Kategorie-Archiv: Sinnorientierte Erwachsenenbildung

Der Ausweg aus der Kriseninflation

Erst war es der Stress, dann kam Burn-Out, spätestens jetzt ist es die Krise. Es geht um die Begriffs-Inflation. Wer nicht bei Drei auf dem Baum ist, hat eine Krise. Nach und nach pathologisiert sich so eine Gesellschaft selbst – mit der fatalen Folge, dass der, der wirklich im tiefen Selbstzweifel steckt und eine existenzielle Not zu überwinden hat, ewig auf einen Therapieplatz warten muss, belächelt wird als einer unter vielen oder dem irgendwann einfach nicht mehr zugehört wird. Ein Problem zu haben, reicht heute meist nicht mehr aus, gleich muss – so meint man – die superlative Keule der Krise herausgeholt werden, um sich etwas Gehör zu verschaffen.

Und dass wir neben unseren eigenen dann auch mit Corona-Krise, Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Klimakrise, vielleicht sogar einer Demokratiekrise zu tun haben, macht einen Teil der Gesellschaft völlig hilflos, andere stumpfen ab und werden lethargisch, wieder andere nutzen die Lage und werden zu kurzfristigen Krisengewinnlern, weil sie verängstigten Menschen irgendein Heilsversprechen verkaufen oder medial wirksam vermitteln, sie wüssten schon um den besten Umgang mit sich und der Welt.

Treten wir einmal einen Schritt zurück und schauen auf die Medizin zu Zeiten des Hippokrates. Krise meinte hier der an bestimmten Tagen erreichte, mehr oder weniger ausgedehnte Höhepunkt im Verlauf einer Krankheit, an dem entweder eine Änderung zum Besseren oder zum Schlechteren eintritt, also Genesung oder das Sterben. Krise war der Kipppunkt zwischen Leben und Tod. Nehmen wir die Gegenwart unter dieser Definition in den Blick, dann fallen zahllose Einzelereignisse, die in den vergangenen Jahren zur Krise hochstilisiert wurden, schlicht auf das Niveau von Problemen, durchaus auch komplexen und komplizierten, zurück.

Ändert man jedoch die Variablen ‚Leben‘ und ‚Tod‘ zum Beispiel in ‚lebenswerte Bedingungen‘ und ’nicht lebenswerte Bedingungen‘, dann verändern sich zwangsläufig Situationsbewertungen. Flapsig gesagt, ist dann ein Kind, das einen Tag ohne Eistüte als einen Tag mit nicht lebenswerten Bedingungen bewertet, auf der negativen Seite des Kipppunktes einer Krise gelandet.

Denken wir dies weiter, dann wären es letztlich subjektive Bewertungen hinsichtlich der Lebensbedingungen, um einen Tag das Etikett Krise anzuhängen. Damit wiederum wird der Begriff nicht nur superindividuell, sondern womöglich auch willkürlich, unmessbar und letztlich auch unbrauchbar.

Da nun andererseits subjektives Empfinden eben ist wie es ist und der Einzelne sich vor die Frage gestellt sieht, welche alternativen Antworten er den bislang als Krise bewerteten Lebensbedingungen geben kann, versuchen es viele Berater und Tröster mit dem Appell, die Krise doch als Chance anzusehen. Damit jedoch erschwert sich die Situation für den Einzelnen zusätzlich – erstens empfindet man die Situation als nicht lebenswert, andererseits scheint es Menschen zu geben, die offenbar in einer solchen Situation etwas entdecken, was man selbst nicht in der Lage ist zu sehen. Zu allem Übel kommt so also noch eine für Andere wahrnehmbare Inkompetenz hinzu. Es ist menschlich, dass sich die Psyche mit Widerstand gegen einen solchen Appell wendet.

Kann es einen Dritten Weg geben? Einen Weg, der außerhalb der fixierten negativen Bewertung der Lebensbedingungen und auch außerhalb der Plattitüde der Formel ‚Krise als Chance‘ liegt? In der sinnorientierten Denktradition springt uns hier Sartre zur Seite, wenn er sagt: „Wenn die Existenz dem Wesen vorausgeht, das heißt, wenn die Tatsache, dass wir existieren, uns nicht von der Notwendigkeit entlastet, uns unser Wesen erst durch unser Handeln zu schaffen, dann sind wir damit, solange wir leben, zur Freiheit verurteilt…“

Für Jean Paul Sartre kann sich der Mensch auf keine Ordnung oder Weltanschauung stützen, weil er das ist, was er selbst aus sich macht. Das klingt zwingend nach Klärungsarbeit, denn was ist in diesem Kontext das ‚Selbst‘? In der KrisenPraxis haben wir hierzu bereits vielfältige Hinweise gegeben. Kurz: Das Selbst einer Person ist vornehmlich ihr Wertesystem. Wer also um seine Werte weiß, der vermag zu beschreiben, worum und wofür es ihm im Leben geht. Wer dies nicht – aus welchen Gründen auch immer – nicht weiß, der hängt am ‚warum ist mir das Leben abhanden gekommen‘. Das A und O, das wArum und das wOrum, gilt es daher stets auseinander zu halten. Oder wie es Viktor Frankl betont: Jeder Mensch hat Bedingungen, aber jeder Mensch kann sich ihnen so [A] oder so [O] stellen. Und zwischen jedem Reiz [dem Empfinden von Bedingungen] und jeder Reaktion [A – wArum habe ich diese Bedingungen oder O – wOrum geht es mir im Leben trotz der Bedingungen] liegt ein Raum, und dieser Raum ist die Freiheit [frei zur Verantwortung, in Richtung A oder O zu handeln].

