Kategorie-Archiv: Sinnzentrierte Psychotherapie

Situations-Sinn-Zenit

Jeder Mensch steht jederzeit unter seinem Zenit [Zenit: Die nach oben verlängerte Lotrichtung eines Standortes]. Der Zenit ist immer da, in jeder Situation. Er war immer da, in jeder Lebensphase. Auf ihn ist Verlass. In der Höhenpsychologie, wie die Logotherapie im Unterschied zu den tiefenpsychologischen Schulen metaphorisch auch genannt wird, können wir den Zenit sinnbildlich verstehen als den per se und jederzeit für jeden Menschen gegebenen Sinn. Findet ein Mensch Sinn, dann nur in einem Moment der Selbstvergessenheit.

‚Kümmert‘ sich ein Mensch um sich selbst, seine Lust, sein Wohlergehen, sein Machtstreben, seinen Spaß, seine Karriere, sein Glück …, dann braucht dies seine Psyche. Ohne Sinn jedoch mutieren all diese psychischen Prozesse zum Selbstzweck, der Mensch ist dann auf nichts ausgerichtet, durch seine Lebensbrille sieht er nichts außer sich selbst, er schafft nichts in die Welt, er mehrt nichts [seien es Wissensinhalte, Taten und Handlungen, Anschauungen oder Hoffnungen].

Und es kommt noch schlimmer: Je mehr er auf sich selbst gerichtet ist, um so weniger weltoffen wird er. Der Möglichkeitsraum verengt sich immer weiter, und so erzählt ein Mensch irgendwann seine Lebensgegenwart aus einer Perspektive der Routine, Langeweile, Unlust oder des Starrsinns. Was die Welt bereithält und mental verarbeitet werden könnte durch rationales Erfassen der Gegebenheit oder durch intuitives Erleben oder durch Erfühlen, etwas von höchster Instanz zu erhalten oder schlicht als erfreuendes Erkennen im Moment, bleibt im wahrsten Sinn des Wortes ‚außen vor‘. Der so auf sich selbst fixierte Mensch verfehlt sich und seine Möglichkeiten. Das ist bitter.

Und doch, die Perspektive zu wechseln bleibt stets möglich, denn: Der Zenit ist da und mit ihm Sinn im Leben.

Die dritte Dimension

Rudolf Virchow, der berühmte Charité-Arzt, meinte einst, er habe zwar an die tausend Leichen seziert, aber nie eine Seele gefunden. Aber das ist nicht alles. Denn würde ein Arzt auf die Suche gehen, er würde auch nicht den Geist finden. Und doch, wenn ein Arzt einer Körpererkrankung auf die Spur kommt, dann empfiehlt sich stets, auch die psychische Verfassung des Menschen in Augenschein zu nehmen. Denn wir wissen um den psycho-physischen Parallelismus, wir wissen um das Körperliche, das leidet, weil es dem Psychischen an etwas mangelt. Und wir wissen um Psychisches, das leidet, weil der Körper um Hilfe schreit.

Psycho-Somatik und Soma-Psychie – beide Perspektiven greifen ineinander und man ist immer schlau beraten, anzuerkennen, dass Psychisches die Physis belebt, und der Körper dem Psychischen, dem Empfinden, Denken, Fühlen und Handeln die Energie verleiht. Wenn Körper und Psyche parallel Bedarf an Linderung anmelden oder – was allemal ein Königsweg ist – die Person für beide ein Präventionsprogramm auflegt, dann kommt die dritte Dimension, das Geistige, ins Spiel. Das Geistige ist die Straße hin zu Sinn. Mit dem Geistigen empfängt die Person die Fragen, die das Leben und die Lebenswelt der Person stellt. Lebensweltfragen gibt es zu jeder Zeit, um sie zu hören, braucht es Weltoffenheit – insbesondere dann, wenn Körper und Psyche der Person in Situationen existenzieller Abschiede vermitteln, es gäbe keinen Sinn mehr.

