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Die Psychohygiene des Krisentherapeuten und Krisencoachs

Damit die Verarbeitung der Lebensthemen von Klienten und Patienten einen psychisch guten Verlauf nimmt, sollten Coachs und Therapeuten diese Reflexionen und Regulierungen einsetzen.

  • Wie belastbar ich zur Zeit, wie viele Krisen verkrafte ich? Wie nahe bin ich an einer Selbstüberforderung?
  • Wie und womit schalte ich ab? Nutze ich Stimmungsaufheller?
  • Welche Arbeitsbedingungen bedürfen einer Korrektur? (Belastungen, Terminfolgen, Wechsel von Tätigkeiten, Regulierung der Nähe-Distanz)
  • Mit welchen Arten von Krisen kann ich gut und weniger gut umgehen? Mit welchen Persönlichkeitsmerkmalen von Betroffenen kann ich besser, mit welchen weniger gut andocken?
  • Nutze ich Supervision? Permanent oder fallweise? Wie sind die Erfahrungen?
  • Nehme ich Themen der Patienten oder Klienten mit in Urlaub? Nehme ich Krisenliteratur mit?Dosiere ich angemessen? Spreche ich über die Krisenthemen mit Dritten?
  • Erhält mein Körper was er braucht? Ist mein Schlaf gut? Wechsel ich in der Freizeit die Themen? Achte ich darauf, dass Freunde mich nicht auf den Beruf reduzieren?
  • Arbeite ich in ästhetischer Umgebung, habe ich einen erfreuend gestalteten Arbeitsplatz?
  • Wie bewältige ich eigene Krisen?
  • Empfinde ich mich als resilient? Achte ich auf die eigene Krisenprävention im Kontext der möglichen Belastungen in der kommenden Lebensphase?

Gruß vom Simurgh

Vor circa 800 Jahren schrieb der islamische Mystiker Fariduddin Attar aus dem Norden Persiens seine metaphorische Geschichte vom Vogel aller Vögel, dem Simurgh. Dabei geht es um die Geschichte einer internationalen Vogel-Konferenz, die erforderlich wurde, weil es im Reich der Vögel viele Schwierigkeiten und Umbrüche gab. Nachdem die Versammlung feststellte, dass sie die verschiedenen Probleme und Krisen nicht meistern konnte, beschloss man, sich an den Simurgh, den Meistervogel, zu wenden. Für dieses nicht leichte Unternehmen stellte man eine Delegation von dreißig Vögeln zusammen, die sich sodann auf den Weg zum Simurgh machten.

Die Vögel mussten auf ihrer Reise über sieben Berge und durch sieben Täler allerlei Abenteuer bestehen. Auf einer Metaebene lässt sich bei dieser Erzählung eine Brücke schlagen zu den von Graves beschriebenen sieben Entwicklungsphasen der Menschheit vom vMeme Beige (dem Überlebens-Meme) bis zum systemischen vMeme Gelb (dem Meme, das alle vorangegangenen vereint als Ausgangspunkt für die weitere, höhere Entwicklung der Menschheit, weg von einer egozentrierten hin zum transpersonal-kosmoszentrierenden Menschheit).

Auf ihrer Reise erhalten die Vögel immer mehr Hinweise über das Wesen des Simurgh und erkennen, dass sie selbst, die dreißig Vögel, alle zusammen der Meistervogel sind. So entsteht eine Reise von dreißig Vögeln auf der Suche nach dem dreißigsten Vogel, der ihre innere Einheit repräsentiert. Sie erkennen, dass nur sie zusammen fähig sind, die Probleme, die Anlass ihrer Reise waren, zu lösen. Nur sie gemeinsam können die Antwort des Simurgh hören.