Was nun also ist eine Krise wirklich? Für uns ist es die nicht vollzogene Klärung der individuellen Werte und die damit verbundene Unmöglichkeit, sich seines unzerstörbaren ‚WORUM‘ bewusst zu sein.

„Wenn’s okay ist, dann haben es die Eltern gut gemacht,
wenn nicht, dann ist das Kind schuld.

Aber: Das meiste, was Eltern Erziehung nennen,
macht auf Kinder keinen Eindruck. Und das ist gut so.

Denn: Eltern üben auch heute noch oft ihre so Rolle aus, dass
sie niemals ein qualifiziertes Zeugnis bekämen, wäre diese
Rolle ihr Beruf.“

Aus Gesprächen über Erziehung mit einem Kinderpsychotherapeuten.

Welchen Sinn lasse ich in mein Leben?

Eine komische Frage, werden Sie vielleicht denken. Welchen Sinn lasse ich ins Leben?
Und doch ist diese Frage wichtig und recht typisch für uns Logotherapeuten. Es gibt offenbar mehr als nur einen Sinn und es gibt stets nur eine Person, die verantwortlich ist für seine Auswahl. Und diese Person kann auch sagen: Nein, dieser Sinn kommt mir nicht ins Haus.

Werde ich in Therapie und Coaching gefragt, wie ich selbst das mit dem Sinn halte, dann antworte ich gerne konkret so:

Für mich gibt es zwei Arten von Sinn. Den subjektiven Gehirnsinn in Form eines Verständnisses von etwas, das ich wahrnehme und mental [mens = Verstand] verarbeite. Dieser Sinn ist abhängig von meiner psychophysischen Verfassung und an vielen Stellen von meinen bisherigen Lebenserfahrungen. Und dann gibt es den objektiven Weltsinn [logos = Sinn] in Form einer Verantwortung, die ich für etwas oder jemanden übernehme, der ich nicht selbst bin. Dieser Sinn ist abhängig von meiner geistigen Verfassung in Form von Gewissen, Transzendenz und Wertfühlen.

Der Organisations­forscher Karl E. Weick hat einmal gesagt: „Sense­ making is about how to stay in touch with context.“ Dem würde ich gerne zustimmen, wenn der Kontext verstanden wird als etwas Gesolltes, von dem das Leben [also nicht irgendwer oder irgendwas] erwartet, dass die Person, die dieses Leben lebt, mit ihm in Beziehung tritt. Wird entsprechend dieses Gesollten gehandelt und entschieden, dann werden diese Handlungen und Entscheidungen als sinnvoll erlebt.

Verantwortlich für die Annahmen des ‚Gesollten‘ ist immer und einzig die eigene Person. Niemand kann diesen Weltsinn einer Person machen oder stiften. Jeder kann zwar Themen anbieten, die für einen Menschen den Gehirnsinn anregt, ihn zum Nachdenken führt oder die für ihn nachvollziehbar und verstehbar sind. Jeder Tag ist voll von solchen Themen und zuweilen heißen Menschen, die andere zu solchen Themen führen ‚Führungskräfte‘, ‚Sinnstifter‘, ‚Motivationstrainer‘, ‚Eltern‘. Mit dem im Leben aber ‚Gesollten‘ haben diese Themen zuweilen sehr wenig bis gar nichts zu tun. Bestenfalls sind diese Themen dann zweckdienlich [um mit ihnen Geld zu verdienen oder um geliebt zu werden oder um einen Status zu erhalten], sinnvoll sind sie womöglich aber nie und nimmer.

Wann sage ich ’nein‘ zum Sinn? Mein Gehirn sagt ’nein‘ zu Sinnangeboten, die die Bedeutung, die ich selbst meinem Leben zuspreche, mindern. Solange ich mir selbst bedeutungs- und wertvoll bin, weiß ich, was mir richtig und wichtig ist. Sollten Sie dies nicht [mehr] wissen, dann lohnen einige Gespräche mit einem Logotherapeuten [m,w,d].
Mein Gewissen sagt ’nein‘ zu Sinnangeboten, die die Bedeutung, die mein Leben für etwas oder jemanden haben könnte, mindern. Solange ich eine Beziehung fühle zu Aufgaben und Menschen jenseits meiner selbst, erlebe ich mein Leben als sinnvoll. Sollten Sie dies nicht [mehr] fühlen, dann lohnt ein Sinnwahrnehmungstraining, auch dies ist ein Format in der Logotherapie.

Geht der Sinn, geht auch die Motivation

Jegliche Handlungen in Form von Entscheidungen, Herstellungen, Kommunikationen erfolgen in Unternehmen durch dafür verantwortliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Soll es zu gemeinsamen Handlungen kommen, dann sind verbindende Ideen, gleichgerichtete Sprache und ein geteiltes und getragenes Werteverständnis erforderlich.

