Kategorie-Archiv: Sinnzentrierte Psychotherapie
Haben Sie eigentlich Ihren Sinn im Leben gefunden? – Teil 3
Spoiler: Jetzt wirds philosophisch, und ein wohltuendes Begleitgetränk könnte die Lesung erleichtern.
Die originäre Logotherapie und Existenzanalyse von Viktor Frankl versteht sich als sinnzentrierte Psychologie mit weitreichenden Implikationen für das menschliche Zusammenleben. Dennoch bleibt sie aus meiner Sicht in einer zentralen gesellschaftstheoretischen Frage erstaunlich unbestimmt. Woher genau kommt der Sinn, den ein Mensch findet?
Ich habe in der KrisenPraxis das der Sinntheorie zugrundeliegende Gedankengut von Viktor Frankl vielfach vorgestellt:
• Sinn ist für jeden Menschen jederzeit gegeben.
• Er muss gefunden werden und kann nicht vom Menschen selbst gemacht werden.
• Sinn kann selbst unter widrigsten Lebenssituationen entdeckt werden.
• Jeder Mensch ist durchdrungen von einem Willen zum Sinn.
• Sinn ist der Grund zum Glücklichsein.
• Wer um einen Sinn seines Lebens weiß, dem verhilft dieses Bewusstsein mehr als alles andere dazu, äußere Schwierigkeiten und innere Beschwerden zu überwinden.
• Sinn ist der Wächter der Qualität unseres Handelns.
Aus all dem können wir ableiten,
• dass jeder Mensch ein Sinnbedürfnis hat,
• dass es jederzeit einen Sinn für einen Menschen gibt, der dieses Bedürfnis befriedigen kann,
• dass Sinn zu finden etwas mit einer bestimmten Form des Handelns zu tun hat,
• dass die Befriedigung des Sinnbedürfnisses durch Verwirklichung des Sinnvollen zum Glück führt
Aber: Das alles mit einer wesentlichen Einschränkung: Der Mensch kann sich Sinn nicht machen. Und Frankl macht das auch hier klar: „Der Mensch ist nicht da, um sich selbst zu beobachten und sich selbst zu bespiegeln; sondern er ist da, um sich auszuliefern, sich preiszugeben, erkennend und liebend sich hinzugeben.“ Viktor E. Frankl in: „Logotherapie und Existenzanalyse“
Wenn Sinn sich also nicht irgendwo im Menschen befindet, nicht in seinen Gedanken, seinen Gefühlen, seinen Empfindungen – dann muss sich Sinn außerhalb von ihm, seinem Körper und seiner Psyche finden lassen. Also in der Welt.
Was aber ist die Welt des Menschen? Fragen Sie sich, fragen Sie Ihren Partner, alle anderen, die Sie kennen, so werden Sie erkennen – die eine Welt gibt es nicht. So wenig wie die eine Gesellschaft. So wenig wie das eine Team oder Kollegium, die eine Familie … Ich will meinen: All das ist immer ‚nur‘ die meinige Welt. Und in ihr finde ich den ‚nur‘ meinigen Sinn. Der Möglichkeitsraum der Sinnfindung wechselt darum von Mensch zu Mensch, von Situation zu Situation, von Zeitpunkt zu Zeitpunkt.
Aus einer wissenschaftlichen Perspektive ist eine solche Aussage bitter. Sie führt zu Ende gedacht zu einer Art akademischer Stagnation, will Wissenschaft doch empirisch nachweisen helfen, wie Menschen Sinn finden, wenn – wie Frankls Zitat es zum Ausdruck bringt – sie sich individuell ausliefern (an wen oder was), sich preisgeben (wofür), erkennend und liebend sich hingeben (wem oder was).
Wie sich Menschen Sinn machen, ja, darüber gibt es ‚tons of studies‘. Viele dieser Sinnmachenforschungsergebnisse muten langweilig und trivial an. Aber warum sollte ein Mensch eigentlich Sinn finden wollen? Aus einem rein psychischen Bedürfnis heraus? Wenn wir Wollen verstehen als Basis jedes menschlichen Daseins und Miteinanderseins, dann sehen wir, dass dem Wollen ein Angesprochenwerden vorausgeht. Etwas spricht mich an, und es spricht mich an. Oder eben nicht. Zu dieser Wahl bezieht die Person Stellung. Wollen wird so zu einer Form der Stellungnahme zu etwas die Person Ansprechendem, sei es ein Mensch, eine Aufgabe, ein Ding, eine Stadt, eine Kultur … – das Wollen wird dabei konkretisiert. Das Wollen des Ich ist Begehren, Besitzen, ein Befassen mit, … und Wollen bedeutet somit, dass nicht ein Ich anfing zu wollen, sondern dass mit dem Ich etwas angefangen wurde. Ich wird zu einem Ich, das angesprochen ist, das in Anspruch genommen wird zur Stellungnahme.
