Kategorie-Archiv: Krisencoaching

Krise – Coaching – KI

Generative KI simuliert auf Basis gelernter Daten ihr Angebot, mit ihrem Anwender eine Art Beziehung eingehen zu können. Dass alles ohne jegliche subjektive Erfahrung über oder kontextbezogenes Verständnis von Situationen, in denen sich Menschen befinden. Es fehlt ihr an Bewusstsein für die Welt und den für jeden Menschen relevanten kulturellen, historischen und sozialen Rahmen. Eine dialogisch-kooperative Problemlösung ist daher nicht möglich und ein mit einem menschlichen Coaching vergleichbarer Prozess, in dem Klient und Coach ihre subjektiven Erfahrungen koppeln, bleibt unerreichbar. Der Klient muss also immer entscheiden, was ihm der Austausch mit einem Coach wert ist, der seine Sprache spricht, seine Erfahrungen nachvollziehen kann und sich mit seiner eigenen lebensweltlichen Geschichte einbringt. Es steht daher an, einen Entschluss darüber zu fassen, ob eine Beziehung  gewünscht wird, in der sich ein für seine Handlungen verantwortlicher Coach ohne übermenschliche, über allen Wassern schwebende Intelligenz, dafür fehlbar, zwangsläufig voreingenommen, vom Zeitgeist beeinflusst und verwoben in einen kulturellen und biografischen Kontext unterstützend einbringen soll. Welche KI sucht um ihrer Begrenztheit wegen den Austausch mit anderen KIen, um durch Künstliche Supervision sich im Ausleuchten „blinder Flecke“ helfen zu lassen? Menschliche Coachs – ich ebenso –  nutzen diese Wege (mit anderen Menschen als auch mit Unterstützung von KI), weil sie Werte, Macken, Passionen, Krisenerfahrungen und vieles mehr haben, was sie nicht irgendwie, sondern angemessen und zum Wohl des Klienten mit ihrem Wissen und Verhalten einbringen wollen.

Die kühle und zweckfreie Objektivität der KI ist dagegen nur ein dürftiger Ersatz. Ohne Selbstbewusstsein und Fähigkeit zur Selbstkritik verfügt sie nicht über die nötige Sensibilität für emotional schwierige Themen, die Klienten beschäftigen. Da sie trainert ist, wurden ihr auch Vorurteile antrainiert – die sie aber nicht als solche erkennen kann. Damit ist jede KI gewissenlos, ohne jede Verantwortung und Haftung für alles was sie anrichtet – im Guten wie im Schlechten, so zum Beispiel im Rahmen ihrer Halluzinationen, Fehlinformationen, ihrer fehlenden Rechenschaftspflicht aufgrund eines nicht vorhandenen Vertrags mit ‚ihrem‘ Nutzer, der ihr als Maschine unmöglichen Gefühlsarbeit sowie ihrer durch die mediale Berichterstattung bekannt gewordenen mitunter lebensgefährlichen Empfehlungen.

Aus dieser Argumention heraus ist der Begriff ‚KI-Coaching‘ reiner Nonsens. Flankiert ein Klient seinen Coachingprozess mit KI-gestützter Recherche von Informationen, zur besseren Problemerkennung und Zielsetzung, dann kann dies durchaus den Erfolg des Prozesses positiv beeinflussen. Dennoch bliebt zu beachten, dass ein körperloser, wahrnehmungsfreier, maschineller und zutiefst auf Sprache reduzierter ‚Partner‘ die Frage provoziert, warum ein Mensch mit einer für ihn bedeutsamen Problemstellung – womöglich im Kontext existenzieller Fragen entlang eines Krisengeschehens – auf jede Form biologischer, systemischer, ästhetischer oder ethischer Intelligenz verzichtet, wenn er sich einer KI mit seinem Thema ‚anvertraut‘, ohne dass diese mit dem Begriff Vertrauen über das reine Wortverständnis hinaus nichts anfangen kann? Der Ball liegt also beim Klienten – wer will er sein, wer will er werden?