Früher hatte man Ideale.
Dann kam die Krise.
Jetzt hat man Erklärungen.

Das Bojenmodell

Das Bojen-Modell habe ich entwickelt, um das Zusammenspiel zwischen Werten und sichtbarem Verhalten zu visualisieren. Stellen Sie sich dazu eine Boje vor, die auf dem Meerwasser treibt. Sie symbolisiert Ihr für andere Menschen beobachtbares Verhalten, Ihre Handlungen und Ihr Kommunikationsverhalten.

Ihr Verhalten wird durch bewusste und unbewusste Motive gesteuert, im Bild symbolisiert durch einen nur teilweise sichtbaren Schwimmer, der die Boje aufrecht und beweglich hält.

Die Boje wird ihrerseits gehalten von einem Seil – es steht als Symbol für Ihre Haltungen und Einstellungen. Ohne dieses Halteseil würde die Boje je nach Wetterlage mal hier mal dort herumirren und ihre Funktion verlieren.

Befestigt ist das Seil an einem Gewicht, das im Meeresboden verankert ist. Dieses Gewicht steht für Ihr Wertesystem, dem Teil Ihres Selbst, mit dem Sie sich – sofern reflektiert – Ihr Verhalten quasi selbstverständlich machen können.

Die Boje bewegt sich – je nach Strömung und Wind. So wie auch Ihr Verhalten sich situativ ändern kann, abhängig davon, wie Sie auf Ihre Umwelt reagieren. Gerät das Halteseil unter starke Spannung, so zeigt sich dies über Wasser als Stressverhalten, unter Wasser wird das Gewicht des Wertesystems stark beansprucht – womöglich stehen Sie in einem Wertekonflikt mit einer anderen Person oder Sie passen sich mit einem Verhalten an Ihre Umwelt an, obwohl dies nicht mit Ihren persönlichen Werten im Einklang steht.

Für eine gewisse Zeit hält das Seil dieser Spannung stand. Doch mit zunehmender Belastung beginnt es zu reißen – zuerst einzelne Fasern, dann womöglich ganz. In einer solchen Situation gerät eine Person in eine Haltlosigkeit. Der Kontakt zum Fundament geht verloren, die Folge kann eine Lebens- oder Sinnkrise sein. Damit es nicht so weit kommt, ist es wesentlich, dass sich ein Mensch seiner eigenen Werte bewusst wird. Wer weiß, was ihn im Inneren zusammenhält, bleibt  psychisch stabil und kann Werte in einem sinnvollen Kontext verwirklichen.

Eine echte Krise ist,
wenn alle wissen, was falsch läuft,
und niemand enttäuscht ist,
dass es so bleibt.

Aus der Zukunft

Hallo, hier spricht K2-I2 vom Raumschiff Kokolores.

Ich war letztes Jahr, 7025, Eurer Zeitrechnung, bei Euch zu Besuch. Da fand ich in einem alten Datensilo eines lustig ausschauenden Gerätes, wo ein abgebissener Apfel abgebildet war, ein Dokument und glaubte zuerst an einen Defekt in meinem Übersetzungsmodul. Es ging bei dem Beitrag vollständig nur um ein Wort: Krise.

Offenbar war dies damals kein einzelnes Ereignis, sondern ein Lebensgefühl im Abo-Modell. Krise war für fast alles gut: für Banken, Klima, Demokratie, Viren, Weihnachten, Glaube und vermutlich auch für den Moment, wenn der Kaffee kalt wurde. Ihr wusstet sogar, dass der Begriff ursprünglich etwas Präzises meinte. Einen Wendepunkt, eine Entscheidungslage hin zu etwas Besserem oder zu etwas Schlechterem. Je nach dem, wie Ihr Euch auf solche Situationen vorbereitet hattet. Einige von Euch wussten, dass man das damals schon konnte. Viele haben es ignoriert und bejammerten dann das Geschehen. So wurde aus etwas Besonderem ein Allzweckgeräusch, ähnlich dem Dauerpiepen unserer Raumanzug-Sensoren, wenn man sie falsch kalibriert.

Je häufiger Krise gerufen wurde, desto weniger schien sie Euch zu bedeuten. Im Beitrag stand nüchtern, dass die ständige Ausrufung des Ausnahmezustands paradoxerweise irgendwann zur Normalität führte. Für uns Außerirdische klingt das, als hättet Ihr beschlossen, den Feueralarm dauerhaft laufen zu lassen, um Euch an Sicherheit zu gewöhnen.