Für sich genommen, ist das Buch des alten Mystikers bereits ein wahrer Lese-Genuss. Doch habe ich mich gefragt, wer heute vielleicht die ‚Vögel‘ sein könnten, die sich gemeinsam auf ihre Reise zum Vogel aller Vögel machen (sollten), um eine integrierte, bewusste Weltgemeinschaft zu ermöglichen? Dazu sind mir diese dreißig Rollen eingefallen:

Weltahnenforscher – Integralphilosoph – Neuropsychologe – Friedensmediator – Völkerrechtler – Panikforscher – Lebensraumsystemarchitekt – Kosmos-Ethiker – Restorative-Justice-Systemiker- Klimatransformationsforscher – Hyperkomplexitätsforscher – Weltgesundheitsingenieur – KI-Ethiker – Digitalitätssoziologe – Schwarmintelligenzforscher – Ozeanographiker – Biodiversitätsforscher – Erdsystemwissenschaftler – Gemeinwohl-Eco-Ökonom – Weltgartenschauarchitekt – Postsozialmarktwissenschaftler – Weltgesellschaftsforscher – Bürgerbeteiligungs-Designer – Glokaler Governance-Architekt – Macht- und Ungleichheitsanalyst – Globaltransformatiker – Friedenspädagoge – Psychotraumatologe – Integraltherapeut – Megagruppenprozessmoderator

Welche Probleme könnten für diesen Simurgh zu Auftragsarbeiten werden?

Vielleicht ein solches?

Die meisten Menschen denken den ganzen Tag, ohne zu merken, dass sie denken. Vertieft in Episoden der Vergangenheit oder in der Planung von morgen, bleibt allzu oft die tiefe, gedankliche Auseinandersetzung mit dem auf der Strecke, was schwerfällt angenommen zu werden. Ein solches Thema ist die Erkenntnis, dass es der Mensch offenbar trotz aller detailliert erforschten Daten vielfach nicht schafft, aus ihnen die erforderlichen Lehren zu ziehen. Im Kleinen ist es vielleicht der persönliche Datensatz eines Blutbildes, aus dem heraus der Arzt einem klipp und klar sagt, was passieren wird, wenn sich die Einstellung der Person den Bedingungen nicht anpasst. Oder der Umstand, dass viele Menschen oft zu wenig für ihr Alter sparen, sich über Gebühr verschulden und  finanzielle Risiken ignorieren, obwohl Modelle und Daten klare Warnungen liefern. Oder trotz klarer Daten über zunehmende Resistenzen und zukünftige Gefahren greifen Menschen weiterhin zu Antibiotika „just in case“. Und auch, wenn es manchem Leser hier nicht gefällt: trotz statistischer Evidenz für deutlich reduzierte Unfallrisiken werden Regeln oft ignoriert, im Sport, im Straßenverkehr, im Haushalt. Dann darf nicht vergessen werden, dass trotz zahlreicher Berichte über Datenlecks und Missbrauch viele Menschen mit ihrer IT sehr leichtfertig verfahren. Die Gründe dafür sind psychologisch gut erforscht:

  • Menschen priorisieren oft unmittelbare Belohnungen.
  • Probleme, die sich kollektiv oder in der Zukunft zeigen, wirken weniger real.
  • Kognitive Verzerrungen wie zum Beispiel der Optimismus-Bias („Mir passiert das nicht“) oder der Status-quo-Bias („Das war schon immer so“) erschweren Verhaltensänderungen.
  • Verhalten wird stark durch Normen, Traditionen und Gruppenzugehörigkeit bestimmt.
  • Je komplexer die Problemlage, desto eher blockiert die Handlungslust.

Das alles wirkt auch, womöglich sogar noch stärker im Großen zum Beispiel beim Thema Klimawandel.

An sich müsste es ja jeder Mensch hierzulande vorbeten können: wir haben zuviele Menschen auf diesem Planeten, damit einen zu hohen Wasserverbrauch, wir blasen zu viel CO2 und Methan in die Luft, wir haben einen Verlust an Biodiversität und eine zu hohe Belastung durch Erosion und Entwaldung. Und selbst, wenn wir heute alle schädigenden Faktoren auf 0 setzen könnten, dann hätten wir und die nächsten bis zu zehn Generationen weiter unter den Folgen dessen zu knabbern, was wir in unserer Zeit nicht verhindert haben.

