Kategorie-Archiv: Individuelle Krisenprävention

Die Sache mit dem goldenen Ei – ist nun vorbei

Knapp zehn Jahre stand mein Angebot Life2Me zur web-unterstützten Individuellen Krisenprävention zur Verfügung. Zum neuen Jahr hin habe ich nun dieses Programm offline gestellt. Noch ist nicht entschieden, ob und wie es in einem neuen, aktualisierten Kleid wieder erscheinen wird, aber ich werde natürlich gerne berichten, wenn es soweit kommt.
Den vielen Nutzern dieses Angebots sage ich besten Dank und freue mich, wenn es für Ihren persönlichen Lebensweg einen Beitrag hat leisten können.

Zum Beitrag vom 4.1.2026 – hier: Umgang mit Trauer

Wird über Trauer gesprochen, dann ist der Tod meist nicht fern. Dabei ist diese Grundemotion des Menschen mit Erfahrungen verbunden, die über den physischen Tod weit hinausreicht. Menschen betrauern den Verlust ihrer Heimat, ihrer Jugendlichkeit, ihres Berufes, ihrer Freiheiten, ja sogar die Niederlage ihrer Mannschaften im Sport. Menschen versinken in Lethargie, Depression, Apathie, Wehmut, Menschen suchen Trost und liegen sich in den Armen, um ein Stückchen Geborgenheit zu erfahren. Das alles unabhängig von ihrem Alter, ihrer Bildung, ihrem Geschlecht, ihrer Kultur, ihres Glaubens oder auch ihres Wohlstands.

Offen Trauer zu zeigen ist in einer Selbstoptimierungsgesellschaft, die dem Primat des Durchhaltens, Kämpfens und Leistens folgt, eine schwierige Sache. Schnell kommt so Trauer in die Nähe der Schwäche und des Tabus – mit der Folge, dass man verlernt, mit der eigenen und der Trauer anderer angemessen umzugehen. Viele Menschen geraten so in Trauerkrisen, weil sie ihre Verlusterlebnisse, die Folgen ihrer Erkrankungen oder die sich im Leben ergebenen Abschiede meinen nicht kommunizieren zu sollen. Dabei ist Trauer als angeborenes primäres Gefühl evolutionsgeschichtlich eine psychobiologische Reaktion zur Aufrechterhaltung der Gruppenbindung bei Trennungs‐ und Verlusterlebnissen. ‚Wir müssen jetzt näher zusammenrücken‘, dieser Satz spiegelt wider, wonach sich viele Menschen sehnen, wenn sie in Trauer sind.

Die Trauerforscherin Elisabeth Kübler‐Ross war die erste Wissenschaftlerin, die detaillierte Beobachtungen über die wechselnden emotionalen, kognitiven und verhaltensmäßigen Zustände bei trauernden Menschen machte. Mit ihrem Phasenmodell half sie dabei, die unterschiedlichen Interventionen herauszuarbeiten, die Menschen gut tun, um zuerst die Phase des Nicht‐Wahrhaben‐ Wollens, dann die Phase der aufbrechenden Emotionen, gefolgt von der Phase des Suchens und Sich‐Trennens und letztlich der Phase des neuen Selbst‐ und Weltbezugs zu durchlaufen. Heute wissen wir aber, dass dies nur ein grobes Modell ist. In der Realität verlaufen die Etappen manchmal mehrfach, manchmal unvollständig, manchmal schnell, manchmal über Jahre.

Trauer ist individuell und passt nicht in ein festes Schema. Dennoch gilt es für den betroffenen Menschen immer, zuerst einmal einen Verlust als Realität zu akzeptieren, den individuellen Trauerschmerz zu erfahren, sich wieder in die Umwelt einzupassen, in der nun fehlt, was zuvor gegeben war und dabei sich für das, was das Leben bereithält zu öffnen. Ob dabei das Gespräch mit vertrauten Personen, neutralen Dritten oder Gruppen unterstützen kann, muss die Person für sich fühlend entscheiden.

Ein trauernder Mensch stellt hohe Anforderungen daran, wie sein Trauern zu sein hat. Nicht selten wird Trauer in einer Weise gezeigt wie man sie in jungen Jahren im familiären Umfeld erlebt hat. Hieraus ergeben sich Trauer‐Glaubenssätze, die als ‚Ich‐sollte‘ oder ‚Ich‐müsste“‐Sätze formuliert werden, zum Beispiel als ‚sei perfekt in deiner Trauer‘; ‚beeil dich in deiner Trauer‘, ‚Sei stark in deiner Trauer‘. In der Begleitung eines trauernden Menschen kann es für ihn daher sehr entlastend werden, wenn er sich Erlaubnis erteilt, zum Beispiel ‚ich darf mir Zeit lassen‘ oder ‚ich darf meine Trauer auf meine Art gestalten und abschließen‘. Auf der körperlichen Seite gehören zu den Erlaubnissen, die eigene Versorgung durch gute Ernährung, Bewegung, ausreichend Schlaf und soziale Kontakte zu erhalten.

Aus Trauer zu lernen verweist auf die Vergänglichkeit unseres Lebens und der Dinge dieser Welt. Sie macht bewusst, dass Leben immer auch Abschied und Trennung mitmeint. Damit fördert sie eine Haltung, den Augenblick und das Vorhandene zu schätzen und die Relativität vieler Werte und Verhaltensweisen zu erkennen. Ein solches ‚abschiedlich leben‘ kann eingeübt werden: ‚Was würdest du heute anders machen, wenn dies der letzte Tag deines Lebens, deines Berufs, deiner Jugendlichkeit … wäre?‘ Sich diese Frage immer wieder einmal vorzulegen, kräftigt präventiv einen Menschen für den Umgang mit der Trauer, die sich eines Tages einstellen wird.

Zum Beitrag vom 4.1.2026 – hier: Umgang mit Scham

Scham ist ein brennendes Gefühl. Man spürt einen Achtungsverlust sich selbst gegenüber oder vor anderen Menschen. Scham ist stärker als Peinlichkeit. Um Scham zu empfinden, brauchen wir ein menschliches Gegenüber, das auch Selbstbewusstsein hat. Vor dem Computer schämen wir uns nicht, obwohl der viel besser rechnen kann als wir. Auch nicht vor Tieren oder Säuglingen. Das unterscheidet die Scham von der Angst: Ich kann mich vor einer Schlange oder vor einem heranrasenden Auto ängstigen, aber nicht schämen.

Auf den ersten Blick kann Scham als eine psychische Funktion zum Erhalt der Überlebensfähigkeit eines Menschen angesehen werden. Wer Scham fühlt, der anerkennt seine Selbstanteile der Nicht‐Fähigkeit oder Nicht‐Fertigkeit im Spiegel der Erwartungen an sich selbst. Der Mensch vergleicht sich mit einem oder mehreren anderen Menschen und empfindet seine Außenwirkung in seiner Selbstanschauung diesen gegenüber als minderwertig. Oder er vermittelt ein Selbstbild von sich, das sich in einer Situation als unangemessen erweist und von der Außenwelt als solches ‚entlarvt‘ und mit entsprechendem Feedback versehen wird.