Dieses Gefühl der Sinnleere ist menschlich und bekannt – für die Logotherapie ist es das Thema an sich, weist das Gefühl doch auf das tief im Menschen verwurzelte Wissen hin, dass es einerseits ‚Sinn‘ [nicht den Sinn und nicht den einen Sinn] gibt und andererseits, dass jederzeit dem Menschen aufgegeben ist, jederzeit vorhandenen Sinn zu finden. Vor diese Aufgabe gestellt hat der Mensch nun zwei Möglichkeiten. Entweder, er gibt sich auf und nimmt die Aufgabe nicht an. Oder er nimmt sie an und gibt sich hin. Viktor Frankl: ‚Jeder Mensch hat Bedingungen. Aber er ist stets frei und verantwortlich, sich ihnen so oder so zu stellen‘. So [psychophysisch] oder so [geistig]. Sie haben die Wahl.

Was die Logotherapie letztlich will, ist die Selbstbestimmung des Menschen auf Grund seiner Verantwortlichkeit und vor dem Hintergrund der Sinn- und Wertewelt, des Logos und Ethos.

Viktor E. Frankl

Das Schema coachen

Im Feld der Psychotherapie nimmt die Schematherapie einen zunehmenden Stellenwert ein. Anfang der 90er Jahren von Jeffrey Young als Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie konzipiert, leistet sie einen Beitrag dafür, Menschen zu helfen, in der Kindheit entstandene, unbefriedigte Grundbedürfnisse als Auslöser ihrer aktuellen Depression zu erkennen. Grundbedürfnisverletzungen werden dabei als ’negative emotionale Schemata‘ angelegt, die dann automatisierte Bewältigungsreaktionen bewirken, die ihrerseits – sofern sie nicht zu angemessenen Reaktionen entwickelt werden – auch im Erwachsenenleben weiterhin aktiv bleiben und unvernünftige Verhaltensweisen hervorbringen.

Da sich solche Verhaltensweisen auch im Berufsleben als Hindernis erweisen können, wurde das Wissen der schematherapeutische Grundlagen auch in einigen Ausbildungsprogrammen des Business Coachings aufgenommen. Im Coaching erhalten wir immer wieder als Auslöser für den Beginn einer Zusammenarbeit einen Mangel an Anerkennung, an Selbstüberforderung oder an Verdruss und Selbstzweifel im Job dargestellt. Stellen wir diese Empfindungen in einen biografischen Kontext so zeigt sich oftmals eine gewisse Analogie zur Kindheit. Liebe gegen Leistung, übervolle Kalender des Schülers, Mobbing in der Schulklasse, freudeloses Lernen oder Angst des Versagens – was hier ein Kind zu ‚managen‘ hat, geht ein in seine Interpretation dessen, was als ’normal‘ angesehen wird. Und dieses ‚Normale‘ hat keine Chance entlernt zu werden, sondern geht später über in die Interpretation von ‚Berufswelt‘.

Wir kombinieren in unserer Begleitung von Führungskräften das Schemacoaching mit den Erkenntnissen der Sinnlehre von Viktor Frankl. Dies indem wir die Schemaaktivierungen und automatisierten Bewältigungsreaktionen explorieren und dann aufbauend auf diesen kognitiven Erklärungen mit dem Klienten an der biografischen Entwicklung und Weiterentwicklungsmöglichkeit seiner Werte arbeiten. Da wir unbefriedigte Bedürfnisse des Kindes auch als Wertekonflikte verstehen können, die das Kind in seinem Umfeld hat aushalten müssen, so können Klienten diese Konflikte eingedenk ihrer weiteren Biografie, ihres erweiterten Rollenspektrums und ihrer aufgebauten Lebenserfahrung konstruktiv lösen, indem sie auf die Werte schauen, die sie trotz dieses erlebten Mangels in ihrem Leben verwirklicht haben und – darüber hinaus – welche sie künftig verwirklichen wollen.