Das Fatale: Insgeheim ist dieses grandiose Scheitern jedem bewusst, die Verbitterung ist groß und der Zynismus auch. Wie fühlt man sich in einer Mannschaft, die ihr Spiel völlig verbockt hat, obwohl sie die Daten hatte, um wenigstens unentschieden zu spielen? Wie geht es einem selbst, wenn man weiß, dass man am Scheitern seinen Anteil gehabt haben wird? Wie geht es einem, wenn man womöglich zudem nicht an Gott und seine immerwährende Liebe und Entschuldigungsbereitschaft glaubt? Wie hält man das bloß aus?

Manche Menschen versuchen über einen esoterischen Zugang zur Meditation ihre dabei entstehenden veränderten Bewusstseinszustände so zu interpretieren, wie es ihnen gerade in ihr Glaubenssystem passt. Selbst in einem der Länder mit der längsten Tradition der Meditation, in Japan, wurden die durch diese Methode bewirkten nicht-dualen Bewusstseinszustände in Konzepte des Faschismus eingebaut. So entstand das Kamikaze durch Einsatz von Zen-Praktiken, mit denen das Überwinden des Egos und der Angst vor dem Tod trainiert wurden, was letztlich als Erfüllung eines höheren Ziels und als ständiger Kreislauf von Tod und Wiedergeburt und nicht als endgültiges Ende interpretiert wurde.

Es kommt immer darauf an, was man aus einer Methode macht. Und so kann auch die beste Meditationserfahrung nicht garantieren, dass von einem Menschen ethische Handlungen ausgehen. Das ist bitter, denn wenn es schon nicht der Verstand ist, der ausreicht, um doch noch zu verhindern, dass alle bekannten Kipppunkte wirklich kippen und andere Bewusstseinszustände oder Angebote zur Selbsttäuschung es auch nicht vermögen, das die Menschheit umschwenkt, dann bleibt wohl wirklich nicht mehr allzu viel.

Außer vielleicht dem klaren unverfälschten Bewusstsein dafür, dass wir alle wirklich nicht imstande sind, das, was klar ist zu tun, wirklich zu tun. Für diesen Sinn unseres Lebens haben wir Menschen offenbar die Antenne eingefahren und geben uns dafür lieber der Leugnung unserer kollektiven Sterblichkeit hin.

Im Kern ist es wohl unsere Trägheit für das Wesentliche. Wir sind turboschnell in wichtigen technologischen Themen, aber grottenlahm in dem, wofür die Zeit abläuft. Überall dort, wo ein Gehirn drin ist, kommt viel zu langsam etwas heraus, was einen globalen return of mental invest versprechen könnte – eben dafür braucht es wohl einen Simurgh.

Dafür lassen wir uns kollektiv langweilen von ‚Kriegsmächtigen‘, die zwar alle auch von den selben Informationen über den Zustand der Welt an sich konfrontiert werden und trotzdem meinen, mit ihren ‚Spielchen der Erwachsenen‘ irgendetwas von Belang beizutragen. Teilweise ewig anmutende Konflikte werden fortgesetzt, die Erschöpfung steht allen ins Gesicht geschrieben und wenn auch sie dann eines Tages ihre Rolle als Leugner des Wesentlichen bemerken werden, haben sie es zumindest geschafft, zur Beschleunigung allen Endes beigetragen zu haben.

Wobei es aber vielleicht eine Tür zu einem besseren Ausgang gibt! Wenn es schon so ist, dass wir Menschen so tun als ob wir die Lage im Griff haben, wenn es so ist, dass wir uns ablenken lassen, von dem, was uns alltäglich versucht zu erregen oder aufzuregen; wenn es schon so ist, dass wir die einzigen Wesen auf Erden sind, die sich selbst simulieren, jemand oder etwas (vielleicht eine KI) würde schon kommen, der oder das das Ruder herumreißt, um im gleichen Atemzug auszusprechen, was von dieser Idee zu halten ist. Wenn es schon so ist, dann können wir wenigstens jeder für sich eines tun: Das unangenehme Gefühl wirklich heranzulassen und auszuhalten und dann konkret zu benennen. Das Gefühl, das man nicht spüren will, dem aber jede Simulation gilt, die eben simuliert, es ginge um alles nur nicht um das Umschiffen dieses einen Gefühls.