Scham geht meist einher mit einer Verunsicherung über das aktuelle Identitätskonzept. Dadurch, dass sie die Diskrepanz zwischen Ist‐ und Sollzustand anzeigt, hat sie eine identitätsfordernde Funktion. Die eigenen Unzulänglichkeiten, derer man sich schämt, können in der Folge jedoch nicht nur zu einem negativen Effekt – zum Beispiel der Minderung des Selbstvertrauens – führen, sondern auch ein bedeutender Impuls zur Persönlichkeitsentwicklung sein. Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass Scham zu einer größeren Hilfsbereitschaft und größerem Mitgefühl führen kann. Ebenso erweist sich die Scham als zweckdienlich, um bei berechtigter Kritik von Dritten diese über das Schamgefühl zu einer angemessenen Selbstkritik zu transformieren, der ihrerseits ein Lernprozess folgt. Scham vermag somit die Fähigkeiten stärken, sich selbst zu helfen, offener für einen möglichen Fortschritt in der eigenen Persönlichkeitsentwicklung zu werden, die psychische oder physische Verfassung zu verbessern oder die Schwelle der eigenen Schamtoleranz adäquat zu verschieben.

Hilfreich ist es in diesem Zusammenhang, den Unterschied zwischen dem ‚Gefühl für Scham‘ und einem ‚beschämt zu sein‘ zu erkennen. Das Gefühl für Scham kann als Reaktionsbildung verstanden werden, mit der sich im Verhalten eine besondere Sensibilität für den Erhalt und Schutz kontextspezifischer Ideale und Werte, zum Beispiel der Würde oder des Respekts zeigt. Das Gefühl ‚beschämt zu sein‘ resultiert hingegen vielmehr aus einer Frage wie: ‚War es richtig, mich so zu zeigen?‘.

Aus einer sozialpsychologischen Perspektive betrachtet schützen Schamgefühle unsere Privatheit und sind als inneres, extrem aversives Signal ein Indiz für eine empfundene Übertretung von Distanzgrenzen, zum Beispiel im Kontext der Preisgabe von intimen Informationen. Im sozialen Kontext bewirkt das Schamgefühl, dass Distanz zu anderen Personen eingehalten wird. In diesem Sinne ist Scham die Grundlage von Moral und Intimität und steht in engem Zusammenhang mit Schuld‐ und Selbstwertgefühlen.

Der kleine ‚Schmerz‘, das maßvolle und dosierte Erleben von Scham, ist notwendig, um sich selber in Frage stellen zu können und somit zu lernen. Sie spornt uns an, nach mehr Unabhängigkeit zu streben, Leistungen zu erbringen, die wir uns bisher nicht zugetraut haben ‐ also unseren Idealen nachzukommen, den idealen Vorstellungen, die wir von uns als Person haben. Solange Scham diesen Aspekt hat, ist sie durchaus positiv. Erst wenn sie die Person überwältigt und sich womöglich zudem mit Angst vermengt, wirkt sie destruktiv. Pathologisch meint dies: Wenn Häufigkeit oder Heftigkeit nicht mehr zu neuen angemesseneren Konzepten vom Selbst, von den Objektbeziehungen und der Umwelt führen können, sondern umgekehrt entweder zur dauerhaften Ausprägung eines schamresistenten ‚Größenselbst‘ oder zu einem fragilen narzisstischen Gleichgewicht mit ständigen Selbstzweifeln und der Neigung zur Idealisierung anderer Personen führen, dann ist therapeutische Arbeit an der Scham angezeigt. Das Bewältigen von Scham kann zu Erfahrungen des Stolzes führen und sich somit in innere Stärke verwandeln. Es stärkt die Fähigkeit, sich der Scham zu stellen und unterstützt den Individuationsprozess.

Zum Beitrag vom 4.1.2026 – hier: Umgang mit Wut

Die Impulskontrolle zu verlieren oder mit Gebrüll, Gekeifer oder Aggression die Luft abzulassen, gilt heute weithin als Ausdruck einer schlechten Kinderstube. Wem öffentlich die Ader schwillt, wer schreit oder flucht, dem drohen schiefe Blicke. Auch Ärzte warnen vor zu viel Wutstress. Herzattacken und Schlaganfall werden begünstigt. Andererseits ist das der Emotion Wutvorangehende Gefühl des Ärgers an sich sehr hilfreich. Wem etwas ‚arg‘ ist, empfindet im Kern einen Wertekonflikt. Irgendetwas stört massiv und entspricht nicht den eigenen Wertmaßstäben. Günstig wäre nun natürlich, den verletzten Wert zu erkennen und angemessen den Konflikt zu kommunizieren. Wer anstelle dessen aber zur Wutreaktion übergeht, der mag sich biologisch ‚getröstet‘ wissen. So gehen Wissenschaftler der Harvard‐Universität davon aus, dass Wut dem Zweck diene, sich in der sozialen Hierarchie durchzusetzen. Dabei dienten Erbanlagen, die bei manchen Menschen den Botenstoff Dopamin im Gehirn regulieren, der für Wut und Aggression von Bedeutung ist. Viktor Frankl hielte diesem ‚Freibrief‘ wohl entgegen, dass ‚man sich von sich selbst nicht alles gefallen lassen muss‘, also auch nicht von Genen und Dopamin.

Schauen wir auf das kleine Kind, dann zeigt sich Wut bereits im Gesicht mancher Babys. Klar, wenn man etwas will und nicht bekommt, dann entsteht ein Ungerechtigkeitsempfinden. Wut wird so zur Antriebskraft des Kindes, seinen Wert ‚Gerechtigkeit‘ verwirklichen zu können. Gelingt dies, dann steigert die Wut quasi das Selbstwertgefühl. Kommt das Kind durch sein Schimpfen nicht weiter, erhält es sogar Gegenwut, dann steht zu befürchten, dass es sich nicht angenommen oder ernstgenommen erlebt – mit entsprechend möglichen Auswirkungen für die weitere Entwicklung. Andererseits: wer als Kind konfrontiert wird mit elterlichem Gebrüll für Kleinigkeiten, der kommt in eine ständige Alarmbereitschaft, in Furcht oder Dauerscham.

Wie auch immer, wer als Wutbürger durchs Leben geht, braucht als Gegenpol die Fähigkeit, ‚in seiner Fassung zu verbleiben‘. Selbstregulation meint dabei nicht zwanghaft positives Denken. Vielmehr die Fähigkeit ‚eine Nacht drüber zu schlafen‘, eine regulierende Atemtechnik zu beherrschen, im Stillen zu fluchen, Ausdauersport zu betreiben, um mentalen Stress abzubauen. Dies wäre die verhaltenspsychologische Komponente. Die existenzpsychologische ist die, das eigene Wertesystem zu analysieren, um herauszuarbeiten, bei Verletzung welcher Werte der Hut hochgeht, und warum. Vielleicht wird einem so klar, dass vielleicht die Kaffeetasse, die immer in der Teeküche dreckig herumsteht als Mangel an Wertschätzung des Arbeitsteams empfunden wird. Die Tasse wird so zum Symbol für das Empfinden, immer den Dreck anderer wegmachen zu müssen. Wer einen solchen Zusammenhang erkennt zwischen Wert, Auslöser und Wutreaktion, der kann gegensteuern – mit wertebasierter Kommunikation und Bedürfnisformulierung.