Führen wir diese Argumentation weiter, dann wird auch Sinn zu einer Form des Ansprechenden, das der Person wiederum ein Wollen in Form einer Stellungnahme ermöglicht. So wie das Ich aber die Sinnesorgane verschließen kann vor dem, was es anspricht, so kann das Ich auch sein Sinnorgan [in Frankls Sinnlehre ist dies das Gewissen] verschließen. Mit beiden verschließt das Ich den Zugang für das es Ansprechende. Das Ich will somit nicht das Wollen und verlässt damit die Basis des menschlichen Daseins. Die Phänomene, die ein Ich zeigt, das nicht mehr das Wollen will, sind der Psychologie bekannt. Was aber kann ein solches Ich wieder derart ansprechen, dass es das Nicht-Wollen nicht mehr will?
Dieses ‚was‘ ist Sinn. Vermag Sinn zur Öffnung des Ich hin zur Welt beizutragen, damit das Ich wieder ansprechbar für das Wollen einer Stellungnahme wird, so bewertet das bislang nicht wollende Ich die Welt neu. Damit das Ich diese Bewertung vornehmen kann, muss es um seine Werte wissen, die es zur Bewertung heranzieht. Das Ich mit dem Wertgefühl, das von der Welt Angesprochene zu sein und mit diesem Gefühl eine Stellung einnehmen zu wollen, will sich mit bewussten Werten der Welt öffnen. Wertebewusstheit und Weltoffenheit geben damit das Maß vor, mit dem ein Ich für Sinn ansprechbar wird, in welchem Maße das Ich um einen Willen zum Sinn verfügt.
Sinn kann ein wollendes Ich nur ansprechen, weil es im Dasein dieses Ichs nur um dieses Dasein selbst geht. Verstehen wir Dasein als Seinkönnen auf jemand oder etwas hin (und dieses jemand oder etwas ist nicht das Ich oder ein Teil des Ich), dann können wir Dasein als Stellungnahme ansehen, als ein Verwiesensein auf Andere und Anderes, in dem sich das Dasein verwirklicht. Dieses Dasein ist kein Zwang, der Mensch hat nicht ein Dasein, er ist Dasein und in seinem Dasein ist er frei und verantwortlich für seine Existenz. Dieses Existere zu wollen, öffnet die Türe, durch die Sinn das Ich ansprechen kann. Sein Dasein kann ein Ich nicht nicht vollziehen. Für das Wie seines Daseins jedoch, seine Existenz, ist das Ich frei und verantwortlich. Das Ich kann somit wählen, so oder so, und mit jeder Wahl nimmt das Ich weitere Gestalt an. Aber: Das Ich kann nicht alles wählen, was es will. Es kann über sich hinauswachsen, ja, aber Gewolltes muss bei seiner Wahl auch erreichbar sein. Ein Sinnimpuls als objektive Möglichkeit vor dem Hintergrund der Wirklichkeit trifft auf das subjektive bereits gegenwärtig gegebene oder das subjektiv durch persönliche Entwicklung erwartete zukünftige Können. So gedacht, ermöglicht erst objektiver Sinn (geistig) eine Transformation in einen subjektiven Sinn (mental). Ohne ihn macht sich das Ich einen Sinn selbst, wobei sich das Dasein jedoch verfehlt, da es nicht mehr ein Seinkönnen auf jemand oder etwas hin, sondern ‚lediglich‘ ein egobezügliches Sein wird.
Soll objektiver Sinn in einen Teil des Lebensentwurfs integriert werden, darf der Bezug zur Welt nicht verengt sein. Weltoffenheit ist der Begriff, der zum Ausdruck bringt, dass eine Person sich nicht alles von ihrem Selbst gefallen lässt, mithin sich nicht von ihrem Selbst dominieren lässt, insbesondere von dem, was wie ‚selbst-verständlich‘ dem Ich vorgaukelt, dass es gut sei, sich nur mit dem zu befassen, was auf die Person selbst gerichtet ist. Das Fatale der Selbstbezüglichkeit besteht darin, dass das Selbst zu Verhalten und Handlungen verleiten kann, die letztlich sogar das Selbst schädigen können. Die Folgen können sein ein verletztes Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl usw. – die Person kennt sich in ihrem Selbst nicht mehr aus und zeigt sich in einer Weise, die soweit reichen kann, dass sie nicht nur nicht das Gute tut, sondern sogar das Schlechte, von dem sie weiß, dass sie es nicht will. Wider besseren Wissens und Gewissens nicht zu dem zu werden, der man werden könnte – auch das ist Teil beobachtbaren menschlichen Lebens.