Und wenn das Gefühl dann einmal klar benannt ist, dann könnte jeder Mensch eine sanfte Einladung ans eigene Gehirn aussprechen: „Du musst dir von dir und deinem Umgang mit diesem Gefühl nicht alles gefallen lassen“.

Damit würde ein Kollektivauftrag ermöglicht: „Lieber Simurgh, unterstütze jeden, der wissen will, worum es ihm selbst zu gehen hat, nachdem sein Gehirn bislang einen bemerkenswerten Job tat, indem es ihm eine Welt simulierte, die permanent kaschierte, welches zutiefst unangenehme Gefühl von ihm zu bewältigen ist, um die Autorschaft seines Lebens zum Wohl aller zurückzugewinnen.“

Stressverhalten und Krisenprävention

Heute arbeitete ich mit einem Mann, der sich in einer für ihn schweren Berufskrise befindet. Seinem Vater zuliebe hatte er Jura studiert, um in die elterliche Kanzlei einzusteigen. Als zum Ende seines Studiums sein Vater sich anders entscheidet und die Kanzlei veräußert, sieht sich der mittlerweile 30 Jahre alte Mann vor eine existenzielle Frage gestellt: Soll ich in der Juristerei bleiben oder einem früheren Lebenstraum nachgehen, nämlich in die Architektur wechseln?

Seinem Vater, dem er irgendwie nicht böse sein kann, hat er nach dessen ‚Verkündigung‘ gesagt, dass er es traurig finde, dass dieser offenbar keinen anderen Weg hat finden können als sein Lebenswerk zu verkaufen. Erst im Coaching tritt der Groll zutage, den er gegen seinen Vater hegt. An sich, so seine Reflexion, hat der Vater „meine Bedürfnisse mit Füßen getreten“ – „aber, wahrscheinlich ist ihm selbst schwer ums Herz geworden, als er erkannte, dass es doch nicht anders geht“.

Wie auch immer, er müsse ja nun eine Entscheidung treffen. Sein Dilemma: Er hat kein festes Einkommen oder größere Rücklagen, die es ihm ermöglichen würden, einen zweiten Studiengang zu beginnen. Zwar könnte er sich auf eine Festanstellung als Jurist bewerben, aber diese Idee behagt ihm nicht, da er sich nicht als ‚Angestellter‘ versteht. „Ein solches Arbeitsleben geht gar nicht“, ist er überzeugt. Seine größte Sorge ist die, nicht auf eigenen Beinen zu stehen. Seinen Vater in seine Überlegungen einzuweihen, will er nicht, „denn dieser hat die Situation ja schließlich mit verbockt“. Außerdem sei es nun für ihn wichtig, alleine klar zu kommen und sich so zu entscheiden, wie es nur für ihn passt – „aber wenn das auch nicht gelingt, dann weiß ich auch nicht, was dann geschieht.“
Der Klient zeigt deutliche Anzeichen eines ihn belastenden Stressmusters …

Was geschieht nun, wenn ein Mensch in Stress gerät und zu wenig von der positiven Zuwendung erhält, die er braucht? Anfänglicher Stress, quasi Alltagsstress wird dadurch zu verringern versucht, indem eine Person ihre Verhaltensweisen in einer ersten psychischen Reaktion weiter verstärkt. Beispielsweise wird jemand, der einer Problemstellung vorrangig damit Herr zu werden versucht, zu recherchieren, zu analysieren, zu kalkulieren und sich vielfach zu informieren, dies noch intensiver tun („womöglich habe ich noch eine wichtige Datenquelle vergessen…“). Wird dieser Person nun aber keine ‚Anerkennung‘ für seine Denk-Leistungen zuteil, und sie erhält keine hinreichende Bestätigung für ihre Bemühungen, dann findet auf dem quasi nächsten Stresslevel eine Abwertung dessen statt, der oder das diese Anerkennung hätte geben können. Angenommen, dies wäre eine andere Person, dann würde der Stressgeplagte die Fähigkeit dieser Person in Frage stellen, ob sein sein Gegenüber überhaupt in der Lage ist nachzuvollziehen, wieviel Leistung in seiner Arbeit steckt.