  • Auf welche Menschen oder Erlebnisse reagiere ich mit Ärger, Wut oder Zorn?
  • In welchen Situationen ist meine Wut am größten?
  • Wie lange beschäftigt mich schon diese Wut?
  • Was empfinde oder spüre ich, bevor die Wut hochkommt?
  • Was erlebe ich nach einem Wutausbruch?
  • Was macht diese Wut mit meinen Gedanken und Phantasien?
  • Wie äußert sie sich in meinem Körper?
  • Was bekomme ich dafür, wenn ich meine Wut zurückhalte oder verberge?
  • Was könnte mein Gewinn sein, wenn ich sie ausdrücke?
  • Was wäre das Schlimmste, das mir beim Ausdruck meiner Wut passieren könnte?
  • Was wäre das Schlimmste, das mir zustoßen könnte, wenn ich der Wut keinen Ausdruck gebe
  • Was änderte sich tatsächlich in meinem Leben, wenn eine dieser Möglichkeiten eintreten sollte?

Zum Beitrag vom 4.1.2026 – hier: Umgang mit Angst

Kaum eine andere menschliche Emotion hat eine solche Vielzahl von Erscheinungsformen und wird so kontrovers bewertet wie die Angst. Das zeigt sich an den vielen verwandten Begriffen: Furcht, Panik, Entsetzen, Grauen, Schrecken, Horror, Phobie, Beklemmung, Hilflosigkeit, Besorgnis und andere mehr. Überspitzt könnte man sagen: Es gibt so viele Ausformungen von Angst, wie es Menschen gibt. Denn jeder Mensch hat seine persönliche, in seinem Leben gewachsene Angst und seine eigene Weise, mit ihr umzugehen. Dennoch bezeichnen wir alle diese Erscheinungsformen mit dem einen Wort Angst. Es muss also einen gemeinsamen Kern aller dieser Arten von Angst geben, den jeder Mensch versteht.

Angst dient als Warnsignal vor akuten und zukünftigen Gefahren. Sie aktiviert, sensibilisiert und hält eine Person präsent hinsichtlich möglicher Bedrohungen der körperlichen und psychischen Integrität. Die Angst vor Ansteckung – wer erinnert sich nicht an die anfängliche Corona‐Zeit. Diese Angst war zumeist gesund, die Gefahr war unbekannt, das Leben galt es zu beschützen. Schnell wurde jedoch für viele Alles und Jeder zur Gefahr, irrational, überzogen, zu heftig und manchmal auch zu laut. Wenn der Grad der Angst der realen Situation nicht mehr angemessen ist, wenn sie das Verhalten deutlich und einseitig prägt und sich die Angst so weit verselbstständigt, dass eine Person Angst vor ihrer Angst bekommt: Dann ist Angst nicht mehr gesund. Dann ist sie nicht nur Warnung, sondern Lebensthema.

Die Unangemessenheit krankhafter Angst zeigt sich quantitativ wie qualitativ, körperlich, zeitlich und in ihrer Intensität. Wird Angst als unerträglich empfunden, in einem Gefühl der Selbstvernichtung, dann hat sich förmlich vom Leben Besitz ergriffen und es ist längst an der Zeit, ihr wieder den Platz einzuräumen, der ihr gebührt – der freundliche Platz dessen, der aufpasst, aber nicht lähmt. Ein solches Verhalten wieder einzunehmen, gelingt meist besser mit professioneller, auch medikamentöser Unterstützung. Der Grund dafür ist, dass Angst – anders als andere Emotionen nicht einfach verschwindet, selbst wenn sich die Situation neu darstellt. Angst ist derart fest mit unserer evolutionären Entwicklung verbunden, dass es auch wundern würde, nähme sie mit einmal Mal eine völlige Nebenrolle ein. Im Grunde hat der Mensch ‚nur‘ zu lernen, dass er stets die Hauptrolle in seinem Leben spielt. Denkt er jedoch stets über Angst nach, erwartet er förmlich, dass sie sich zeigt, dann wird die Person selbst zum Statisten ihrer zur Hauptrolle gewordenen Angst.

Typische Denkfehler unter Angst sind das Überschätzen von Gefahren und das Unterschätzen eigener Kompetenzen, das Beziehen von Misserfolgen auf die eigene Person und von Erfolgen auf glückliche Umstände, das katastrophische Denken und das Denken in extremen Entweder‐Oder Kategorien [z.B. ‚entweder ich werde Klassenbester oder ich bin der totale Looser]. Bei einem gesunden Umgang mit möglichen bedrohlichen Situationen, sieht die Person hingegen auch das, was keine Gründe bietet, sich zu sorgen, zu fürchten oder was Gefahr läuft, verloren zu gehen.

Jede unangemessene Angst ist krankhaft, aber nicht jede krankhafte Angst ist behandlungsbedürftig, sofern sie nicht störend ist, weil man ihr aus dem Weg gehen kann (z.B. indem man die Treppe statt des Aufzugs benutzt) oder weil man trotz der Angst immer noch handlungsfähig bleibt. Wird Angst als Störung, als Leidensdruck empfunden, dann sollte nicht gezögert werden, einen Logo‐ oder Verhaltenstherapeuten aufzusuchen.

Grundidee der Individuellen Krisenprävention

„Wie geht’s?“ „Danke, alles gut, wie immer.“ Bei vielen Menschen läuft der Alltag in festen Bahnen, routiniert, zuweilen eintönig, irgendwie eben ‚wie immer‘. Wird das beschauliche Dasein aber durch die vier großen K, Konflikt, Krankheit, Krise, Katastrophe durcheinandergebracht, dann fühlt sich die erforderliche Anpassung an wie eine Lebensprüfung, von der man weiß, nicht genug für sie zuvor gelernt zu haben. Die Folge: Stress bis zum Abwinken. Und ist die ‚Dekompensationsgrenze‘ überschritten, auf Deutsch: ist das Maß des Erträglichen voll, dann wird einem Menschen meist erst dann bewusst, dass der schwelende Konflikt, der Schmerz, der Selbstzweifel, die Not nicht mehr alleine bewältigt werden kann.

Vielleicht sind es auch äußere Bedingungen, die das Leben belasten, sei es die Unsicherheit bei der Rente, rechte Gewalt, der Krieg in Europa oder andere gesellschaftliche Ereignisse. Manches davon kann so sehr unsicher machen, dass Menschen psychische Auffälligkeiten entwickeln. Oft können schon kleine Maßnahmen wie das berühmte tiefe Durchatmen, die kleine Entspannungsübung, der Sport, Yoga oder Meditation beitragen, einen Situationsstress besser zu handhaben. Manchmal aber reicht das nicht, manchmal ist da mehr als ’nur‘ Stress. Dann braucht es eine andere ‚Coping‘-Strategie, eine andere Art, mit existenziellen Belastungen umzugehen.

Die Kunst, mit Stressoren fertig zu werden, die über das normale Maß hinausgehen und sie so einzusetzen, dass ein erfüllendes, gelingendes Leben wieder möglich wird, braucht einen heilsamen, begleitenden Prozess. Ihn unterstützt in der Regel eine individuell stimmige Psychotherapie, die die Sprachlosigkeit durchbricht und die Dinge in einem geschützten und diskreten Rahmen beim Namen nennt. Ein Ort, in dem sich das Aufgewühlte wieder beruhigen kann und in dem Emotionen, die sonst vielleicht belächelt würden, möglich sind.