Die Logotherapie setze ich dafür ein, für Menschen einen Beitrag zu leisten, damit sie sich nicht verfehlen, indem sie sich öffnen für ihre Welt, in der sie frei und verantwortlich ihr ‚Seinkönnen‘ zeigen. Diese Welt ist gesellschaftlich konstituiert, diese Welt hält die Impulse für eine Person bereit, die ihr als Möglichkeiten zur Sinnverwirklichung erscheinen. Von nichts kommt nichts – so auch nicht Sinnimpulse. Gefundener Sinn einer Person verweist auf die Sinngebung durch die Lebenswelt. Diese Sinngebung der Welt ist endlos, so endlos wie die grundsätzliche Fähigkeit der Person, sich auf Sinn zu transzendieren. Dass dieser Fähigkeit zuwellen die menschliche Psyche im Wege steht, wurde in der KrisenPraxis bereits an vielen Stellen thematisiert. Dass es wichtig ist, dass eine Person lernt, sich den Spielen ihrer Psyche zu entziehen, wenn diese versucht, die Oberhand über die Lebensführung zu gewinnen, wurde unter dem Stichwort Selbstdistanzierung ebenfalls mehrfach beleuchtet.
Exkurs aus Integraler Perspektive [ich habe dazu unter den Stichworten Graves, vMeme … bereits einiges geschrieben]: Im wissenschaftlich-empirischen Verständnis eines vMeme orange legt die psychologische Forschung seit Jahren in zunehmenden Maße Studien vor, die die Wirksamkeit logotherapeutischer Interventionen beschreiben. Fraglos können diese Bemühungen rund um die empirische Evidenz weiter gesteigert werden, jedoch bleiben einige, vielleicht sogar die interessantesten Themen aus meiner Sicht unerforschbar. Dazu gehört die Messung des konkreten Momentes der Sinnfindung einer Person. Was wann wie genau geschieht, wenn Sinn wahrgenommen wird und sich eine Person auf diesen Sinn hin transzendiert – es bleibt wohl ein Phänomen, das sich einer strengen empirischen Analyse entzieht.
Nicht so aus einer transpersonalen Perspektive eines vMeme Gelb, in dem eher die systemischen Wirkungen sinnzentrierten Verhaltens und Handelns im Fokus stehen. Oder in dem der Unterschied zwischen selbstgemachtem Sinn versus wahrgenommener Sinnimpulse in Augenschein genommen wird – ein Aspekt, der sich über die Differenzierung von Werten in wesentliche Werte einerseits und wichtige Werte andererseits operationalisieren lässt (auch über diesen Unterschied finden sich in der KrisenPraxis bereits einige Beiträge).
Wenn ich davon schreibe, dass die sinngebenden Impulse für einen Menschen immer Impulse aus der Welt der Person sind, so ist diese Welt nicht als abstraktes Universelles zu verstehen, sondern in meiner Anschauung vielmehr diejenige Lebenswelt der Person, die ihr hic et nunc die Gelegenheit einer potenzia in actu ermöglicht – die höchste Möglichkeit, wenn nicht jetzt, wann dann, wenn nicht von der Person, von dem sonst, das Potenzial der Person für ihre Welt auszuschöpfen, sei es dank gegebener Liebes-, Arbeits- oder Leidensfähigkeit der Person.
Die Lebenswelt der Person mit ihren historischen, sozialen, wissenschaftlichen, politischen, kulturellen, räumlichen, zeitlichen, spirituellen u.a. Kontexten stellen bildlich gesprochen das Meer der Möglichkeiten dar, in dem die Person – so sie sich diesem Meer öffnet – den Sinn-Fisch angelt, den sie dank ihrer Potenziale transformiert – beispielsweise in Richtiges, Gutes oder Schönes.