Den Grundbedürfnissen nach Sicherheit, Zuwendung oder Zugehörigkeit, die die Identifikation der Menschen mit ihrer Organisation einst förderten, werden neue Lebenswelten entgegengestellt, die unpersönlicher, hektischer und sachlicher sind – Welten, die an die Eigenverantwortlichkeit, Dringlichkeit und Professionalität appellieren. Menschen, die diese neue Welt mit anderen Lebensumfeldern balancieren können, finden durchaus Gefallen in dieser Lebensweise. Anderen wiederum entsteht durch den Wegfall der ihnen wesentlichen Werteheimat eine Leere, die sich nicht durch Zukunftsszenarien ausgleichen lässt. Für diese Menschen gibt es keinen „value compensation benefit“. Die Folge sind Fluchtverhaltensweisen, wie zum Beispiel innere Kündigungen und Passivitäten, Konsum und andere Räusche, Aggressionen nach innen und außen, Ideologisierungen oder Systemschädigungen aller Art.

Geht der Sinn, geht auch die Motivation. Die Forderung nach Selbstmotivation läuft in der Sinnleere eben in die Leere. Was hilft es – die Führungskräfte sind in einer neuen Pflicht. Wollen sie nicht nur nicht demotivieren, sondern einen aktiveren Beitrag zur Führungskulturentwicklung leisten, dann steht ihnen eine neue Qualität der Kommunikation ins Haus – das Sinnvereinbarungsgespräch.

Es ist eine ungewöhnliche Situation: Die gewaltigen Anstrengungen, um sich für den nächsten Lebenszyklus der Wirtschaft aufzustellen, verpuffen, ohne dass durch sie neue Sinnangebote entstehen würden. Global – digital – virtual – die Modernisierung wird zum Motor mancher Sinnfindungskrise. Der kleine Teil des Menschen, auf den es nur noch wirklich anzukommen scheint – das Wissens-Hirn – arbeitet immer feiner, fokussierter, kernkompetenter. Das ‚Ich‘ gewinnt, und das, was der Mensch will, steht im Vordergrund. Das ‚Selbst‘ verliert, und das, was der Mensch braucht, verschwindet in der Flucht. Nur wohin? In eine Kirche, eine Familie, eine Gemeinschaft, die ihrerseits allzu oft ebenso um das Werteüberleben kämpfen?

In einer einfachen, aber institutionalisierten Weise kann ein Beitrag geleistet werden, damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder spüren lernen, dass es ein hohes Gut noch gibt – die Glaubwürdigkeit. Dieser Wert reduziert Komplexität, er führt zu einer konstruktiven Bindung, er lässt beides zu: „Wachstum und Zusammen-Wachstum“, „Ertrag und Erträglichkeit“, „Arbeit und Sinn“. Aber Vorsicht – Glaubwürdigkeit bedingt Aufrichtigkeit zu sich selbst, die Kenntnis über eigene Werte, eigenes Vermögen und Nichtvermögen, eigenes Wissen und Nichtwissen. Ein „Projekt Glaubwürdigkeit“ wird scheitern, eine „Glaubwürdigkeitsoffensive“ ebenso.

Wenn in Unternehmen vom Sinn gesprochen wird, dann meist im Kontext von Zweck, Nutzen, Entscheidung und Erfolg. Im Alltagsleben mag dies genügen, schon im Althochdeutschen verstand man unter Sinn soviel wie „streben, begehren“. Ursprünglich aber bedeutete Sinn „gehen, reisen, fahren“. Diese Bedeutung hat sich aus dem indogermanischen Begriff „sent“ herausentwickelt – und mit „sent“ wollte man früher sagen „eine Richtung nehmen“ oder „eine Fährte suchen“.

Eine Richtung einzunehmen ist um so wichtiger, wenn die Strukturen, die früher Halt gaben, aufgelöst werden oder es bereits sind. Die Vielzahl von Möglichkeiten, die das Leben bietet, bilden zwar überaus abwechslungsreiche, meist auch hochgradig spezialisierte Bereiche heraus – der Zusammenhang dieser Bereiche ist allerdings nur noch schwer fassbar und lässt sich kaum noch zu einem Ganzen zusammensetzen.

Die Soziologen Döring und Kaufmann dazu: „Die strukturelle Differenzierung der Gesellschaft führt also gleichzeitig zu einer Differenzierung der Sinnsphären und damit für das Individuum zu heterogenen Sinnangeboten, welche sich kaum noch zu einem „Sinn des Ganzen“ integrieren lassen.“ Viktor Frankl dazu: „Im Gegensatz zum Tier sagen dem Menschen keine Instinkte, was er muss, und im Gegensatz zum Menschen von gestern sagen dem Menschen von heute keine Traditionen mehr, was er soll. Nun, weder wissend, was er soll, scheint er oft nicht mehr recht zu wissen, was er im Grunde will.“

In der weit verbreiteten Motivationstheorie von Maslow ist ‚Transzendenz zum Sinnvollen‘ an oberster Stelle der Motivationshierarchie zu finden. Das Fundament seiner Bedürfnispyramide bildet die Befriedigung niederer Bedürfnisse (Nahrung, Sicherheit …). Sind diese gesichert, so kann die Befriedigung höherer Bedürfnisse folgen. Folgt man diesem Konzept, so könnte man davon ausgehen, dass der Mensch erst dann den Anspruch auf einen Sinn des Lebens anmeldet, wenn es ihm gut geht. Dem widersprechen jedoch zahlreiche Beobachtungen und Erfahrungen aus der Therapie, wo der Sinn gerade dann wesentlich wird, wenn die Menschen sich in einer Krise befinden.