Ihr wusstet sogar um Eure eigene Kurzzeitaufmerksamkeit. Ihr wart Meister im Vergessen. Was damals an einem Tag apokalyptisch wirkte, wurde am nächsten von einer neuen Katastrophe überholt mit neuen Schlagzeilen und Erregungsbegriffen. Das Alte verschwand nicht, es wurde lediglich archiviert im mentalen Ordner „Später, vielleicht“. Die Vergesslichkeit war keine Panne. Im Gegenteil, sie war Euer Betriebsmodus. Nur so ließ sich wohl das Dauerfeuer an Krisen überhaupt aushalten, ich muss dazu mal Pille fragen, was er davon hält. Weil, wir vergessen heutzutage nichts, wir integrieren alles und werden dadurch immer besser.

Aus unserer Perspektive ist Euer Verhalten sehr rührend. Ihr wart eine Zivilisation, die permanent vom Ende spracht und dennoch zuverlässig den Müll rausbrachte, Kinder großzog und Serien streamte. Sie diskutierte mit Pathos über den Untergang und plante gleichzeitig den Sommerurlaub. Die Krise war Hintergrundrauschen, laut genug, um wichtig zu klingen, leise genug, um weiterzumachen.

Beim Lesen hatte ich den Eindruck, dass Krise weniger Diagnose war als Erzählwerkzeug. Es strukturierte Zeit, verlieh Bedeutung und erlaubte es, Komplexität in ein einziges, schweres Wort zu gießen. Dass dieses Wort dabei verschlissen wurde, bemerkten die Menschen damals selbst. Einige schrieben Artikel dazu.

Heute lesen wir das hier und ich habe mit K2-I3 eben darüber gesprochen, wie wir das nennen. Sie meinte nur kurz: Alltag.

Ab wann ist Angst krankhaft?

Wenn Sie eine oder mehrere Fragen mit ‚ja‘ beantworten, sollten
Sie einen Arzt oder Psychotherapeuten konsultieren:

  • Ich denke mindestens 50 Prozent des Tages über meine Ängste nach.
  • Ich schaffe es nicht mehr, die Angst mit eigener Kraft zu überwinden.
  • Wegen meiner Ängste habe ich mein Leben völlig umgestellt, sodass ich viele Dinge nicht tun kann, die ich gerne machen würde.
  • Meine ständigen Ängste führen dazu, dass ich depressiv oder niedergeschlagen bin.
  • Wegen meiner Ängste habe ich bereits Selbstmordgedanken gehabt.
  • Wegen meiner Ängste trinke ich häufig zu viel Alkohol oder nehme Beruhigungstabletten ein.
  • Wegen meiner Ängste habe ich dauernd Probleme in meiner Ehe/Partnerschaft.
  • Wegen meiner Ängste habe ich permanent ernsthafte Schwierigkeiten im Beruf.

Neurosen

12 irrationale Vorstellungen nach Albert Ellis, die eine Neurose hervorrufen und aufrechterhalten