Neurobiologisch ist ein Verhaltensschema ein Verband von Nerven­zellen. Dieser Verband wird durch Reise getriggert, das Schema wird aktiviert und die Person fühlt ihre Situation wie ‚einst als Kind‘. Die dabei entstehenden Emotionen können dabei ähnlich stark sein wie ‚damals‘ – für das Umfeld des Erwachsenen jedoch sind diese Emotionen unerklärlich [nicht selten sogar für den Betroffenen selbst]. Ist nun der Zusammenhang zwischen dem Aktualverhalten und dem einstigen Mangel an Bedürfnisbefriedigung hergestellt, wird im zweiten Schritt das Bündel seinerzeit der verletzten Werte herausgearbeitet und Wege besprochen, diese Werte zu revitalisieren und künftig vor Verletzungen zu schützen.

Die Aufgabe des logotherapeutisch-schemafokussierten Coachings besteht demnach darin, den Klienten zu stärken, die Aktivierung der Antreiberseite [Reaktionsverhalten] zu regulieren und sich die Aktivierung desjenigen Teils seines Wertesystems zu erlauben, das unter dem Einfluss des Schemas blockiert wurde.

Mit diesem Arbeitskonzept wird die Sinnlehre Viktor Frankls vollumfänglich integriert. Sein Menschenbild geht u.a. davon aus, dass der Mensch in der Lage ist, sich gegenüber dem zu distanzieren, was in der Schematherapie eben ‚Schema‘ genannt wird. Diese Fähigkeit zur Selbstdistanzierung ist nach Frankl notwendige Voraussetzung menschlicher Freiheit.

Frankl hat die Selbstdistanzierung einmal mit einer gerne von ihm erzählten Anekdote beschrieben:
Während des Ersten Weltkrieges saß ein jüdischer Militärarzt mit einem Oberst im Schützengraben, als ein heftiges Feuer einsetzte. Ihn hänselnd fragte der Oberst: „Jetzt haben Sie aber Angst, nicht wahr? Da sieht man wieder einmal, wie sehr die arische Rasse der semitischen überlegen ist.“ Worauf der Militärarzt antwortete: „Sicher habe ich Angst. Aber warum sprechen Sie von der Überlegenheit der einen Spezies gegenüber der anderen? Wenn Sie so viel Angst hätten wie ich, wären Sie vielleicht schon längst auf und davon gelaufen.“

Sinnorientierte Geisteshaltung

Es ist mal wieder Zeit für etwas Frankl. 

In Frankls Menschenbild steht der freie Wille im Zentrum. Wir sind zwar nicht frei von allerlei Bedingungen, die unser Leben mitbestimmen, aber wir sind frei zu unendlich Vielem, was uns ermöglicht, uns immer wieder neu nach bestem Wissen und Gewissen für bestimmte Handlungs- oder Sichtweisen zu entscheiden. Jeder Mensch hat zwischen ‚Reiz‘ und ‚Reaktion‘ einen Raum, einen Freiraum, einen Gestaltungsspielraum, den er selbst bei unabänderlichen Belastungs- oder Krisensituationen behält. 

Die Suche nach Sinn ist die stetige Grundmotivation des Menschen. Mehr noch als nach Lust oder Macht strebt der Mensch nach Sinn. Eigentlich ist die menschliche Motivation dort am stärksten, wo der Mensch Sinnvolles bewirken kann. Jedoch – zuweilen behält die Psyche des Menschen die Oberhand über das Geschehen, und er entscheidet sich für Sinnwidriges, Sinnleeres, Sinnloses. Diese geistlosen Phasen sind jedem Menschen zuzusprechen, auch sie zeichnen Menschsein aus. Aber im Kern will jeder Mensch für eine Aufgabe einstehen und-oder zumindest einen Menschen lieben oder für ihn gut sein. Wird dieser Wille zum Sinn dauerhaft frustriert, entstehen Stress, Gefühle der Wertlosigkeit und vielfach letztlich Aggression, Sucht, Depression, Lethargie oder Apathie. 