Die Sinntheorie von Viktor Frankl setzt daher den „Willen zum Sinn“ als Grundlage des menschlichen (beruflichen) Lebens voraus. Sinn ist der Antrieb des Menschen, es ist der Sinn, der den Menschen handeln lässt und ihn vorantreibt (… und nicht Lust oder Macht, wie dies Freud und Adler meinten). Nach Frankl taucht der Wille zur Lust und Macht immer erst dann auf, wenn der Wille zum Sinn frustriert ist.

Sinn in diesem Zusammenhang bedeutet nicht Zweck, sondern er ist immer auf ein Objekt, auf ein Ergebnis gerichtet. Sinn ist immer mit einem Subjekt verbunden und richtet sich nach dem Motiv eines bestimmten Handelns oder eines Erlebens. Sinn fragt also konkret nach der Bedeutung, die eine bestimmte Situation für den Mensch hat. Der Zweck von Handlungen eines Unternehmens ist es, dass es Geld verdient. Welche Bedeutung das verdiente Geld jedoch hat, wird nicht durch Zweck geklärt. Diese Bedeutung, der Sinn, ergibt sich erst daraus, wofür das Geld eingesetzt wird.

Sinn ist also nicht auf andere Bedürfnisse zurückzuführen und lässt sich auch nicht von ihnen herleiten. Da Sinn aber auch nicht direkt sichtbar ist, würden die meisten Menschen wohl widersprechen, wenn man ihnen sagte, dass sie nach Sinn suchen. Vielmehr würden sie eine Menge von Bedürfnissen und Motiven nennen, die offensichtlich und naheliegend sind. Dass diese Menschen trotzdem nach Sinn suchen, erklärt Frankl so: „Selbstverständlich wünscht sich jemand, der krank ist, zunächst einmal, gesund zu werden, und jemand, der arm ist, zunächst einmal, zu Geld zu kommen. Aber ebenso gewiss tun es beide ja nur, um dann ein Leben in ihrem Sinne zu führen – den Sinn ihres Lebens erfüllen zu können.“ Sinn ist folglich der „Energiespender“, der „Wunsch des Menschen, die Zerrissenheit des Lebens zu überwinden – denn da, wo Beziehung, Einheit hergestellt ist, wird Sinn erfahren“. Wer den Sinn nicht findet, so Frankl, läuft Gefahr in ein existentielles Vakuum zu stürzen, ein Nichts, in dem den Menschen nichts mehr vorantreibt.

Einen Sinn zu finden ist letztendlich die Aufgabe, die das Leben an den Menschen stellt. Sinn ist aber in jeder Situation vorhanden. So ist es nicht einzig die Frage nach dem Sinn des Lebens, die der Mensch sich stellen muss, sondern auch, welcher Sinn sich in der gerade gelebten Situation verbirgt. Die Erkenntnis des Sinns zu fördern, den Sinn des Einzelnen und des Unternehmens  zu thematisieren, ist möglich und aus unserer Sicht die zentrale Führungsaufgabe.

Sinn ist der konkrete Sinn einer konkreten Situation und dieser Sinn ist an eine konkrete Person adressiert. Das ist ein Vorteil – Sinn ist nicht nebulös, erst durch viele Instrumente und Analysen herauszuarbeiten oder kostenintensiv zu recherchieren. Sinn ist da, hier und jetzt, ansprechbar und aussprechbar. Ein wert- und sinnvolles Gespräch über den Sinn kann jederzeit geführt werden. Auch in Unternehmen.

Welchen Sinn eine bestimmten Situation bietet, ist für jeden Menschen unterschiedlich, so wie auch jede Situation einen anderen Sinn für den selben Menschen bietet. Nach Frankl ist Sinn objektiv in der Hinsicht, dass in jeder Situation eine Möglichkeit zum Sinn liegt und demnach von jedem auch gefunden werden kann. Sinn ist auch objektiv in dem Maße, dass eine „Welt des Sinnes und der Werte“ per se existiert, die objektive Geltung hat, also von der Bedeutung für das Individuum unabhängig ist. Sinn kann nicht gegeben, sondern muss gefunden werden … Sinn muss gefunden, kann aber nicht erzeugt werden. Sinn kann nicht von anderen vorgesetzt werden. Ein „Einreden“ oder „Überreden“ zum Sinn ist nicht möglich. Sinn ist keine Erfindung, sondern vielmehr eine „Entdeckung des schon immer Vorhandenen“. Sinn kann auch nicht durch das Streben nach Selbstverwirklichung gefunden werden. Selbstverwirklichung ist eine „Nebenwirkung“ dessen, was Frankl die Selbst-Transzendenz der menschlichen Existenz nennt.

Unter Selbst-Transzendenz versteht er, dass das „Menschsein über sich selbst auf etwas verweist, das nicht wieder es selbst ist …“ Dieses ist der Sinn, den es zu erfüllen gilt. Im Erfüllen von Sinn kann sich der Mensch dann auch selbst verwirklichen. Glück kann ebenso wenig wie Sinn erzeugt werden, da das Glück immer wieder es selbst ist. Was den Menschen glücklich macht, ist vielmehr der bestimmte Grund, weswegen er glücklich sein kann.