Die Erzählungen aus dem unmittelbaren Kontext werden dabei eingebettet in die übergeordnete Lebensgeschichte – schließlich hat und ist jeder Mensch mehr als seine aktuelle Situation und sein aktuelles Verhalten. Interessant sich dann beim Übergang vom ‚Kleinen‘ zum ‚Großen‘ das Gegensätzliche, Gemeinsame, die Unterschiede und Muster. An diesen ‚Kipp-Punkten‘ entstehen oft die möglichen Ansätze hilfreicher Veränderung. Um zu ihnen zu kommen, braucht die Erzählung verschiedene Ebenen. Auf der Oberflächenebene berichtet der Klient das Ereignis, die Details und ermöglicht dem Therapeuten [oder Coach …], sich von der Abfolge, den beteiligten Personen, dem Ort u.a. ein Bild zu machen. Auf der Innenebene beschreibt er, wie er emotional und mental auf das Ereignis reagiert hat, was in ihm vorging, was er dachte, wie er handelte. Und auf der Reflexionsebene schaut er, wie er das Erlebnis einordnet in seine Lebensgeschichte, welche Lösungswege ihm offen stehen, welche Hindernisse sich auftun, was bereits gelang, welcher Lernprozess sich anbietet, wie sich Geschehenes für Zukünftiges nutzen lässt.

Ein oft anzutreffendes Phänomen in Gesprächen mit Klienten ist der ‚Abwärtsvergleich‘. Treten völlig neue Situationen mit persönlich negativem Einfluss ein und weiß die Person dann nicht, ob ihr Empfinden angemessen ist oder nicht, dann sucht sie nach Erzählungen über andere Menschen, die vergleichbare Situationen erlebt haben. Das Ergebnis eines solchen Vergleichs ist oftmals stabilisierend und positiv konnotiert [‚wenn ich mir vorstelle, was diese Person durchgemacht habe, dann hätte es mich selbst ja noch schlimmer treffen können…].

Abwärtsvergleiche sind Bewertungen, die mit der Wirklichkeit, also dem Empfinden der verglichenen Person, nichts zu tun haben müssen. Das Interessante an Abwärtsvergleichen ist daher, dass sie auch dann funktionieren, wenn man sich einen Menschen bloß vorstellt, dem es schlechter geht als einem selbst. Allemal trösten sie also die Person über die eigene Situation hinweg, und oft motivieren sie parallel dazu, ‚sich von sich selbst nicht alles gefallen zu lassen‘ [Viktor Frankl].

Was geschieht aber, wenn man in belastender Situation einen Menschen in realer Anwesenheit erlebt, dem es schlechter geht als einem selbst. Von diesen Momenten wird häufig so berichtet, als würde in solchen Situationen das Gewissen der Person eingreifen und nicht zulassen wollen, dass man sich quasi auf ‚Vergleichskosten‘ anderer Menschen besser fühlt.

Wie kann vor diesem Hintergrund nun eine Empfehlung für eine passendere Copingstrategie lauten? Auch hier helfen die Einsichten betroffener Menschen weiter: „Wende dich im konkreten Erleben einer persönlichen Belastung den Menschen zu, die dir in ihrem Verhalten bereits einmal zeigten, dass es trotz einer Leiderfahrung für sie (weiterhin) darum ging, einen Beitrag zu leisten für jemanden, der nicht sie selbst war oder für etwas, das nicht die Person als egoistisches Ziel für sich selbst formuliert haben.“

Warum Krisenprävention so hilfreich ist

Die oben genannten ‚vier großen K‘ sind mehr oder minder lange Zeiträume mit starker emotionaler Aufladung. Angst, Wut, Trauer oder Scham – dazu in den folgenden Tagen mehr – führen in eine psychische Verfassung, die nach Abwehr ruft. Versuche, solchen Situationen mit Weglächeln oder Ignoranz zu begegnen, schlagen meist fehl. Dahinter steht oft der Irrtum, dass man Emotionen unterdrücken sollte, um dem Umfeld eine vermeintliche Schwäche nicht anzuzeigen. Viele Menschen kennen zum Beispiel bei Todesfällen den Umstand, dass man einfach nur noch funktioniert, um allen Anforderungen zum Beispiel von Ämtern zu genügen. Hierfür braucht es zwar wirklich einen kühlen Kopf, dennoch merken viele Menschen schnell, dass sie sich die Zeit für die emotionale Verarbeitung der Situation ebenso nehmen müssen. Das ist auch gut so, denn Emotionen sind weder bloße Begleiterscheinun­gen noch in ihrem Erscheinen verallgemeinerbar. Im Gegenteil, sie sind höchst individuelle Hinweise auf den Belastungsgrad, die Bedeutung des Ereignisses, die Bewertung der Situation und die Nähe der eigenen Person zum Tod [sei es einer Person oder auch einer Aufgabe, von der man Abschied nehmen muss].

Wenn man nun im Rahmen einer (in einer unbelasteten Zeit vorgenommenen) Krisenprävention die eigenen Emotionen erkundet, die bei nicht völlig auszuschließenden zuküntigen Lebenssituationen zu erwarten sind, dann hat man eine Grundlage dafür geschaffen, wie man sich steuern und regulieren kann, sollte eine solche extreme Belastung wirklich eintreten [und jeder Mensch kann sich sicher sein: irgendwann kommt eine solche Situation]. Kommt die Krise unvorbereitet, dann liegt es für die Psyche nahe, einen Abwehrmechanismus zu starten [zum Beispiel Leugnung, Aggressivität, Rationalisierung u.v.a.m.]. Diese Abwehr jedoch lässt sich nicht ewig aufrecht erhalten – versucht man es dennoch, sind psychische oder psychosomatische Wirkungen zeitnah beobachtbar.

Wer sich jedoch präventiv seiner Emotio­nen klar wird, kann sie im Fall des Falles annehmen, justieren, regulieren und damit leichter aus dem Stimmungstief herauskommen. In einer Krise diese Emotionsarbeit zu leisten ist natürlich ebenso möglich – nur ungleich schwerer, da nun die Verarbeitung des Anlasses und die Klärungsarbeit für den Umgang mit der Situation zusammenkommen. Was Menschen in einer Krise und der mit ihr verbundenen Doppelbelastung oft versuchen ist, dem Ereignis einen Sinn ab­zuringen – ‚für irgendetwas wird es gut sein‘. Dieses sehr menschliche Vorgehen entpuppt sich bei genauerem Hinsehen jedoch als Illusion, dass man wohl erst durch die Krise einen Reifungsschritt hat gehen können.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Krisenprävention verhindert keine Krisen. Ihr Beitrag besteht vielmehr darin, den Umgang mit potenziellen Krisen zu verbessern. Durch sie wird es möglich, sich über das Wesentliche bewusst zu werden, über das, was jede Krise überdauern wird – die eigenen Werte [Betonung auf eigene]. Wer sie kennt, setzt klare Prioritäten, entscheidet wertebewusst, bleibt sensibel für die trotz allem auf den Menschen wartenden Sinnangebote.

Krisenprävention kann man nicht delegieren. Wer sie selbstbewusst vollzieht, kann Krisen besser trotzen. Und: Krisenprävention kostet nicht viel an Zeit oder Geld. Sie kostet vorrangig die Überwindung des Glaubens an eine lllusion. Der Illusion, dass Krisen sein müssten, um sich als Person weiterentwickeln zu können.

