktuelle Moment.
  • Tritt eine Krise ein oder will man sich szenarisch mit einer möglichen Krisensituation auseinandersetzen, dann trifft dieses Ereignis auf die aktuelle psychische Verfassung der betroffenen Person. Die Person geht also mit einer spezifischen Bewusstheit ‚ans Werk‘ und versucht, der Krisensituation mit den Mitteln dieser Bewusstheit Herr zu werden. Das zentrale ‚Mittel‘ der Bewusstheit ist das aktuelle, persönliche ‚Denkschema‘.
    Soll meinen: Eine Situation tritt ein und der Mensch denkt nach einem ihm eigenen Schema darüber nach, wie sich die Situation wohl gestalten lässt. Man kann somit ‚Bewusstheit‘ auch als Produkt aus ‚Thema‘ und ‚Denkschema‘ verstehen.
  • In problemlosen Situationen vermag ein Mensch, ‚Denkschemata‘ zu nutzen, die passend sind für die Gestaltung der jeweiligen Situation. In einer Krise ist das anders – und der Volksmund sagt dann zum Beispiel: „Ich verstehe die Welt nicht mehr“.
    In Krisen verfügt ein Mensch nicht hinreichend über das für diese Situation angemessene Denkschema. Kommen aus diesem Grund keine tragfähigen Lösungen zustande, dann führt dies zu einer weiteren Verschärfung der Situation. Haben zudem dann auch andere, vielleicht sogar sehr vertraute Personen ein ähnliches Denkschema wie die betroffene Person und bespricht sich die betroffene Person mit ihren Vertrauten, dann erschwert dies die Lage zusätzlich, da selbst diese wohlgesinnten Menschen keine besseren Impulse zu geben in der Lage sind [„keiner kann mir wirklich helfen“].
  • Rechtzeitig zu reflektieren, mit welchem Denkschema man wohl eine Krisensituation gestalten würde, ist deshalb ein wichtiger präventiver Schritt. Folgen wir zudem Albert Einstein, der einst sagte: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“, dann haben wir einen sehr brauchbaren Schlüssel in der Hand, der die Tür zu einer belastungsärmeren, geschmeidigeren, stressfreieren Gestaltung von Krisensituationen eröffnet.Ein Beispiel dazu: Weiß ich, dass ich bei Belastungen, die mir andere Menschen bereiten, vorrangig als Denkschema den Einsatz von Kontrolle, Strukturen, Absicherungen, Rechtsmittel und anderen ‚Ordnungen‘ erwäge, dann ist dieses Denkschema unbrauchbar, wenn die Belastung dadurch entstanden ist, dass die anderen Personen Veränderungen eben im Kontext ‚Ordnung‘ vorgenommen haben. Will ein Unternehmen beispielsweise einen Mitarbeiter in einen anderen Unternehmensbereich ‚versetzen‘ [eine Ordnung also verändern], dann ist es wenig erfolgversprechend, wenn der Mitarbeiter seinerseits das Denkschema ‚Ordnung‘ [z.B. durch das Beharren auf arbeitsrechtlichen Vereinbarungen] nutzt, um die entstehende, belastende Problematik zu behandeln.
  • Der Kartensatz ‚Life2Me® – Bewusstheit in Krisen‘ ermöglicht es Ihnen, im Rahmen Ihrer individuellen Krisenprävention auf Situationen zu schauen, die Sie als erhebliche psychische Belastung erleben würden, träten sie ein. Für die sieben, heute zentralen Bewusstheitsebenen, die Graves erforscht hat, haben wir jeweils 15 Aussagen formuliert, die diesen Ebenen jeweils entsprechen. Mit drei Gewichtungskarten können Sie nun entscheiden, inwieweit Sie der jeweiligen Aussage zustimmen würden, träfe ein Ereignis ein, das Sie vorab als potenzielle Krisensituation definiert haben. Aussagen, denen Sie gar nicht zustimmen, legen Sie beiseite, die restlichen zu den Karten mit den Gewichtungsfaktoren. Sind alle Karten zugeordnet, dann ermitteln Sie durch Multiplikation [Anzahl der Karten einer Farbe x Gewichtungsfaktor] die Gesamtstärke der sieben Bewusstheitsebenen im Kontext des Krisenszenarios.

Bewusstheit und Memetik – 2

Mit seinem Modell der Meme beschreibt Clare Graves menschliche Denkweisen, deren Unter-schiedlichkeit sich trotz individuell-biografischer Lebensumstände und -geschichten nicht zufällig formt. Vielmehr führen für Graves spürbare Veränderungen, zum Beispiel Krisen, sukzessive zu einer Anpassung der Denkweisen und Werthaltungen. In seiner ‚Emergent Cyclic Levels of Existence Theory’ [eclet] stellt Graves die These auf, dass Menschen im Zusammenspiel externer Umfeldbedingungen und internem neuronalen System durch Stimuli und ‚Einsicht’ neue autopoietische bio-psycho-soziale Aktionssysteme entwickeln, um mit ihnen eine entstandene Krise zu verstehen und zu ihrer Bewältigung erforderliche Entwicklungsschritte einleiten zu können. Die Aktionssysteme ihrerseits stehen unmittelbar in Bezug zur individuellen und kulturellen Entwicklung des einzelnen Menschen.

Graves Modell der Ebenen der menschlichen Existenz griffen Don Beck und Christopher Cowan [Autoren des Buches: Spiral Dynamics] auf und koppelten es mit dem Konzept der Meme des britischen Biologen Richard Dawkins, das seinerseits durch den Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi erweitert wurde. Für ihn wird ein Mem dann geboren, „wenn das menschliche Nervensystem auf eine Erfahrung reagiert”.