Nach Frankl bedeutet dies die „Entdeckung einer Möglichkeit vor dem Hintergrund der Wirklichkeit.“ Die Möglichkeit zum Sinn stellt sich in Form von Werten dar, die der Mensch wählt und nach denen er sich in dieser bestimmten Situation richtet. Die Verwirklichung dieser Werte ist Sinnfindung. Ob das, was der Mensch verwirklicht hat, auch sinnvoll ist, kann nur er selbst sagen. Eine Erfahrung, ein Erlebnis hat nur dann Sinn bzw. ist nur dann sinn-voll, „wenn die Gesamtheit dieses Erlebnisses dem Menschen persönlich etwas bedeutet“. Bedeutung spürt der Mensch, nach Frankl, in seinem Gewissen. Das Gewissen ist das ‚Sinn-Organ‘, das den Menschen auf der Suche nach dem Sinn leitet: „Es ließe sich definieren als die Fähigkeit, den einmaligen und einzigartigen Sinn, der in jeder Situation verborgen ist, aufzuspüren.“

Welchen Sinn der Mensch in einer konkreten Situation erfüllt, setzt sich zusammen aus einem „äußeren Anteil“, dem Sinnangebot dieser konkreten Situation, und einem inneren Anteil, der Identität des Menschen. „Sinn sagt immer: Widerspiegelung der Persönlichkeit“. Gleichzeitig sagt Frankl aber auch: „Was ich bin werde ich durch meine Entscheidungen“. Welche Identität ein Mensch für sich bildet, ist demnach abhängig von den Sinn- und Werteinhalten, die er wählt. Was zunächst paradox klingt, wird nachvollziehbar, wenn „der Mensch“ und „die Umwelt, in der der Mensch lebt“ nicht als zwei voneinander abgeschlossene Systeme angenommen werden, sondern als ein einziges, sich gegenseitig beeinflussendes System betrachtet wird.

Wunsch – Zweck – Sinn

Ich wünsche mir eine gute Beziehung zu einem anderen Menschen. Aber will ich sie auch? Ich wünsche mir mehr Anerkennung für meine Leistung. Aber will ich sie auch? Ich wünsche mir größere Freiheitsgrade. Aber – will ich sie auch?

Zwischen wünschen und wollen erscheint eine größere Kluft als umgangssprachlich angezeigt. Zumeist wird davon ausgegangen, dass der, der sich etwas wünscht, das Gewünschte auch will. Was aber, wenn man sich zum Beispiel Tage der Erholung wünscht, dann jedoch nichts dafür tut, damit dieser Wunsch in Erfüllung geht – wenn dem Wunsch keine Handlung folgt? Wie wird also aus einem Wunsch ein Wille?

Für Führungskräfte ist diese Frage zentral, wünschen sich doch viele ihrer Mitarbeitenden einen sicheren, gestaltungsreichen, finanziell interessanten, zukunftsrobusten Arbeitsplatz. Aber – wollen sie ihn auch?

Herr, mein Wille geschehe.

Höhere Tiere haben Wünsche, zum Beispiel ‚mit Freunden eine Runde Canasta zu spielen‘ oder ‚einen lange schon nicht mehr gesehenen Spielfilm anzuschauen‘. Höhere Tiere hemmen die Erfüllung eines Wunsches zugunsten der Erfüllung eines anderen, oder anders ausgedrückt: Ein Trieb siegt. Zutiefst menschlich ist hingegen das Vermögen, eigene Wünsche bewerten zu können und über den Vollzug der Bewertung etwas als wollenswert anzusehen.

Mit der Art seiner Wunschbewertung bezieht sich der Mensch auf sich selbst. Einer Wunschbewertung geht immer eine Selbstbewertung voraus. Wünsche ich mir eine anspruchsvolle Projekttätigkeit und bewerte dazu eine vorliegende Option, dann bewerte ich zuerst Aspekte meiner selbst, insbesondere meine Gefühle. Erst dann setze ich aus dieser Wertung heraus Energien frei, die als fester Wille, diese Tätigkeit auch auszuüben, interpretiert werden können.

Gewolltem Handeln geht also Selbstbewertung voraus und diese Bewertung kann quantitativ und qualitativ vollzogen werden. Eine quantitative Selbstbewertung findet zum Beispiel dann statt, wenn ich meine Kompetenzen, mein Wissen in den Vergleich mit anderen Personen rücke, die sich wie ich eine bestimmte berufliche Tätigkeit wünschen. Oder wenn ich reflektiere, wie viel ich in meine Qualifizierung investiert habe und nun einen Gegenwert für diesen Aufwand erwarte.

Eine qualitative Selbstbewertung hingegen wird offenkundig, wenn ich zum Beispiel eine Bewerbung für eine Tätigkeit zurückziehe, um damit einer anderen Person zu helfen, ein existenzielles Problem zu lösen. Der Wille zur Hilfe steht dann höher als der Wunsch für eine berufliche Tätigkeit. Willentlich derart zu handeln, dabei gegebenenfalls auch negative Gefühle zu überwinden [vielleicht, weil die andere Person sich zu einem früheren Zeitpunkt mir gegenüber nicht angemessen verhielt], erhält zumeist andere Zuschreibungen von Dritten wie: edel, tief, reif, frei, groß, stark.

Eine starke, qualitative Wertung gibt Auskunft über das ‚Wozu ist die Handlung gut‘, eine quantitative über ‚Welchem Zweck dient die Handlung?‘

Unter einem Zweck verstehen wir den Grund für zielgerichtete Handlungen unter dem Einfluss einer erwarteten Wirkung, die so stark ist, so dass das Bestreben, das Ziel zu erreichen, mit einer dafür ausreichenden Ressource unterstützt wird. Wer also etwas bezwecken will, muss auch die dem Zweck gemäßen Mittel wollen. Wer die Mittel nicht einzusetzen bereit ist, der will nicht – der wünscht bestenfalls.

