„Widrige, stark belastende Situationen, die Ärger, Angst oder Trauer
hervorrufen, können zu einem seelischen Zusammenbruch führen. Die
Fähigkeit oder Unfähigkeit, in solchen Situationen seine Gedanken und
Gefühle anderen zu zeigen und ihren Trost und Hilfe zu suchen, ist für
den Erhalt der seelischen Gesundheit entscheidend.

Diejenigen, die während ihrer Kindheit in solchen widrigen Situationen
auf Verständnis gestoßen sind, werden auf ein ähnliches Wohlwollen in
der gegenwärtigen Krise hoffen, aber Menschen, die in ihrer Kindheit
Zurückweisung und Verachtung erfahren haben, werden dasselbe
erwarten, wenn sie sich als Erwachsene wieder in widrigen Situationen
befinden.“

John Bowlby

Soviel als Gruß aus dem verdrängten Unbewussten, das förmlich wie die Katze vor dem Mauseloch darauf wartet, dass der Mensch in eine Situation gerät, die ihn zurückwirft in ein Damals.

Ist das aber zwangsläufig und empirisch nachgewiesen immer so?
Nein. Weder noch.

Warum sollte ein Mensch so etwas auch erwarten? Nur, weil alles, was er erlebte, unauslöschlich geborgen ist in seiner Vergangenheit?

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegt unsere Entwicklung und unsere Freiheit.

Wer also erwartet, dass es wieder so kommt, wie es früher immer so war, hat vergessen, dass er immer eine Wahl hat. Und für diese Wahl ist er frei und verantwortlich – nicht seine Vergangenheit.