Ein ‚Dawkinsches’ Mem hat zum Zweck, mittels Kommunikation ein ‚Backrezept’ zur Reproduktion eines Gedankens von einer Generation an die nächste weiterzureichen. So wie sich aber Rezepturen über die Zeit verändern, so passen Menschen zum Beispiel ihre Verhaltensmuster oder Überzeugungen an die Gegebenheiten der Gegenwart an und entwickeln so – analog der Entwicklung der Gene und der mit ihnen verbundenen biochemischen DNA – ihr Meme-System, ihre psychologische DNA.

Nach Beck und Cowan verfügen Meme über fünf zentrale Eigenschaften:
1. Sie bringen die Bewusstheit zum Ausdruck, mit der menschliches Verhalten bestimmt wird.
2. Sie beeinflussen alle Lebensentscheidungen.
3. Sie können situativ verbessernd oder verschlechternd wirken, mithin passend oder unpassend
für spezifische Kontexte sein.
4. Sie beschreiben menschliche Denkweisen.
5. Sie können sich unter veränderten Lebensbedingungen verstärken oder abschwächen.

Das individuelle Meme-Set kann verstanden werden als ein sich im Leben dynamisch entfaltendes Bündel an Denkformen, mit dem ein Mensch in einer aktuellen Situation ‚so oder so’ über den ihm vorliegenden Kontext denken kann und hierauf sein bewusstes Verhalten begründet.

Rücke ich das Gedankengut von Graves, das im Modell der ‚Spiral Dynamics’ von Beck und Cowan heute breites Interesse findet, stärker in den Krisenbezug, dann stelle ich in unserer Therapie- und Coaching-Praxis bislang drei wesentliche Zugangswege zum ‚Bewusstheits-Diskurs’ mit Klienten fest:

1. Der Klient hat die Einsicht, dass er in Nutzung eines bestimmten Mems bislang versucht hat, seiner Krise Herr zu werden, und erkennt, dass ein anderes, ihm auch präsentes Mem womöglich angemessenere Denkweisen im Umgang mit der Situation ermöglichen würde.

2. Wie 1., das Mem, das dem Klienten dienlich wäre, steht ihm jedoch noch nicht zur Verfügung und ruft dazu auf, in einem Lernprozess entwickelt zu werden.

3. Der Klient ist ambivalent in der Nutzung ihm vergleichbar gut verfügbarer Meme und entwickelt so durch eine mentale Blockade im Krisenbewältigungsprozess eine Selbstunsicherheit. Überdies ist
zu beachten, dass die Koexistenz mehrerer ausgeprägter Meme im Krisenkontext nicht gleichgesetzt werden kann mit einem ‚besseren’ Weg der Bewältigung. Vielmehr gilt es, für die Lösung der Krise das ‚passendste’ Meme-Set, die angemessene Bewusstheit, zu entwickeln.

Bewusstheit und Memetik – 1

Als das Buch ‚Spiral Dynamics’ – mit dem ihm zugrunde liegenden Konzept der evolutionären Werteentwicklung von Clare W. Graves – erschien, konnte wohl noch niemand absehen, wie schnell dieses Modell Einzug halten würde in Management- und Politikberatung, in Therapie und Coaching.

Bild SpiralDyn Bild SpiralGraves

‚Spiral Dynamics‘ bietet einen Einblick in die Entwicklung zunehmender Komplexität, die mit ihr verbundenen Probleme und in die menschlichen Bewältigungsdenkweisen.

Eine zentrale Annahme des Modells besteht darin, dass Wertesysteme durch die Psyche gebildet werden, um Anforderungen der Umwelt angemessen gerecht zu werden, ergo bei sich ändernden Bedingungen das Wertesystem ebenfalls einen Entwicklungsprozess durchläuft.

Ein Wertesystem gilt dann als angemessen, wenn es ein stimmiges Verhalten bei Problemen bewirkt. Komplexere Denkweisen werden weniger komplexen übergeordnet, wobei die weniger komplexen nicht verschwinden, sondern in die komplexeren integriert werden und damit weiterhin zur Verfügung stehen, sollte eine Situation die weniger komplexen benötigen.

Der Einsatz komplexerer Denkweisen für weniger komplexe Problemstellungen erweist sich bei dieser Betrachtung als Vergeudung, der Einsatz weniger komplexer Denkweisen in komplexen Problemen als Naivität oder Unreife.

Jedes Wertesystem wird durch angemessene und potenziell unangemessene Denk- und Verhaltensweisen repräsentiert, wobei sich die unangemessenen vor allem dadurch ‚auszeichnen’, dass sie die Denkstrukturen von Menschen mit anderen Wertesystemen abwerten.

Das ‚Graves Value System’ – im Krisenkontext betrachtet – führt zu einem Bild von einem Menschen mit einer biografisch individuell begründeten Denkweise, der mit dem Krisenereignis auf ein ‚Thema’ [theme] trifft, bei der das von ihm eingesetzte Verarbeitungs-‚Schema’ [scheme] jedoch unpassend zur Lösung dieser Situation ist. Hätte der Mensch eine andere Bewusstheit, ein anderes Meme-Bündel verfügbar [theme + scheme = meme], so geriet er nicht in eine Krise, sondern hätte ‚nur’ ein mehr oder minder kompliziertes Problem.