Unter einem Sinn verstehen wir den ‚guten‘ Grund für wertebasierte Handlungen unter dem Einfluss einer stets gegebenen Wahlmöglichkeit, wobei sich der Handelnde in seiner sinnerfüllten Wahl einer anderen Person oder Sache hingibt. Wer dieses Gute nicht anzustreben bereit ist, der will nicht zutiefst – der bezweckt bestenfalls.

Wünscht sich eine Person nun eine berufliche Tätigkeit und artikuliert sie dabei eine quantitativ geprägte Selbstbewertung, so wird sie das, was sie wünscht, bereits als gut [im Sinne ‚gut für meine Zwecke‘] deuten.

Wünscht sie auf der Basis einer qualitativen Selbstbewertung, so kann sie erkennen, ob die Erfüllung des Wunsches für die Verwirklichung eigener, ihrem Wesen entsprechender Werte förderlich ist – letztlich, ob sie eine bestimmte Art von Person sein will. Bemerkt sie dabei, dass der Wunsch zum Beispiel nach einer bestimmten Tätigkeit im Unternehmen sie selbst kompromittiert – vielleicht weil ein Streben nach Erfüllung dieses Wunsches wissentlich zu einer seelischen Verletzung einer anderen Person führen würde –, so kann sie wollen, dem Wunsch nicht weiter zu folgen. Eine solche Person kann sich selbst gegenüber ein Veto einlegen. Oder nach Viktor Frankl: Eine Person muss sich von sich selbst doch nicht alles gefallen lassen.

Wann haben Sie zum letzten Mal zu sich selbst gesagt: Herr, mein Wille soll nicht geschehen?

Berufliche Seelsorge

Eine berufliche Seelsorge soll zu einer Veränderung im seelischen Zustand eines Menschen führen. Dabei hilft in einem ersten Schritt, dass mitgeteilte Belastung geteilte Belastung ist. Im zweiten Schritt jedoch wird die Verantwortung deutlich, die der Mensch dafür hat, seine Not zu wenden. Hierzu braucht es Überwindung und Selbstüberwindung. Gute Kräfte, um sich zu überwinden, sind Hoffnung und Glaube. Mit diesen Selbstbejahungsressourcen fällt es leichter, das ein oder andere Hindernis zu meistern.

An dieser Stelle ist sprachliche Klarheit hilfreich. Die weithin synonym verwendeten Begriffe Psyché und Seele trennen wir voneinander. Die mit dem Tod vergängliche Psyche umfasst die Grundemotionen Wut, Neid, Trauer, Ekel, Angst, Scham und Überraschung sowie damit verbundene Regungen und Verhaltensweisen wie Eifersucht, Ehrgeiz, Aggression, Oppositionssucht, Hass, Fanatismus und andere. Vielerorts wird dieser Aspekt menschlichen Lebens auch Triebseele genannt. Die Psychotherapie leistet für die Psyche Entlastungsarbeit.

Mit Seele hingegen adressieren wir den unvergänglichen Sinn im Menschen, das, was ihn überstrahlt – das, was weit mehr ist als seine einzelnen Handlungen, Erfolge, Probleme oder Mißgriffe. Dieser Aspekt des Lebens wird auch als Geistseele beschrieben. Im Moment des Verlustes, der Verfehlung oder der Trennung dominiert die Psyché und verleitet zu allerlei ‚Spielchen‘, Verdrängungen oder weiteren unguten Eskalationen. Die Begriffe ‚Rosenkrieg‘, ‚Mobbing‘, ‚deformation professionelle‘, Leugnung sind nur ein kleiner Ausschnitt der Palette. Was übrig bleibt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Da, wo die Seele spürt, dass etwas nicht mehr zu vereinbaren ist, dass sich etwas zusammen zieht und verkrampft, da ist Seelsorge ein sinnvoller Weg. In der beruflichen Seelsorge ist unser Bestreben, dass der erkennende Geist unseres Gesprächspartners die Wahrheit der Situation erfasst. Ist er erfasst, dann ist für weiterer Zweifel kein Raum.

Zweifel, der aus der Seele kommt, braucht Überwindung. 
Überwundener Zweifel befreit die Seele und weitet sie.

„Jeder wahre Lehrer, jeder Arzt, jeder Therapeut,
aber auch jeder Seelsorger kennt den eigentümlichen
Sprung, der sich in seiner Beziehung zu dem ihm
aufgegebenen Menschen vollzieht in dem Augenblick,
in dem er nicht anders kann, als sich dem anderen
gegenüber selbst zu öffnen und nun durch sein
Amtskleid hindurch als der ganze Mensch hervortritt
und so dem anderen als er selbst begegnet.
Bei allen Gefahren, die damit verbunden sind – er
weiß und spürt es: Erst jetzt erreicht er den anderen
wirklich von Person zu Person.“

Karlfried Graf Dürckheim
Vom doppelten Ursprung des Menschen

Berufsseelsorge für Führungskräfte

Analog zu Viktor Franks ‚tragischer Trias‘ [Tod, Schuld, Leid] verstehen wir unter der ‚tragischen Berufstrias‘ die Belastungsthemen: ‚Verlust‘, ‚Verfehlung‘, ‚Trennung‘. Ein Verlust kann zum Beispiel darin bestehen, dass eine Managementfunktion oder eine geschätzte Person verloren wurde. Aber auch Gesichtsverlust, Ehrverlust oder das Empfinden, die Hoffnung verloren zu haben, sind Gesprächsthemen in unserer beruflich sinnzentrierten Seelsorge. Eine Verfehlung kann beispielsweise darin bestehen, einen anderen Menschen vor einem bestimmten Umstand nicht rechtzeitig gewarnt zu haben, eine eigene Verfehlung begangen zu haben, ein Versprechen nicht gehalten zu haben oder auch das Gefühl, an wichtiger Stelle nicht mutig genug gewesen zu sein. Eine Trennung schließlich kann zu einem Thema der Managerseelsorge werden, wenn man sich von Menschen getrennt hat, ohne deren persönliche Situation ausreichend berücksichtigt zu haben oder wenn im privaten Umfeld eine Trennung vollzogen wurde, die man nun bereut.