Den Sinn des Lebens kann sich ein Mensch nicht machen, auch gibt es ihn nicht auf Rezept. Aber er ist da und wartet darauf, [wieder] gefunden zu werden. Manchmal haben ihn Menschen auch längst gefunden, merken es nur nicht. Eine Ursache dafür liegt häufig in einer wenig ausgeprägten Selbstsicherheit oder in einem geringen Selbstvertrauen. Wie auch immer – jedes Leben behält seinen Sinn und hält Sinn bereit, selbst wenn er in einer verzweifelten Lebensphase nicht mehr gespürt wird.  

Die Freiheit des Willens bedingt, dass jeder Mensch Verantwortung für sein  Leben und die Art und Weise hat, wie und wofür er leben und sich entscheiden will. Wie er auf die Fragen antworten will, die ihm sein Leben stellt.   

Leisten, lieben, leiden – das sind die drei großen Werteverwirklichungsbereiche für jeden Menschen. Schöpferische Werte zu verwirklichen führen hin zum Leisten. Erlebniswerte wie Schönheit, Anmut, Harmonie, Ästhetik, Naturverbundenheit, Zuneigung u.a. zu verwirklichen, führen hin zum Lieben. Und letztlich sind es Einstellungswerte, mit denen ein Mensch auch bei existenziellen Abschieden in seinem Leben trotz allem Sinn findet. Sie zu verwirklichen ist ein Fähigkeitsbeweis hin zum Leiden.

Sterben als Kopie

Haben Sie schon einmal überlegt, wer sie geblieben wären, hätten Sie nicht die Segnungen der Erziehung und Sozialisation empfangen? Warum sollte ich das denken, werden viele sagen, denn ‚ich bin ganz zufrieden mit dem, was aus mir wurde und wie ich darin von Eltern und Gesellschaft unterstützt wurde‘. Anderen geht es genau andersherum – einmal nicht das Leben anderer leben, einmal nicht wissen, dass man als Original geboren wurde und als Kopie anderer sterben wird.

Erst einmal im Erwachsenenalter angekommen, erweist sich die Frage nach dem ‚wer bin ich wirklich und wie kann ich mich an diesen Kern, zumindest etwas, wieder zurückbinden?‘ zuweilen als existenziell. Schließlich geht es um nicht weniger als die Identität. Und so kann es sein, dass man sich seiner Selbst nicht mehr so sicher ist und dieser Mangel an Selbstsicherheit auf eine gesellschaftliche Ordnung trifft, in der Macht, Regeln und Leistung ’normal‘ sind, während Bedürfnisse nach Zuwendung, Gemeinschaftswohl oder auch intellektueller Vernetzung kaum befriedigt werden können. Wer sich hier in einer Identitätsfalle fühlt, kann dies anderen Menschen, die dieses Empfinden nicht haben, kaum kommunikativ nachvollziehbar vermitteln. In der Folge passt sich die Person immer weiter den Gegebenheiten an und merkt doch sehr wohl, dass da im Leben etwas einfach nicht stimmt.

Mit dem Kindheits-Enneagramm, das wir vor gut zehn Jahren entwickelt haben, kann in einem logotherapeutischen Gespräch ein Beitrag dafür geleistet werden, dass ein Mensch die Grundzüge des eigenen Originals wieder erkennt. Die Umsetzung dieser Erkenntnisse in ein der Identität entsprechendes Verhalten ist dann im Anschluss die eigentliche Arbeit. Sie ist schwierig, da sich das System um die Person herum – wenn überhaupt – nur langsam ändert. Ergo steht die Person in der Selbstverantwortung, das zu tun, was ihr entspricht – verbunden mit der Überwindung manchmal zahlreicher Begrenzungen, die sich über die Zeit hinweg um die Person gelegt haben. Nach und nach sich von Klammerungen aller Art zu distanzieren, wirkt anfangs befreiend und bedrohend zugleich – und nicht jeder Mensch schafft es, diesen Prozess in für ihn passender Geschwindigkeit und Konsequenz zu gestalten. Klammern sind stark und haben durchaus auch ihre Qualitäten. Sich von einigen zu lösen, fällt leichter, wenn die Person den Sinn in ihrem Leben erfühlt. Die ‚Zutaten‘ für diesen Wahrnehmungsprozess sind ‚Weltoffenheit‘, ‚Selbstempathie‘, ‚Geduld‘ und ein Bewusstmachen innerer Zensoren. Der stärkste eigene, innere Gegner der Sinnfindung ist das Selbstmitleid. Verfällt ein Mensch in diesen Zustand, begibt er sich an sich in den Hass auf sein Umfeld, seine Lebensgeschichte, manchmal sogar auf sich selbst. Dieser Zustand ist fraglos negativ und er bringt auch nichts, außer noch mehr Hass oder Schicksalsergebenheit.