Haben Sie eigentlich Ihren Sinn im Leben gefunden? – Teil 1

… wurde ich in den vergangenen Jahren immer wieder gefragt. Ich erzählte dann immer wieder kurz von einem Ereignis, das mich 2004 zu Frankl führte, verbunden mit einer völlig neuen beruflichen Ausrichtung. In meiner eigenen biografischen Arbeit entdeckte ich dann weitere Momente, ungeplant, unerhofft, unerwartet, die zu Veränderungen in meinem Leben führten, die ich seit meiner Ausbildung in der originären Logotherapie und Existenzanalyse in den Kontext ‚objektiver Sinn‘ rücke. Andererseits gab es eine Fülle hausgemachter, selbst- und fremdbestimmter Ziele, von denen gar nicht einmal wenige durchaus erfolgreiche Ergebnisse zeitigten. Sie zu erreichen machte für mich Sinn, sie waren ’subjektiver Sinn‘.

Zum philosophiegeschichtlichen Gelehrtenstreit, ob Sinn nun objektiv oder subjektiv sei, habe ich mich so positioniert: Der objektive Sinn ist wesentlich, der subjektive Sinn ist wichtig. Damit will ich sagen, beide Perspektiven sind für mich gültig, aber es gibt gravierende Unterschiede. Objektiver Sinn braucht die Fähigkeit des Menschen, ihn in seiner Lebenswelt wahrzunehmen, wenn er sich zeigt (siehe hierzu auch den Teil 2 zu diesem Beitrag, der Anfang 2026 erscheint). Rückblickend habe ich diese Fähigkeit einige Male einsetzen können, und ich weiß nicht, wie oft ich Sinnanrufe dieser Qualität aus welchen Gründen auch immer nicht wahrgenommen habe und womöglich Sinnloseres tat als mir der verstrichene Moment angeboten hätte.

Subjektiver Sinn dagegen braucht die Fähigkeit des Menschen, sich mit seiner Lebenswelt auseinanderzusetzen und absichtsvoll Prozesse in Gang zu setzen, die etwas aus seiner Sicht Erstrebenswertes zuwege bringen sollen. Sich für Ziele dieser Art einzusetzen, gelang mir in meinen vierzig Berufsjahren durchaus eher mehr als weniger, aber es gab durchaus Empfindungen des Ziel-Zweifels bis hin zur Tilgung von Zielen, deren Erreichen mir irgendwann keinen Sinn mehr machten.

Während die Wahrnehmung eines objektiven Sinns unmittelbar nicht messbar ist, lässt sich zum Beispiel die individuelle Motivationsstärke, die eine subjektiv sinnvolle Zielerreichung bedingt, durchaus messen. Ebenso mit psychometrischen Verfahren messbar ist das Empfinden einer Demotivation, in der eine Person das von ihr angestrebte subjektive Ziel als unsinnig erlebt.

Ganz praktisch gesprochen biete ich meinen Gesprächspartnern folgende Hypothesen zur Reflexion an:

Im Leben kommt es auf die stimmige Relation von objektivem und subjektivem Sinn an.
Dazu vier, quasi in vivo unvorstellbare Perspektiven:

– Angenommen, eine Person nimmt nie einen objektiven Sinn wahr und zugleich setzt sie sich überhaupt keine eigenen Ziele, dann wird sie sich zum Ende ihres Lebens die Frage stellen: War es richtig, gut oder schön, dieses Leben gelebt zu haben, überhaupt gelebt zu haben?

– Angenommen, sie nimmt objektiven Sinn wahr, setzt sich jedoch überhaupt keine eigenen Ziele, dann wird sie fragen: Fühlt es sich für mich richtig, gut oder schön an, gelebt zu haben, ohne dass es ein spezifisch individuelles Leben wahr, das ich lebte?

– Angenommen, eine Person nimmt nie einen objektiven Sinn wahr, setzt sich hingegen aber eine Anzahl ihr wichtiger Ziele. Dann wird sie sich zum Ende ihres Lebens die Frage stellen: War es richtig, gut oder schön, diese Ziele für mich lohnend verfolgt zu haben?

– Und angenommen, eine Person nimmt objektiven Sinn wahr und setzt sich zudem darüber hinaus subjektiv sinnvolle Ziele. Dann wird sie fragen: Hat das Verhältnis gestimmt, habe ich alles aus meinem Leben gemacht, was ich aus ihm hätte machen können?

Objektiver Sinn trägt das Leben nachhaltiger als subjektiver. Das, was einem Menschen subjektiv Sinn macht, kann situativ schnell von einem anderen wichtigeren, subjektiv gemachten Sinn abgelöst werden. Ein als wesentlich gefühlter objektiver Sinn kann zu einer Lebensaufgabe transformiert werden, subjektiver Sinn stellt dagegen eher eine Lebenserwartung dar. Beim ersten stellt das Leben die Person vor eine Aufgabe, beim zweiten hat die Person an ihr Leben Erwartungen, dass sich Bedingungen ergeben werden, damit sich gemachter subjektiver Sinn in Form einer Zielerreichung verwirklichen lässt.

Kann subjektiv gemachter Sinn nicht verwirklicht werden, die Person hat jedoch einen objektiven Sinn im Leben, den sie verwirklichen kann
=> Glück und keine Krise

Kann subjektiv gemachter Sinn verwirklicht werden, die Person hat jedoch keinen objektiven Sinn im Leben, den sie verwirklichen kann
=> Zufriedenheit und Krisenlatenz

Weder objektiver noch subjektiv gemachter Sinn
=> Empfinden von Unglück durch existenzielle Sinnkrise

Objektiver und subjektiver Sinn
=> Riesenglück

Wird objektiver Sinn geistig wahrgenommen (das Leben erwartet von der Person eine Stellungnahme auf Basis der ihm per se verfügbaren Freiheit und Verantwortung), dann wird dieser Sinn in einem Folgeschritt mental – ich nenne dies auch gehirngeistig – transformiert (die Person fragt sich dann zum Beispiel, ob (Kompetenz) und wie (Methodik) sie nun umsetzen kann, wozu sie Stellung bezogen hat …). Subjektiver Sinn hingegen kann nicht in objektiven Sinn transformiert werden.

Zum Jahresende eine Anregung zur Reflexion:
Stellen Sie sich Ihre persönliche Lebenswaage vor. Legen Sie in die linke Schale eine oder mehrere Kugeln für den objektiven Sinn in Ihrem aktuellen Leben und in die rechte analog die Kugeln für jeden von Ihnen subjektiv gemachten Sinn. Spüren Sie eine Offenheit, an dieser Relation im neuen Jahr möglicherweise etwas zu verändern? Bei Fragen dazu können Sie mir gerne eine Mail schreiben.

Lebensthemen und Krisenprävention

Wie stellt sich der Mensch seinen Lebensthemen und kritischen Situationen? Biegt er ‚nur‘ oder bricht er unter seiner Situation? Seit einigen Jahren wird mit dem Begriff der Resilienz die Fähigkeit beschrieben, sich von Schwierigkeiten zwar beeinträchtigen, aber nicht zerstören zu lassen.

Wurde in den 50er-Jahren noch von einem Persönlichkeitsmerkmal ausgegangen, das durch ein Zusammenspiel von genetischen, biologischen und sozialen Einflüssen entsteht, wurde später die Resilienz als Kompetenz verstanden, erfolgreich mit belastenden Lebensumständen und negativen Folgen von Stress umzugehen. Bildhaft wird in diesem Zusammenhang seither die Resilienz als Brücke angesehen, die Stress hat, wenn sie unter einem gewissen Druck steht. Sie gerät in Spannung, schwankt, aber hält. Eine Krise würde bedeuten, dass sie einstürzt. Ist sie jedoch resilient, dann biegt sie sich zwar unter dem auf sie ausgeübten Druck, kann diesen jedoch schadenfrei ausgleichen.