Diese Transformation findet dabei nicht in einem luftleeren Raum statt. Vielmehr ist sie stets eingebunden in die Gegebenheiten der Lebenswelt, die ihrerseits den von einer Person verwirklichten Sinn integriert. Findet diese Integration nicht statt, dann kann die Person dies empfinden als Desinteresse seiner Welt an seiner Sinnverwirklichung. Platt und im vMeme Orange ausgedrückt: Dann kauft die Welt der Person nicht ab, was aus Sicht der Person für ebendiese Welt sinnvoll wäre (vielleicht greifen Sie das Gedankenspiel auf, und nehmen dazu alternativ die Bewusstheit der anderen vMeme ein) – Ende des Diskurses.
Die Lebenswelt der Person tritt ihr stets als objektiv gegeben entgegen. In ihrer Objektivität liegt die Grundlage der Objektivität dessen, was sie an Sinn für jeden Menschen bereit hält. Ob und was eine Person aus diesem Angebot wahrnimmt und zu ihrem eigenen subjektiven Sinn macht, steht in ihrer Freiheit und Verantwortung – für sich und für alle, die die Folgen der (Nicht-)Verwirklichung objektiven Sinns erleben.
Die Transformation zu subjektivem Sinn ist nicht per se lebensdienlich, schließlich steht zwischen objektivem Sinn und subjektiv sinnvollem Handeln das individuell konstruierende Gehirn mit seinen Funktionen des Empfindens, Fühlens, Denkens und Handelns. Jede dieser Funktionen ist in der Lage, objektiven Sinn derart zu blockieren oder zu dysfunktionalisieren, dass ersichtlich wird, welche negative Energie die menschliche Psyche in die Welt setzen kann, will sie ihrer destruktiven Seite Raum schenken. Dass jedoch das gesunde Geistige des in Allem eingebundenen kollektiven Individuums das potenziell zerstörerische Psychische einzelner Individuen übersteigt, wird durch etwas sehr Alltägliches angezeigt, was die italienische Künstlerin Milva in einem Lied zum Ausdruck brachte: Hurra, wir leben noch.
Das Sinngebirge – eine erfreuende Intervention
In der sinnzentrierten Psychotherapie und im Sinncoaching biete ich zuweilen meinen Klienten eine Intervention an, wenn es um die existenzielle Frage geht, ob und in welchem Maße das bisherige Leben sinnvoll war. Hinter dieser Frage stehen zuweilen Selbstzweifel, ob man den Erwartungen des Umfeld entsprochen hat, ob man mehr aus seinem Leben hätte machen können, was man wohl verfehlt hat. Dass man Höhen und Tiefen im Leben erlebt, dass mancher Aufstieg mühselig und mancher Abstieg schmerzhaft ist, das weiß jeder Mensch. Wenn man so auf sein bisheriges Leben schaut, dann fokussiert man meist die besonderen Momente des Glücks oder Unglücks, die erreichten oder verpassten Ziele, die Themen, die man bewegt hat oder hätte bewegen wollen oder sollen, ohne es je getan zu haben. Doch das ist lange nicht alles. Und dieses ‚Alles‘ soll mit einer Übung angeschaut werden. So geht sie:
Mein(e) Gesprächspartner(in) wird eingeladen, zu Hause, mit Zeit und gerne mit Unterbrechungen, aber stets störungsfrei für jedes(!) Lebensjahr mindestens ein selbst so empfundenes und persönlich erlebtes förderliches und mindestens ein ebenso persönlich erlebtes hinderliches Ereignis zu notieren. Gab es mehrere Ereignisse in einem Lebensjahr, so werden sie ebenfalls notiert. Kann sich die Person an den Monat oder das Quartal erinnern, in dem das Ereignis eintrat, dann wird auch das notiert (manchmal erleichtert dabei, sich an die Jahreszeit, einen Ort oder eine andere Begebenheit zu erinnern, die zeitlich um das Ereignis herum stattfand). Förderlich und hinderlich verstehen wir hier so, dass das jeweilige Ereignis den weiteren Lebensweg partiell, temporär oder auch allumfassend positiv oder negativ beeinflusste.
Als nächstes folgt eine Skalierung jedes Ereignisses von -10 (extrem hinderlich) bis +10 (extrem förderlich). Hilfreich ist es, die entstehende Liste mit den Skalenwerten in einer Excel-Datei zu notieren, für jedes Ereignis steht dann eine Zeile zur Verfügung.