    1. Die Vorstellung, es sei eine dringende Notwendigkeit, dass Erwachsene von jemandem geliebt werden und zwar für nahezu alles, was sie tun – statt sich also auf ihren Selbstrespekt zu konzentrieren, für praktische Zwecke Anerkennung zu ernten, statt sich darauf zu konzentrieren, dass sie selbst jemandem Liebe zeigen, statt selbst geliebt werden zu wollen.
    2. Die Vorstellung, bestimmte Handlungen seien fürchterlich oder schlecht und dass Menschen, die solche Handlungen vollziehen, verachtet werden müssen – statt der Vorstellung, dass bestimmte Handlungen unsinnig oder antisozial sind und dass Menschen, die so handeln, sich dumm, ignorant oder neurotisch verhalten und Hilfe benötigen, damit sie sich ändern. Wenn Menschen sich schlecht verhalten, macht das niemanden zu einem verachtenswerten Individuum.
    3. Die Vorstellung, es sei entsetzlich, wenn die Dinge anders sind, als wir das gerne möchten – statt der Vorstellung, dass die Lage gar nicht so schlimm ist, dass wir widrige Umstände zu ändern oder in den Griff zu bekommen versuchen, sodass sie zufriedenstellender sind, und wenn das nicht möglich ist, sollten wir das lieber vorübergehend hinnehmen und uns in ehrenhafter Weise damit abfinden, dass die Dinge nun mal so sind.
    4. Die Vorstellung, menschliches Unglück sei immer von außen verursacht und werde uns von außen stehenden Menschen und Ereignissen aufgezwungen – statt der Vorstellung, dass eine Neurose zu einem großen Teil durch unsere Sichtweise unglücklicher Umstände verursacht wird.
    5. Die Vorstellung, dass wir uns fürchterlich aufregen sollten, wenn etwas gefährlich ist oder sein könnte – statt der Vorstellung, dass man der möglichen Gefahr besser offen ins Gesicht blickt und sie zunächst als ungefährlich einstuft und, wenn das nicht möglich ist, das Unvermeidliche einfach akzeptiert.
    6. Die Vorstellung, es sei einfacher, die Schwierigkeiten des Lebens und die Eigenverantwortlichkeiten zu meiden, als sich ihnen zu stellen – statt der Vorstellung, dass der so genannte einfache Weg sich letztlich doch oft als der härtere herausstellt.
    7. Die Vorstellung, dass wir unbedingt etwas bräuchten, das größer und stärker ist als wir selbst, damit wir uns darauf verlassen können – statt der Vorstellung, dass es besser ist, das Risiko unabhängigen Denkens und Handelns einzugehen.
    8. Die Vorstellung, wir müssten in jeder erdenklichen Hinsicht überaus kompetent, intelligent und erfolgreich sein – statt der Vorstellung, dass wir besser manches wirklich gut machen, statt immer und überall gut sein zu müssen, dass wir uns selbst als ein recht unvollkommenes Wesen akzeptieren, das wie alle anderen Menschen seine Grenzen und individuellen Schwächen hat.
    9. Die Vorstellung, etwas, das uns in unserem Leben einmal sehr stark beeinflusst hat, werde unendlichen Einfluss auf uns ausüben – statt der Vorstellung, dass wir aus vergangenen Erfahrungen lernen und uns nicht übermäßig mit ihnen beschäftigen oder Vorurteile daraus entwickeln müssen.
    10. Die Vorstellung, wir müssten eine bestimmte und perfekte Kontrolle über die Dinge ausüben – statt der Vorstellung, dass die Welt voller Wahrscheinlichkeiten und Zufälle steckt und dass wir das Leben dennoch genießen können.
    11. Die Vorstellung, menschliches Glück könne durch Trägheit und Untätigkeit herbeigeführt werden – statt der Vorstellung, dass wir am glücklichsten sind, wenn wir uns vital in kreative Unternehmungen vertiefen oder wenn wir uns Menschen und Projekten außerhalb unserer selbst widmen.
    12. Die Vorstellung, wir hätten keinerlei Einfluss auf unsere Emotionen und könnten nicht anders, als uns von den Dingen gestört zu fühlen – statt der Vorstellung, dass wir reale Kontrolle über unsere destruktiven Empfindungen haben, wenn wir uns nur entschließen, die „musturbatory hypotheses“ zu ändern, die wir häufig dazu gebrauchen, derartige Emotionen zu erzeugen.

Albert Ellis

 

Krisenpass

Für Menschen, die ein erhöhtes Risiko haben, in eine schwere psychische Krise zu fallen, hat die ‚bipolaris‘ – Manie & Depression Selbsthilfevereinigung Berlin-Brandenburg e. V. einen Krisenpass zum Download oder zur Bestellung ins Netz gestellt. Der Pass dient dazu, Therapeuten mit Behandlungsanweisungen, den Anschriften von Vertrauenspersonen, Informationen zu Vollmachten und zur Medikation sowie weiteren wichtigen Informationen zu unterstützen.

Ein hilfreicher Service – gerade bei Patientinnen und Patienten mit bipolarer Störung.

http://www.bipolaris.de/weitere-informationen-links/materialien-downloads/krisenpass

Die Psychohygiene des Krisentherapeuten und Krisencoachs

Damit die Verarbeitung der Lebensthemen von Klienten und Patienten einen psychisch guten Verlauf nimmt, sollten Coachs und Therapeuten diese Reflexionen und Regulierungen einsetzen.

  • Wie belastbar ich zur Zeit, wie viele Krisen verkrafte ich? Wie nahe bin ich an einer Selbstüberforderung?
  • Wie und womit schalte ich ab? Nutze ich Stimmungsaufheller?
  • Welche Arbeitsbedingungen bedürfen einer Korrektur? (Belastungen, Terminfolgen, Wechsel von Tätigkeiten, Regulierung der Nähe-Distanz)
  • Mit welchen Arten von Krisen kann ich gut und weniger gut umgehen? Mit welchen Persönlichkeitsmerkmalen von Betroffenen kann ich besser, mit welchen weniger gut andocken?
  • Nutze ich Supervision? Permanent oder fallweise? Wie sind die Erfahrungen?
  • Nehme ich Themen der Patienten oder Klienten mit in Urlaub? Nehme ich Krisenliteratur mit?Dosiere ich angemessen? Spreche ich über die Krisenthemen mit Dritten?
  • Erhält mein Körper was er braucht? Ist mein Schlaf gut? Wechsel ich in der Freizeit die Themen? Achte ich darauf, dass Freunde mich nicht auf den Beruf reduzieren?
  • Arbeite ich in ästhetischer Umgebung, habe ich einen erfreuend gestalteten Arbeitsplatz?
  • Wie bewältige ich eigene Krisen?
  • Empfinde ich mich als resilient? Achte ich auf die eigene Krisenprävention im Kontext der möglichen Belastungen in der kommenden Lebensphase?