Je mehr Stress im Spiel ist, umso negativer wird die Abwertung – einzig, weil es der Person nicht gelingt, ihren Stress herab zu regulieren und in ein gesundes Maß der Selbstberuhigung zu kommen. Es muss demnach etwas Schwerwiegendes sein, was diesen Prozess behindert, und das, was hier schwer wiegt, ist ein sogenanntes ‚Lebensthema‘.

Was nun könnten Lebensthemen für einen solchen Menschen sein, der alles dafür tut, um die relevanten Daten, Informationen und Erfahrungswerte beisammen zu haben, um richtig, pünktlich, genau, korrekt … entscheiden und handeln zu können? Vor diesem Hintergrund wird klar, dass ihn Situationen schmerzen, in denen er einen Verlust oder einen Abschied erlebt. Für Menschen, ‚die an alles denken‘, und dann doch etwas verlieren [sei es materieller oder immaterieller Art] oder die eine Trennung erleben, die eine Person einleitet [z. B. Scheidung], ist ein solches Ereignis meist völlig unverständlich.

Anstatt nun den erlittenen Verlust oder Weggang mit dem passenden Gefühl des Traurigseins zu kommunizieren, äußern sich diese Menschen, die dies zu tun nicht gelernt haben, eher frustriert und verärgert.

Woran kann es liegen, dass ein passendes Gefühl nicht gelernt wurde? Dies können frühe kindliche Erfahrungen sein, bei denen das Kind beobachtete, wie erwachsene Personen mit ihrem Stress umgingen. Es können Glaubenssätze sein, die irgendwann dem jungen Menschen ‚glauben‘ machten, nur ein bestimmtes Verhalten sei für den Umgang mit einer Stresssituation richtig. Schaut man hinter die von Mensch zu Mensch immer individuellen Kulissen, dann zeigt sich aber stets, dass ein authentisches Gefühl zu zeigen immer auch ein Stück weit zum Ausdruck bringt, fehlbar zu sein.

Niemand liegt immer zu 100% richtig, niemand bringt immer 100%ige Qualität, niemand hat immer zu 100% das Heft des Handelns in seiner Hand, niemand reflektiert eine Situation immer 100%ig vollständig, niemand fühlt immer 100% das was hilfreich wäre, niemand reagiert zu 100% passend gemäß dessen, was die Situation erfordert. Und doch glauben viele Menschen, dass sie nahe an diesen 100% dran sind. Erfahren sie dann kein positives Feedback, das stimmig ist mit dem, wie sie mit der Situation umgegangen sind (im Beispiel also kein Feedback für die Leistung der Datenanalyse …), dann kommt die Person in Stress aufgrund mangelner Anerkennung und es beginnt die Eskalationsspirale.

Wenn Sie sich selbst oder andere Menschen Sie gut kennen, dann können Sie sich auf den Weg zu Ihrem zentralen Lebensthema machen. Ist dieses Thema noch unbewusst oder werden – obwohl bewusst – seine Auswirkungen unterdrückt oder verdrängt, dann besteht das Risiko, dass künftige belastende Ereignisse, die mit diesem Thema verbunden sind, als Krise interpretiert werden.

Von dem, was dann geschieht, haben wir im Kontext der Krisenintervention und Krisenprävention heute bereits eine recht genaue Vorstellung. In den folgenden Tagen stelle ich dazu ‚Porträts‘ vor, die – bewusst leicht überzeichnet – eine Art Summe der Merkmale darstellen, die ich bei Menschen mit vergleichbaren Verhaltensweisen unter Krisenstress über viele Jahre hinweg habe beobachten konnen. Nach der Vorstellung dieser Porträts können Sie dann selbst zu dem eingangs beschriebenen Mann mit seiner Problemstellung zurückkehren und überlegen, welches Porträt seinem Verhalten am ehesten entspricht …  Und wollen Sie dann selbst mehr über Ihre eigenen Verhaltensmuster unter Stress erfahren, mehr über Ihre möglichen Wege einer individuellen Krisenprävention, mehr über Ihr eigenes Lebensthema …, dann schreiben Sie mir gerne eine Mail.