Ein Original hasst nicht – gerade deshalb, weil es keinen Grund dafür hat. Hass kommt hingegen auf, wenn ein Original gezwungen wird, seine Authentizität aufzugeben und zur Kopie anderer zu werden. Und Selbsthass keimt, wenn – wie es Marcel Proust einmal beschrieb – ein Mensch das Bedürfnis entwickelt, seine Leiden gerade von denen mildern zu lassen, die ihn zum Leiden brachten.

Arbeit hin zum Original – eine der originären Arbeiten in der Logotherapie.

Das Wesen der menschlichen Existenz liegt in deren Selbst-Transzendenz. Unter der Selbst-Transzendenz menschlicher Existenz verstehe ich den grundlegenden anthropologischen Tatbestand, dass Menschsein immer über sich selbst hinaus auf etwas verweist, das nicht wieder es selbst ist – auf etwas oder auf jemanden: auf einen Sinn, den da ein Mensch erfüllt, oder auf mit-menschliches Sein, dem er da begegnet.

Das ist nämlich das Geheimnis der bedingungslosen Sinnträchtigkeit des Lebens: dass der Mensch gerade in Grenzsituationen seines Daseins aufgerufen ist, gleichsam Zeugnis abzulegen davon, wessen er und er allein fähig ist. Ich möchte sagen, menschliche Existenz ist zutiefst durch ihre ‚Selbst-Transzendenz‘ charakterisiert. Menschsein weist über sich selbst hinaus, es verweist auf etwas, das nicht wieder es selbst ist. Auf etwas oder auf jemanden. Auf einen Sinn, den zu erfüllen es gilt, oder auf anderes menschliches Sein, dem wir begegnen. Auf eine Sache, der wir dienen, oder auf eine Person, die wir lieben.

Viktor E. Frankl  

Logos und Existenz

Die Logotherapie als sinnorientierte Beratungs- und Behandlungsform wurde von Prof. Dr. Viktor Emil Frankl entwickelt und 1946 in seinem Buch Ärztliche Seelsorge erstmals beschrieben.
Mit der von ihm ebenso seinerzeit dargelegten Existenzanalyse wurde der konkreten Arbeit in der Logotherapie eine anthropologische Theorie zugrunde gelegt. Mit diesem Menschenbild lässt sich die Logotherapie als humanistisch-existenzielle Psychotherapie verorten – für Menschen, die Hilfestellung in einer Situation existenzieller Orientierungslosigkeit benötigen. Wir wenden als Logotherapeuten das Gedankengut Frankls im Bereich der Psychologie, der Pädagogik, der Hospizarbeit, der Mediation, im Coaching und in der Führungskräfteentwicklung ein.

Im therapeutischen Kontext leistet die Logotherapie einen wichtigen Beitrag zur Vorbeugung psychischer Störungen, in der Behandlung von Sinnlosigkeitsgefühlen, zur Bewältigung von Verlusterfahrungen, im Umgang mit schweren oder chronischen Erkrankungen, zur Verarbeitung von Krisen und Schicksalsschlägen. Das Therapieziel besteht stets darin, den Möglichkeitsraum für neue Sinnerfahrung zu vergrößern. Dies geschieht gesprächsbasiert mit kognitiver und emotionaler Aktivierung der individuellen Lebenswerte und unter Einsatz innovativer Instrumente zur Werteanalyse und -entwicklung.