Alle diese Definitionen nehmen eine rückwärtsgerichtete Perspektive ein. Gerät ein Mensch in eine ihn überlastende Krise, so mag zwar trefflich analysiert werden, dass die Resilienz den Erfordernissen der Situation wohl nicht entsprach. Entweder war dann die Bewältigungsstrategie der Person unzureichend oder ihre Ressourcen genügten nicht den Anforderungen. Oder es waren die Bedingungen bei gleichzeitig fehlenden Schutzfaktoren, die sich in ihrer Kombination ungünstig zur Krise auswuchsen.

Einen wissenschaftlich fundierten und überprüften Test zur Resilienzmessung gibt es bis heute nicht. Wie auch, ändern sich doch letztlich bei jedem Menschen zuweilen sehr kurzfristig relevante Schutzfaktoren wie zum Beispiel:

▪ Vorbilder und vorgelebte positive Lebensmodelle im persönlichen Umfeld
▪ Gute Beziehungen zu Vertrauenspersonen und Freunden
▪ Ausgeprägte Selbst- und Fremdwahrnehmung
▪ Eigenverantwortlichkeit in Entscheidungen und Handlungen
▪ Fähigkeit zur Akzeptanz dessen, was ist
▪ Wohlbalancierte Beziehungen
▪ Optimistischer Glaube an die eigene Kraft
▪ Realistische Ziele mit Langzeitperspektive
▪ Plan B mit zweitbesten Zielen
▪ Kenntnis der eigenen Stresskommunikation
▪ Problemlösefähigkeit
▪ Impulskontrolle
▪ Verlassen der Opferrolle
▪ Verantwortungsübernahme
▪ Hoffnung und Zuversicht
▪ Selbstliebe
▪ Körperliche und geistige Vitalität…

Betrachten wir diese Faktoren, die Resilienz entwickeln helfen sollen, so könnten wir schnell annehmen, dass sich ein Mensch in einer Krise wähnt, wenn er ohne diese Faktoren in eine ihn erschütternde Lebenssituation geraten ist. Nur: Wenn diese Faktoren zu Beginn einer Krise nicht zur Verfügung stehen, dann waren sie bereits auch zuvor nicht gegeben. Von einem positiven Lebensmodell ist dann auch ohne Krise wenig zu spüren gewesen oder gute Beziehungen zu vertrauten Menschen waren ohnehin rar oder der Glaube an die eigene Kraft war bereits zuvor einer lethargischen Grundhaltung gewichen und so weiter.

Natürlich ist es einem Menschen zu wünschen, sich gut beschützt zu fühlen. Ist er es nicht und kommt eine Krise hinzu, dann wird aus einer kritischen Lebenslage schnell eine absolute Not. Ist er es, dann ist dies jedoch noch lange kein Garant dafür, eine Situation nicht als Krise zu empfinden.

Aus unserer Sicht bleibt das Resilienzkonzept in seinen bisherigen Entwürfen deshalb noch unzureichend, weil es davon ausgeht, dass etwas einen Menschen resilient macht. Aus dieser Perspektive passt das Bild der Brücke gut, denn je nachdem, mit welcher Qualität, Aufmerksamkeit, Kompetenz, Materialgüte usw. die Brücke gebaut wurde, wird man auf ihre Standhaftigkeit und Lebensdauer schließen können. Ohne, dass also etwas gemacht wird, kann ein Mensch nicht robust genug sein, um sich schweren Lebenssituationen stellen zu können. Ein solches Menschenbild sieht den Menschen im Grundsatz als ‚defizitär‘ an.

Das unser Konzept tragende Verständnis, das den Menschen als frei, verantwortlich und nach Sinn im Leben strebend ansieht, passt so gar nicht zu einem solchen Bild. Und so fragen wir, was sich wohl ändert, wenn wir die individuelle Resilienz nicht an der Summe solcher Einzelfaktoren festmachen, sondern sie im Gegenteil als jedem Menschen per se gegebene Eigenschaft ansehen? Der Mensch ist in diesem Verständnis grundsätzlich ausgestattet, um den Widrigkeiten seines Lebens zu trotzen. Diese Arbeitshaltung einzunehmen, führt zu einer interessanten Herausforderung. Oftmals hören wir, dass eine massive Belastungssituation doch eine Reaktion wie Depressivität, Resignation, Antriebsverlust, Gefühllosigkeit oder anderes erzeugen müsse, eine psychische Störung wie zum Beispiel eine posttraumatischen Belastungsstörung doch ‚normal‘ sei.

Hierauf erwidern wir, dass es in unserem Verständnis vom konkreten Menschen abhängt, ob dieser sich von den Geschehnissen um ihn herum überhaupt belasten lässt – letzten Endes sein individuelles Verhalten eben nicht durch die Bedingungen diktiert wird, die er antrifft, sondern von den Entscheidungen, die er trifft. Trotz widriger äußerer Umstände die Bedingtheiten in die eigene Hand zu nehmen und über sich hinauszuwachsen, sehen wir als Urgrund menschlicher Resilienz an. Wir stützen uns dabei auf die von Viktor Frankl begründete Sinntheorie. In ihr spielt nicht das verletz- und erkrankbare Psychische die Hauptrolle, sondern das Geistige, das es dem Menschen stets ermöglicht, sich auf den Sinn im Hier und Jetzt auszurichten. Dies gelingt ihm, indem er sich seiner eigenen Werte bewusst wird und mit ihnen im Einklang stehende Entscheidungen und Handlungen trifft. Nicht das eine Person in einer Krise aktuell Verstörende,Traumatisierende, stark Belastende steht im Mittelpunkt, sondern die Klärung des Wertesystems mit ihrem Bezug zu dem, was die Situation sinnvollerweise zu tun anzeigt.

Mit anderen Worten: Der Mensch ist resilient, wenn er seine Werte kennt. Sind sie ihm nicht präsent, dann können sie in einer Krise nicht zur Bewältigung aktiv eingesetzt werden. Die Psyche übernimmt damit das Ruder und versucht mit der Belastung quasi alleine fertig zu werden. Dies führt in brisanten und erschütternden Lebenssituationen zu massiver Überforderung und den bekannten Symptomen wie Angst, Depression, Aggression usw.

Dazu das folgende Schaubild. Es zeigt den Zusammenhang zwischen Belastung und Bewältigungsfähigkeit. Ist die Belastung hoch und hat die Person eine gering entwickelte Fähigkeit, die Situation angemessen zu bewältigen, dann entsteht zum Beispiel Angst. Krisen, die einen Menschen wie ein Blitz aus heiterem Himmel treffen, führen zur maximaler Anspannung und negativen psychischen Symptomen. Ist sich die Person dann zudem ihrer Werte nicht bewusst,
entsteht ein Empfinden der völligen Sinnleere, der Resignation und tiefen Hoffnungslosigkeit.