 

2023 – neu: 10. Präventionsarbeit mit den Werte-Meme

In meinem Buch ‚Krisencoaching‘ habe ich eine kleine Selbstreflexions-Übung vorgestellt, bei der man sich für jede Entwicklungsebene [Werte-Meme] mit ihren jeweiligen Hauptthemen wie beispielsweise das ÜBERSTEHEN (das Überlebens-Meme) in beige, oder das ÜBERRAGEN (das Macht-Meme) in rot usw. Fragen stellt, die die Ressourcen und Gefährdungspotenziale jeder Ebene skizzieren.

Stellt man sich nun Situationen vor, die die jeweilige Ebene adressieren, so kann man im nächsten Schritt überlegen, ob man präventiv ausreichend etwas dafür getan hat, damit der Umgang mit unabwendbaren Situationen erleichtert würde. Beispielhaft kann man sich für Situationen, die das Überlebensmeme beige tangieren, Präventionsmaßnahmen wie Versicherungen, medizinische Vorsorge (also Prävention im Kontext des blauen Meme für Ordnung, Sicherheit und Struktur) vorstellen. Im Organisationskontext könnte eine Firmeninsolvenz gegebenenfalls präventiv dadurch abgewendet werden, indem Interventionen im roten Meme zur Anwendung kommen. Sich solche Interventionen szenarisch zu erarbeiten ist unter anderem ein Thema im Krisenpräventionscoaching, das Unternehmer in Anspruch nehmen.

 

Wege aus der Krise finden: Strategien für die Krisenpraxis

Die Bewältigung von Krisen gehört zu den größten Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert werden können. Ob persönliche Krisen, berufliche Herausforderungen oder globale Krisensituationen – sie alle erfordern eine gezielte Herangehensweise, um Lösungen zu finden und gestärkt daraus hervorzugehen. Hier stellen wir Ihnen wirksame Strategien vor, die Ihnen helfen können, den Weg aus der Krise zu finden.

  1. Akzeptanz und Selbstreflexion: Der erste Schritt bei der Bewältigung einer Krise ist die Akzeptanz der aktuellen Situation. Es ist wichtig, die Realität anzuerkennen und sich bewusst zu machen, dass eine Krise existiert. Gleichzeitig ist Selbstreflexion von großer Bedeutung. Nehmen Sie sich Zeit, um Ihre Emotionen, Gedanken und Reaktionen zu verstehen. Dies ermöglicht es Ihnen, Klarheit zu gewinnen und eine solide Grundlage für die nächsten Schritte zu schaffen.
  2. Zielsetzung und Priorisierung: Setzen Sie klare Ziele für sich selbst. Definieren Sie, was Sie aus der Krise erreichen möchten und welche Schritte erforderlich sind, um dorthin zu gelangen. Priorisieren Sie Ihre Ziele und fokussieren Sie sich auf diejenigen, die den größten Einfluss auf Ihre Situation haben. Dies hilft Ihnen, Ihre Energie und Ressourcen effektiv einzusetzen.
  3. Netzwerk und Unterstützung: In Krisenzeiten ist es wichtig, Unterstützung von anderen zu suchen. Bauen Sie ein Netzwerk aus vertrauenswürdigen Personen auf, sei es Freunde, Familie oder professionelle Helfer. Teilen Sie Ihre Gedanken und Ängste und lassen Sie sich von anderen inspirieren. Oft können unterschiedliche Perspektiven und Ratschläge neue Wege aufzeigen und helfen, Lösungen zu finden.
  4. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit: Krisen erfordern oft flexible Denkweisen und die Bereitschaft, sich an veränderte Umstände anzupassen. Seien Sie offen für alternative Lösungswege und überdenken Sie bisherige Strategien, falls erforderlich. Flexibilität ermöglicht es Ihnen, neue Chancen zu erkennen und neue Wege zu beschreiten, die Ihnen möglicherweise bisher verborgen waren.
  5. Selbstfürsorge und Resilienz: In Krisenzeiten ist es besonders wichtig, gut auf sich selbst aufzupassen. Achten Sie auf Ihre körperliche und mentale Gesundheit, indem Sie ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung in Ihren Alltag integrieren. Pflegen Sie Ihre Resilienz, indem Sie positive Rituale und Strategien der Stressbewältigung entwickeln, wie beispielsweise Meditation, Achtsamkeit oder das Schreiben eines Tagebuchs.