„Ich weiß nicht, wohin mit meinen Sorgen. Durch mein egoistisches Verhalten ist menschlicher Schaden entstanden. Das tut mir leid, aber das hilft niemandem. Ich habe keinen Menschen, mit dem ich mich auf neutrale Weise darüber austauschen kann, und von kirchlicher Seite erwarte ich keine passende Unterstützung.“

Sehr oft äußern Führungskräfte in den Gesprächen mit uns den Wunsch, man möge die Dinge ungeschehen machen oder es wäre schön, könnte man die Zeit zurückstellen, um dann in anderer Weise entscheiden oder handeln zu können. Meist werden in diesem Zusammenhang erhebliche Gewissensnöte erwähnt und ein gedankliches Kreisen um das belastende Thema. Häufig dauern diese Belastungen bereits lange an, und zuweilen haben unsere Gesprächspartner bereits das Umfeld, in dem die Situation eintrat, bereits verlassen – sei es altersbedingt oder durch einen Wechsel in ein anderes Unternehmen.

Sinn: die beste Stressprophylaxe

Dass sich die Bedeutung gesellschaftlicher Strukturen wie die der Kirche, vieler Vereine, auch der Familie für viele Menschen heute stark verändert zeigt, ist mittlerweile eine weithin bestätigte Beobachtung. Um so wichtiger wird es für Menschen, zu klären, wo Sinn gefunden werden kann, wenn ihn die bisher üblichen Sinnquellen nicht mehr vermitteln.

Der Managementvordenker Prof. Fredmund Malik bestätigt zudem die Wahrnehmung vieler berufstätiger Menschen, dass auch Unternehmen ihre sinnvermittelnde Qualität zunehmend einbüßen. Alles in allem droht dem Menschen in unserer Zivilgesellschaft eine kollektive Sinnleere. Malik konstatiert daher, dass die Sinntheorie Frankls für ihn wichtigste Motivationslehre sei und er sich darüber wundere, dass dieses Wissen bei Führungskräften bislang fast unbekannt ist. Ein Grund dafür liegt wohl in der ‚Verantwortung zur Sinnfindung‘, die Frankl jedem Menschen zuschreibt. Die Zeiten, in denen ‚Sinn‘ wie auf dem Silbertablett angeboten wurde, ist zwar nicht vorbei, eher im Gegenteil. Nur: Menschen merken immer stärker, dass diese Angebote nicht den persönlichen Sinngehalt ansprechen, sondern meist eher zur Befriedigung der Bedürfnisse der Anbieter dienen.

Dabei ist der Weg, auf dem der einzelne Mensch den Sinn in seinem Leben finden kann, weniger abstrakt als man vielleicht denkt. Die Formel dazu lautet: Sinnfindung durch Werteverwirklichung. Und die damit verknüpfte Anforderung an den einzelnen Menschen besteht darin, sein Wertesystem zu erkunden. Die Kernfrage lautet: Kenne ich die Werte, die mir im Leben wesentlich sind?

In einer geleiteten Werteanalyse werden Menschen immer wieder überrascht, welche Werte sie in ihrem Leben von anderen übernommen, abgelehnt, verändert oder entwickelt haben. Ist das Wertesystem klar herausgearbeitet, dann ist dies das Fundament, auf dem sich Einstellungen, Motive, Ziele, Verhalten und Handlungen begründen. Mit dieser Klarheit kommt der Mensch in den Genuss, im Einklang mit sich selbst zu sein. Ohne eine solche Klarheit, wird das Leben eher schwammig und beeinflussbar. Die Folge sind Fremdbestimmung, Unzufriedenheit und Stress, denn wer dafür sorgt, dass andere für die eigene Lebensfreude verantwortlich gemacht wird, der darf sich nicht wundern, wenn dabei die eigene Sinnfindung auf der Strecke bleibt.

Individualausbildung in Logoandragogik und Business Mentoring

Wenn wir die Menschen so nehmen wie sie sind, machen wir sie kleiner.
Wenn wir sie aber so nehmen, wie sie sein sollen,
helfen wir ihnen, die zu werden, die sie sein können.

Pädagogische Maxime nach Goethe

MentorPro® ist das erste Ausbildungsprogramm zum Logoandragogen und Senior Mentor,

das das Konzept der ‚Sinnzentrierten Erwachsenenbildung‘ [Logoandragogik]
[Logos = Sinn / Andragogik = Wissenschaft der Gestaltung von Bildungsprozessen erwachsener Menschen]

mit dem Konzept des ‚Mentoring‘ verbindet
[Entwicklungsprozess, in dem eine erfahrene Person einen anderen Menschen mit seinem Erfahrungswissen fördert und unterstützt]

Das Ziel des Programms ist die Kompetenzerweiterung im Umgang mit Anforderungen im beruflichen Alltag durch die Gestaltung sinnorientierter Kommunikationsformen, pädagogischer Interaktionen und lebensnaher Unterstützungsleistungen. Es basiert auf dem Gedankengut des Arztphilosophen, Psychologen und Sinntheoretikers Viktor E. Frankl.