Den Menschen verstehen wir als sinnorientiertes Wesen, das vor dem Hintergrund seiner Bedingungen zur Selbstgestaltung seines Lebens fähig ist – auch, wenn eben dieses Leben als aktuell brüchig empfunden wird. Mehr zu unserem Arbeitskonzept finden Sie hier.

Welchen Sinn lasse ich in mein Leben?

Eine komische Frage, werden Sie vielleicht denken. Welchen Sinn lasse ich ins Leben?
Und doch ist diese Frage wichtig und recht typisch für uns Logotherapeuten. Es gibt offenbar mehr als nur einen Sinn und es gibt stets nur eine Person, die verantwortlich ist für seine Auswahl. Und diese Person kann auch sagen: Nein, dieser Sinn kommt mir nicht ins Haus.

Werde ich in Therapie und Coaching gefragt, wie ich selbst das mit dem Sinn halte, dann antworte ich gerne konkret so:

Für mich gibt es zwei Arten von Sinn. Den subjektiven Gehirnsinn in Form eines Verständnisses von etwas, das ich wahrnehme und mental [mens = Verstand] verarbeite. Dieser Sinn ist abhängig von meiner psychophysischen Verfassung und an vielen Stellen von meinen bisherigen Lebenserfahrungen. Und dann gibt es den objektiven Weltsinn [logos = Sinn] in Form einer Verantwortung, die ich für etwas oder jemanden übernehme, der ich nicht selbst bin. Dieser Sinn ist abhängig von meiner geistigen Verfassung in Form von Gewissen, Transzendenz und Wertfühlen.

Der Organisations­forscher Karl E. Weick hat einmal gesagt: „Sense­ making is about how to stay in touch with context.“ Dem würde ich gerne zustimmen, wenn der Kontext verstanden wird als etwas Gesolltes, von dem das Leben [also nicht irgendwer oder irgendwas] erwartet, dass die Person, die dieses Leben lebt, mit ihm in Beziehung tritt. Wird entsprechend dieses Gesollten gehandelt und entschieden, dann werden diese Handlungen und Entscheidungen als sinnvoll erlebt.

Verantwortlich für die Annahmen des ‚Gesollten‘ ist immer und einzig die eigene Person. Niemand kann diesen Weltsinn einer Person machen oder stiften. Jeder kann zwar Themen anbieten, die für einen Menschen den Gehirnsinn anregt, ihn zum Nachdenken führt oder die für ihn nachvollziehbar und verstehbar sind. Jeder Tag ist voll von solchen Themen und zuweilen heißen Menschen, die andere zu solchen Themen führen ‚Führungskräfte‘, ‚Sinnstifter‘, ‚Motivationstrainer‘, ‚Eltern‘. Mit dem im Leben aber ‚Gesollten‘ haben diese Themen zuweilen sehr wenig bis gar nichts zu tun. Bestenfalls sind diese Themen dann zweckdienlich [um mit ihnen Geld zu verdienen oder um geliebt zu werden oder um einen Status zu erhalten], sinnvoll sind sie womöglich aber nie und nimmer.

Wann sage ich ’nein‘ zum Sinn? Mein Gehirn sagt ’nein‘ zu Sinnangeboten, die die Bedeutung, die ich selbst meinem Leben zuspreche, mindern. Solange ich mir selbst bedeutungs- und wertvoll bin, weiß ich, was mir richtig und wichtig ist. Sollten Sie dies nicht [mehr] wissen, dann lohnen einige Gespräche mit einem Logotherapeuten [m,w,d].
Mein Gewissen sagt ’nein‘ zu Sinnangeboten, die die Bedeutung, die mein Leben für etwas oder jemanden haben könnte, mindern. Solange ich eine Beziehung fühle zu Aufgaben und Menschen jenseits meiner selbst, erlebe ich mein Leben als sinnvoll. Sollten Sie dies nicht [mehr] fühlen, dann lohnt ein Sinnwahrnehmungstraining, auch dies ist ein Format in der Logotherapie.