Stellt sich der Krise jedoch eine Werteklarheit in Form deutlicher Selbstbewusstheit gegenüber, dann vermag die Person einen Willen zum Sinn zu formulieren, der sich letztlich in dem zeigt, was Viktor Frankl die ‚Trotzmacht des Geistes‘ nennt. Diese Macht, sich trotz allem von den eigenen Werten gestützt zu fühlen, ist stets stärker als der ‚normale‘ Versuch der Psyche, sich in einer nicht normalen Lebenslage auf- oder abzugeben. Das ist auch gut so, denn …

… jeder Mensch muss sich selbst ‚be-sinn-en‘. Andere Menschen können diesen Prozess zwar positiv beeinflussen, die Antworten auf die zentralen Fragen des Lebens muss jedoch jeder Mensch selbst finden und geben. Wäre das anders, dann könnten moralische Appelle ‚wie jemand zu sein habe‘ als Sinnangebote verpackt werden und letztlich einen Menschen komplett fremdbestimmen.

Dass wir solche Angebote kennen, sei es durch Botschaften aus der Werbung, der Mode, von Sekten oder sektiererischen Gruppierungen, aber auch in Unternehmen, in denen mit materiellen Verlockungen Pseudo-Sinn ‚gestiftet‘ wird, ändert nichts am Faktum: So wie Durst der ‚Beweis‘ für die Existenz von so etwas wie Wasser ist, so ist das Sinnlosigkeitsgefühl ein Beweis für den stets gegebenen Sinn.

Die Ortung des Sinns übernimmt der menschliche Sinnkompass, das Gewissen. Es ist nicht gleichzusetzen mit einem anerzogenen oder kulturell beeinflussten ethischen Bewusstsein. Vielmehr steht das Gewissen noch vor reflektierter Moral. Als Geistiges ist das Gewissen bereits da, bevor der Mensch seinen Verstand einschaltet. Jedoch – und dies erleben wir in unserer Arbeit immer wieder – versperrt der Verstand zuweilen vehement den Zugang zum geistig Sinnvollen. Dann blockieren bestimmte eingebrannte Denksätze, vermeintliches Erfahrungswissen oder eben die schon genannten Pseudo-Sinnangebote die Tür zum Sinn.

Krisen – so zeigt die Erfahrung – sind oftmals durch diese Blockaden gekennzeichnet. Der Denksatz: ‚Es wird schon irgendwie gut gehen‘, kann ein solcher Satz sein, der Sicherheit vorgaukelt und dem Menschen ein nicht zu haltendes Versprechen gibt. Verliert ein Mensch in einer Krise dann ‚Sinn‘, dann bedeutet dies nicht, dass es keinen mehr gibt, sondern lediglich, dass die Möglichkeiten der Sinnverwirklichung unter dem Einfluss der Krise nicht mehr erkannt werden. Beginnt nun die Sinnsuche, dann startet das ‚Entdecken einer Möglichkeit vor dem Hintergrund der Wirklichkeit‘ [Frankl]. Dass Menschen sich in Krisen aufmachen, ihrem Leben wieder neuen Sinn zu verleihen, ist ein weiteres Indiz dafür, dass es ihn gibt, jederzeit und eben auch in Krisen. Neben dem Bewusstsein, das erkennt, was ist, erkundet das Gewissen das, was sein soll. Das, was jetzt trotz allem zu verwirklichen ist.

Das Gewissen zeigt also die wertvollen Möglichkeiten auf, die trotz einer Krise auf Verwirklichung warten. Es ist die ‚Resilienzstruktur‘, auf die nur ein Mensch ‚wieder hin zu springen‘ [resalio] befähigt ist. Doch für diesen Sprung bedarf es eines gewissen Trainings. Bleibt das Gewissen untrainiert, so kann der Mensch den Sinn verfehlen, er kann sich ‚verirren‘. Er hat dann keine Gewissheit, wie es weitergehen kann.

Wie wichtig es ist, sich den Blick auf den Sinn im eigenen Leben auch in Krisen nicht zu verstellen oder verstellen zu lassen, zeigen auch die Forschungsergebnisse zur sogenannten Kontrollüberzeugung. So ist heute bekannt, dass Menschen, die der Ansicht sind, äußere Faktoren würden den Verlauf der Lebensgeschichte stärker beeinflussen als die eigenen Einstellungen und Haltungen, in Krisen deutlich öfter Symptome wie Angst und Depression zeigen. Ist der
Mensch jedoch davon überzeugt, dass er – auch wenn er Hilfe anderer bedarf – grundsätzlich selbst das Heft des Handelns in seiner Hand hat, dann wirkt dies deutlich stressmindernd. Die Krise wird ernstgenommen, in ihrer Bedrohlichkeit jedoch herabgestuft – die Person empfindet die Brisanz und doch übernimmt sie Verantwortung.

So empfiehlt sich eine Individuelle Krisenprävention, um gerüstet zu sein für Bedingungen, die einem suggerieren, es gäbe keinen Sinn mehr – für einen solchen Prozess schauen wir in der Logotherapie oder im Sinncoachig auf zwei Faktoren: Die Klärung der individuellen Werte und die Stärkung der individuellen Weltoffenheit. Sind Klärung und Stärkung vollzogen, ist der Prozess der Individuellen Krisenprävention beendet.

Stressverhalten „Nichts tun und endlos hoffen“

Diese ‚Krisenpersönlichkeit’ zeigt eine phlegmatische Abwartehaltung. In der Hoffnung, die Belastungssituation würde sich womöglich von ‚Geisterhand’ auflösen, verpasst der ‚Krisenaussitzer’ wichtige Zeitpunkte, um aktiv und selbstverantwortlich zu handeln.

Ihr vertraute Personen haben vergeblich versucht, sie zu deutlichen Entscheidungen und Aktionen zu bewegen – das Ergebnis sind tendenziell halbherzige Schritte, ein ‚Sich-Verzetteln’ in wenig wirkungsvollen Maßnahmen und eine Reduzierung der Kommunikation auch mit wohlgesinnten, konstruktiven Gesprächspartnern.

In der Begleitung dieser Person gilt es, ihre Beratungsresistenz, Inaktion und Vorsicht durch eineprofunde und direktive Unterstützung mit konkreten Arbeits- und Zeitplänen zu steuern, ohne ihn dabei zu überfordern oder ihm seine Eigenverantwortung zu beschneiden.

Günstig ist seine grundsätzliche Haltung eines ‚in der Ruhe liegt die Kraft’ [Konfuzius]. Sie bewahrt diese Person vor vorschnellen Handlungen und ermöglicht ihr, wichtige existenzielle Entscheidungen nach ausreichender Überlegung auch zu treffen.

Wie spricht diese Person:
„Wenn ich so in mich hineinhöre, …; bin mir nicht sicher, was jetzt zu tun ist …; ich frage mich gerade, ob …; was wäre eigentlich, wenn …; das muss ich noch in Ruhe nachklingen lassen …; ich warte auf genauere Anweisungen dazu …; halte Dich bitte zurück …; ich brauche meinen eigenen Raum …; so schnell geht das für mich nicht …; dazu kann ich jetzt noch gar nichts sagen …; dafür muss ich mir erst noch mehr Zeit nehmen …; da werde ich mir jetzt keinen Kopf machen …; …“

Was diese Person braucht: Ruhe, Einsamkeit
Das Thema, das sie immer wieder latent in Stress führt: Autonomie
Wie diese Person sich zeigt, wenn ihr das Thema keinen Stress mehr bereitet: Selbstbewusstsein
Wie diese Person sich zeigt, wenn sie dem Thema ausweicht: Sie empfindet sich selbst als bedeutungslos

Stressverhalten und Krisenprävention

Heute arbeitete ich mit einem Mann, der sich in einer für ihn schweren Berufskrise befindet. Seinem Vater zuliebe hatte er Jura studiert, um in die elterliche Kanzlei einzusteigen. Als zum Ende seines Studiums sein Vater sich anders entscheidet und die Kanzlei veräußert, sieht sich der mittlerweile 30 Jahre alte Mann vor eine existenzielle Frage gestellt: Soll ich in der Juristerei bleiben oder einem früheren Lebenstraum nachgehen, nämlich in die Architektur wechseln?