Fazit: Die Bewältigung von Krisen erfordert Mut, Entschlossenheit und eine gezielte Vorgehensweise. Mit den oben genannten Strategien können Sie Ihre Krise als Chance zur persönlichen Weiterentwicklung betrachten. Vertrauen Sie auf Ihre Stärken, suchen Sie Unterstützung und seien Sie offen für neue Wege.

Krisenprävention

Landläufig meint präventives Handeln eine „vorausschauende Problemvermeidung“. Vermutlich achten Sie bereits darauf, bestimmte Lebensrisiken nicht oder nicht mehr einzugehen oder sich, Ihr Umfeld oder Ihre Habe gegen mögliche Schäden „so gut es eben geht“ abzusichern. Wer an Prävention denkt, dem fallen dabei in der Regel zwei Begriffe ein: „Vorsorge“ und „Versicherung“.

Unser Verständnis von Krisenprävention weicht von diesem Bild ab – denn: Krisen lassen sich nicht vermeiden, soll die Teilhabe am täglichen Leben nicht aus lauter Angst vor Widrigkeiten eingestellt oder begrenzt werden. Wenn wir hier also von Prävention sprechen, dann meinen wir die Bewusstmachung von Wirkungen nicht vollends auszuschließender Krisenereignisse der Lebensphase, die ab heute vor Ihnen liegt. Ein solcher Blick in die Zukunft vermag also nicht, Krisen zu verhindern. Schon in wenigen Minuten kann Sie ein Anruf erreichen, dessen Inhalt Ihr Leben in einen schmerzlichen Umbruch führen wird, schon in wenigen Stunden könnten Sie sich durch eine unerwartete Situation in einer Lage befinden, die Sie in eine Grenzerfahrung führt. Es mag sein, dass Sie manche Ereignisse für sehr unwahrscheinlich halten, andere hingegen sind für Sie vielleicht bereits absehbarer als für andere Menschen. Wie, was und wann auch immer: Letzten Endes geht es darum, dass ein Mensch in einer Krisensituation wieder „ins Handeln“ kommt.

Aus über 20 Jahren der Arbeit mit Menschen in Sinn-, Berufs- oder Lebenskrisen wissen wir um die Hindernisse, die auszuräumen sind, wenn bei aller emotionaler Überflutung, körperlicher Erschöpfung und der „Leere“ im Kopf die Frage zu beantworten ist: „Und nun?“ Vor dieser Frage stehen alle Menschen irgendwann im Verlauf eines Krisenprozesses – und da waren wir selbst auch keine Ausnahme. Dieses „und nun?“ wird für viele Menschen zu einer Art „zweiter Krise“. Erst wird der Verlust, die Verfehlung oder die Trennung, die meist die Krise auslösen, bearbeitet. Aus der anfänglichen Ungewissheit wird Gewissheit, aus der emotionalen Belastung entwickelt sich mit der Zeit die Annahme der Situation – „und nun?“ Jeder Coach, jeder Therapeut, auch jeder Freund wird nun wohl versuchen, mit dem Betroffenen daran zu arbeiten, wieder „in die Handlung“ zu kommen. Und genau das fällt vielen Menschen schwer.

Nicht nur eine reale Krise, sondern auch eine auf die eigene Persönlichkeit zugeschnittene, präventive Betrachtung von Krisenszenarien bieten entscheidende Impulse, Lernprozesse zu initiieren und Klärungsarbeit zu leisten. Eine derartige Präventionsarbeit überwindet das menschliche Verhalten, sich in Sicherheit zu wähnen und bislang bewährtes Denken und Handeln auch dann noch beizubehalten, wenn es sich zur Bewältigung der eingetretenen Situation nicht mehr anbietet.

Unser Krisenpräventionskonzept macht auf angemessene Weise die bisherigen, „konservierten“ Denkmuster deutlich und regt dazu an, Verhaltensprägungen oder Tunnelblicke zu hinterfragen und konkrete, alternative Umgangsweisen für den weiterhin natürlich nicht erhofften Eintritt einer Krise zu entwickeln.