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Liebe zur Weisheit

Liebe zur Weisheit – das meint ‚Philosophie‘. Und was ist Weisheit? Für mich die Fähigkeit, mit der Frage nach Sinn umgehen zu können. Sinn ist das Wesentliche. Wissen ist das Wichtige. Mit Weisheit vermag der Mensch, zwischen wesentlich und wichtig zu unterscheiden. Das Gehirn überführt Wichtiges in Wissen. Das Gewissen überführt Wesentliches in Weisheit. Weisheit hat Wissen integriert. Wissen jedoch noch nicht Weisheit. Was wesentlich ist, ist immer auch wichtig. Was wichtig ist, ist jedoch nicht immer auch schon wesentlich.

Weisheit ist das individuell beste angewandte Gewissen hinsichtlich des besten angewandten Wissens. Während der Mensch für sich selbst viel wissen kann, führt ihn sein Gewissen dazu, es derart einzusetzen, dass es für andere Menschen zum Guten gereicht. Das Gewissen öffnet somit die Tür zwischen ‚dem Menschen als Selbst‘ und dem ‚Menschen in der Welt‘. Und das Gewissen öffnet die Tür, um den Teil der Welt ins Selbst zu lassen, der dem Menschen selbst gut tut. Dass sich die Tür öffnen und schließen kann, ist weise. Weisheit ist der geistige Umgang mit der Grenze zwischen Selbst und Welt. Das Gefühl dieser Weisheit nennt sich Liebe.

Besuch bei Sokrates

Sokrates bekommt Besuch.
„Höre Sokrates, das muss ich Dir erzählen!“

„Halte ein!“ – unterbricht ihn der Philosoph.
„Hast Du das, was Du mir sagen willst, schon durch die drei Siebe gesiebt?“

„Welche drei Siebe?“, fragt der Besucher.

„Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast Du alles, was Du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“

„Nein, ich hörte andere es erzählen und…“

„So, so! Aber sicher hast Du es im zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte.
Ist das, was Du mir erzählen willst, gut?“

Zögernd sagt der Gast: „Nein, im Gegenteil…“

„Nun…“, unterbricht ihn Sokrates, „so lass mich fragen:
Ist es notwendig, dass Du mir das erzählst?“

„Notwendig? Nun, das gerade nicht…“

Sokrates: „Wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so begrabe es und belaste Dich und mich nicht damit.“