Seinem Vater, dem er irgendwie nicht böse sein kann, hat er nach dessen ‚Verkündigung‘ gesagt, dass er es traurig finde, dass dieser offenbar keinen anderen Weg hat finden können als sein Lebenswerk zu verkaufen. Erst im Coaching tritt der Groll zutage, den er gegen seinen Vater hegt. An sich, so seine Reflexion, hat der Vater „meine Bedürfnisse mit Füßen getreten“ – „aber, wahrscheinlich ist ihm selbst schwer ums Herz geworden, als er erkannte, dass es doch nicht anders geht“.

Wie auch immer, er müsse ja nun eine Entscheidung treffen. Sein Dilemma: Er hat kein festes Einkommen oder größere Rücklagen, die es ihm ermöglichen würden, einen zweiten Studiengang zu beginnen. Zwar könnte er sich auf eine Festanstellung als Jurist bewerben, aber diese Idee behagt ihm nicht, da er sich nicht als ‚Angestellter‘ versteht. „Ein solches Arbeitsleben geht gar nicht“, ist er überzeugt. Seine größte Sorge ist die, nicht auf eigenen Beinen zu stehen. Seinen Vater in seine Überlegungen einzuweihen, will er nicht, „denn dieser hat die Situation ja schließlich mit verbockt“. Außerdem sei es nun für ihn wichtig, alleine klar zu kommen und sich so zu entscheiden, wie es nur für ihn passt – „aber wenn das auch nicht gelingt, dann weiß ich auch nicht, was dann geschieht.“
Der Klient zeigt deutliche Anzeichen eines ihn belastenden Stressmusters …

Was geschieht nun, wenn ein Mensch in Stress gerät und zu wenig von der positiven Zuwendung erhält, die er braucht? Anfänglicher Stress, quasi Alltagsstress wird dadurch zu verringern versucht, indem eine Person ihre Verhaltensweisen in einer ersten psychischen Reaktion weiter verstärkt. Beispielsweise wird jemand, der einer Problemstellung vorrangig damit Herr zu werden versucht, zu recherchieren, zu analysieren, zu kalkulieren und sich vielfach zu informieren, dies noch intensiver tun („womöglich habe ich noch eine wichtige Datenquelle vergessen…“). Wird dieser Person nun aber keine ‚Anerkennung‘ für seine Denk-Leistungen zuteil, und sie erhält keine hinreichende Bestätigung für ihre Bemühungen, dann findet auf dem quasi nächsten Stresslevel eine Abwertung dessen statt, der oder das diese Anerkennung hätte geben können. Angenommen, dies wäre eine andere Person, dann würde der Stressgeplagte die Fähigkeit dieser Person in Frage stellen, ob sein sein Gegenüber überhaupt in der Lage ist nachzuvollziehen, wieviel Leistung in seiner Arbeit steckt.

Je mehr Stress im Spiel ist, umso negativer wird die Abwertung – einzig, weil es der Person nicht gelingt, ihren Stress herab zu regulieren und in ein gesundes Maß der Selbstberuhigung zu kommen. Es muss demnach etwas Schwerwiegendes sein, was diesen Prozess behindert, und das, was hier schwer wiegt, ist ein sogenanntes ‚Lebensthema‘.

Was nun könnten Lebensthemen für einen solchen Menschen sein, der alles dafür tut, um die relevanten Daten, Informationen und Erfahrungswerte beisammen zu haben, um richtig, pünktlich, genau, korrekt … entscheiden und handeln zu können? Vor diesem Hintergrund wird klar, dass ihn Situationen schmerzen, in denen er einen Verlust oder einen Abschied erlebt. Für Menschen, ‚die an alles denken‘, und dann doch etwas verlieren [sei es materieller oder immaterieller Art] oder die eine Trennung erleben, die eine Person einleitet [z. B. Scheidung], ist ein solches Ereignis meist völlig unverständlich.

Anstatt nun den erlittenen Verlust oder Weggang mit dem passenden Gefühl des Traurigseins zu kommunizieren, äußern sich diese Menschen, die dies zu tun nicht gelernt haben, eher frustriert und verärgert.

Woran kann es liegen, dass ein passendes Gefühl nicht gelernt wurde? Dies können frühe kindliche Erfahrungen sein, bei denen das Kind beobachtete, wie erwachsene Personen mit ihrem Stress umgingen. Es können Glaubenssätze sein, die irgendwann dem jungen Menschen ‚glauben‘ machten, nur ein bestimmtes Verhalten sei für den Umgang mit einer Stresssituation richtig. Schaut man hinter die von Mensch zu Mensch immer individuellen Kulissen, dann zeigt sich aber stets, dass ein authentisches Gefühl zu zeigen immer auch ein Stück weit zum Ausdruck bringt, fehlbar zu sein.

Niemand liegt immer zu 100% richtig, niemand bringt immer 100%ige Qualität, niemand hat immer zu 100% das Heft des Handelns in seiner Hand, niemand reflektiert eine Situation immer 100%ig vollständig, niemand fühlt immer 100% das was hilfreich wäre, niemand reagiert zu 100% passend gemäß dessen, was die Situation erfordert. Und doch glauben viele Menschen, dass sie nahe an diesen 100% dran sind. Erfahren sie dann kein positives Feedback, das stimmig ist mit dem, wie sie mit der Situation umgegangen sind (im Beispiel also kein Feedback für die Leistung der Datenanalyse …), dann kommt die Person in Stress aufgrund mangelner Anerkennung und es beginnt die Eskalationsspirale.

Wenn Sie sich selbst oder andere Menschen Sie gut kennen, dann können Sie sich auf den Weg zu Ihrem zentralen Lebensthema machen. Ist dieses Thema noch unbewusst oder werden – obwohl bewusst – seine Auswirkungen unterdrückt oder verdrängt, dann besteht das Risiko, dass künftige belastende Ereignisse, die mit diesem Thema verbunden sind, als Krise interpretiert werden.

Von dem, was dann geschieht, haben wir im Kontext der Krisenintervention und Krisenprävention heute bereits eine recht genaue Vorstellung. In den folgenden Tagen stelle ich dazu ‚Porträts‘ vor, die – bewusst leicht überzeichnet – eine Art Summe der Merkmale darstellen, die ich bei Menschen mit vergleichbaren Verhaltensweisen unter Krisenstress über viele Jahre hinweg habe beobachten konnen. Nach der Vorstellung dieser Porträts können Sie dann selbst zu dem eingangs beschriebenen Mann mit seiner Problemstellung zurückkehren und überlegen, welches Porträt seinem Verhalten am ehesten entspricht …  Und wollen Sie dann selbst mehr über Ihre eigenen Verhaltensmuster unter Stress erfahren, mehr über Ihre möglichen Wege einer individuellen Krisenprävention, mehr über Ihr eigenes Lebensthema …, dann schreiben Sie mir gerne eine Mail.