Während die ‚Logotherapie‘ [die sinnzentrierte Psychotherapie] dem Menschen in Krisen und Belastungsereignissen wieder zu einem Sinn im Leben verhilft und die ‚Logopädagogik‘ dazu dient, Kinder und Jugendliche an die gewissenhafte, freie und verantwortliche Beantwortung von Lebensproblemen heranzuführen, adressiert die ‚Logoandragogik‘ die Arbeit mit erwachsenen Menschen, deren Verlangen nach sinnorientierter Begleitung in der heutigen durch Komplexität ausgezeichneten Welt stark zunimmt.

Die Ausbildung richtet sich an Fach‐ und Führungskräfte
in der Erwachsenenbildung, Seelsorge und 
Lehre.

Programmbroschüre:
http://www.logoandragogik.de/fileadmin/docs/logoandragogik/MentorPro-Logoandragogik.pdf 

Antworten auf existenzielle Fragen finden

Der menschliche Geist kehrt, wenn er von einer neuen Idee gefordert wurde, nie in seine Ausgangsposition zurück.

Oliver Wendell Holmes

Aus den zahlreichen Bedeutungen, die das Wort ‚logos‘ in seinen Übersetzungen hat, greifen wir in unseren Beratungs- und Therapieleistungen auf das Wort ‚Sinn‘ zurück. Der Mensch sucht nach Sinn in seinen Beziehungen, seinen Betätigungen, seinem Beruf – und zuweilen nach sinnvoller Begleitung durch einen anderen Menschen, der ihn in einer Lebensphase darin unterstützt, Antworten auf existenzielle Fragen zu finden.

Viktor Frankl hat mit seiner ‚Theorie des Logos‘ die besondere Eigenart des Menschseins angesprochen. Für ihn ist ‚Mensch zu sein‘ kein ‚nun-einmal-so-und-nicht-anders-sein-Müssen‘, sondern steht ein ‚immer-auch-anders-werden-Können‘. Wer in dieser Haltung lebt, fragt immer wieder nach dem Sinn in seinem Leben. Diese Frage zu stellen, ist zutiefst menschlich und sie braucht etwas, was den Menschen über das hinaushebt, was ihm sein Körper und seine Psyche ermöglicht. Diese dritte Dimension ist der Geist.

Während die körperliche [somatische] und die psychische Dimension in einem engem Zusammenhang stehen – wir kennen dies zum Beispiel aus dem Bereich psychosomatischer Erkrankungen – kann sich der Mensch kraft seiner geistigen Dimension zum Beispiel über Beschwerden hinwegsetzen, die ihm Psyche oder Körper bereiten. Wichtig ist diese Fähigkeit besonders dann, wenn der Mensch am Sinn in einem seiner Lebensbereiche zweifelt oder verzweifelt.

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Die Krise des ‚am Ende zähl nur ich‘

Die Geister der Gier wird man so schnell nicht los. Alles will erobert sein, im Leben soll es üppig zugehen, es soll Spaß machen. Der Mensch giert nach Beachtung und Aufmerksamkeit, erhält er sie nicht, wird die Gier depressiv. Alles zählt jetzt, und so rennen die Menschen ihrem Glück nach und zuweilen auch achtlos an ihm vorbei. Bleibt zu wenig für das Ich übrig, dann muss schnell ein gieriges Feuer entfacht werden, damit die Psyche zu ihrer Befriedigung kommt. Die Ressourcen des Menschen sind endlich, seine Gier erschöpft sich in Erschöpfung und im Verglimmen der eigenen Flamme. Es muss alles jetzt sein, im Morgen kann man zu spät kommen. Dann sind die Körbe vielleicht schon leer. Wie spießig sind doch die, die an andere Denken. Weg mit den Gutmenschen, sie langweilen. Lasst uns geil und lustig sein, das Leben ist kurz und Zeit ist Geld.

Hatte der Mensch je ‚genug‘? Hatte er je das Gefühl, nicht im Modus ‚zu wenig‘ zu sein? Schauen wir uns um, dann finden wir alle Formen der Ausuferung. Wir merken, Gier hat jeder. Der eine giert nach Arbeitsleistung und die, die Gier stillen, klagen über ‚zu viel Arbeit‘. Der andere giert nach den Leckereien des Kühlschranks und die, die Folgen zu bezahlen haben, klage über ‚zu viel der Kosten des Gesundheitswesens‘. Der nächste giert nach Macht und die, die sie zu spüren bekommen, klagen über ‚zu viel Stress am Arbeitsplatz‘. Der übernächste giert nach Deutschtum und die, denen das fremd ist, klagen über ‚Fremdenhass‘.
Die Leistung der Kinder? Sind nicht genug. Also hinein mit Barbituraten.
Das Leben ist lebenswert? Nicht genug. Also hinein mit Speed, Ecstasy und Crystal Meth.
Geld, Sex, Einfluss, Kontakte ….. – Nicht genug.

Das ’nicht genug‘ ist eines der wesentlichen Themen in jeder Psychotherapie. Dazu zwei Perspektiven.

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