Ist die Erinnerung abgeschlossen und alle Skalenwerte gesetzt, so kann man entweder in Excel die Skalenwerte in eine grafische Darstellung übertragen oder dies von einer KI wie ChatGPT erledigen lassen. Bei diesem Arbeitsschritt wird der Befehl gegeben, alle Werte so zu stauchen, dass der oder die negativsten Werte auf 0 gesetzt und alle anderen so berechnet werden, dass sie den maximalen Wert 10 erhalten. So landen alle zuvor negativen Werte (-10 bis 0) in der neuen Grafik auf den Werten von 0 bis 5, alle zuvor positiven Werte (0 bis +10) auf den Werten 5 bis 10 (der alte Wert 0 und der neue Wert 5 stellen damit tendenziell indifferente Werte dar, bei denen der Klient zwar die Bedeutung des Ereignisses für sein Leben durchaus fühlte, jedoch offenließ, ob er dessen Auswirkungen auf das folgende Leben als förderlich oder hinderlich erachtete.
Bei einem Klienten sah dies so aus:
Bei dieser Übung erinnerte der Klient aus seinem Empfinden lebenswegfördernde und -hindernde Personen, Qualifizierungen, Reisen, Kunst- und Kulturerlebnisse, politische Rahmenbedingungen … und auch Situationen, in denen er sich zu einer Stellungnahme aufgerufen fühlte, um etwas zum Besseren zu wenden.
Im nächsten Schritt wurde ChatGPT gebeten, die Zahlenwerte in eine optisch geglättete Lebenslinie zu übertragen. Hier das Ergebnis:
Und in einem weiteren Schritt erhielt die Maschine den Auftrag, aus dieser Kurve ein Bild zu gestalten, das optisch einer Berg-Topografie ähnelt.
Dieses Bild wiederum wurde in einem neuen Chat hochgeladen mit dem Auftrag, auf die Suche zu gehen, nach einem real existierenden Gebirge. Hier erhielt der Klient dieses Ergebnis:
ChatGPT: „Basierend auf der visuellen Komplexität und fraktalen Natur, die wir in deiner Berg-Topografie erkennen, ist eine interessante Analogie der Abschnitt der norwegischen Küste, der rund um die Lofoten verläuft. Diese Region wird oft für ihre zerklüftete, fast fraktale Küstenlinie beschrieben – ein Vergleich, der durchaus als passend erscheinen könnte, um das Auf und Ab deiner Lebenslinie zu spiegeln. Diese Küstenlinie weist zwar natürlich keine exakte Übereinstimmung mit deiner Topografie auf, bietet aber eine ähnlich strukturierte, dynamische Form, die als visuelle Analogie gut dienen kann.“
Der Klient ging n
un auf die Suche nach einer Abbildung im Internet und fand nach einiger Zeit dieses Bild, das in seiner Wahrnehmung zahlreiche Ähnlichkeiten mit seiner Lebenslinie aufwies.
Als er das Symbolbild seines Lebens betrachtete und ich ihm die Frage stellte, worin sich die Erlebnisse ähneln, die im Bild als Gipfel zu sehen sind, schaute er in seiner Liste nach und fand neben den Ereignissen, die ihn zu einer persönlichen Stellungnahme aufriefen, Personen, die in sein Leben traten und die für seinen weiteren Lebensweg förderlich waren. Und er resümierte: „Die Werte, die ich im Zusammenhang mit den Ereignissen verwirklichen konnte, waren Gerechtigkeit, Zutrauen und Freiheit, und die Personen schenkten mir ihr Vertrauen, ihre Weitsicht und ihre Geduld.“
„Würden Sie Ihre Frage, ob und in welchem Maße Ihr bisheriges Leben sinnvoll war, nun noch so beantworten, wie Sie es vor einigen Wochen taten, als unsere Zusammenarbeit begann?“
Eigentlich ist Leben einfach – 10
Zum Abschluss meiner Reflexionen zum Thema ‚Eigentlich ist Leben einfach‚ hier ein Coachingbeispiel:
Florian, 44, ist Vertrauenslehrer und Schulpsychologe an einer bayrischen Gesamtschule. Nach Corona hat er bei sich selbst und im Rahmen vieler Gespräche auch bei einer Reihe von Kollegen und zahlreichen Schülern bemerkt, dass Gefühle der Überforderung, Gehetztheit und innerer Orientierungslosigkeit zugenommen haben. Florian: „Diese Zeit war für mich nicht nur geprägt von einem hohen Anspruch, für unsere Schüler funktionieren zu müssen, sondern ich hatte auch sehr viel Zeit, mir über mein eigenes Leben Gedanken zu machen. Dann kam der Ukrainekrieg dazu und die erste KI-Welle, die bei einer Person in meiner Familie bereits zu einem Stellenverlust geführt hat. Wir leben in einer Umbruchszeit, in der vertraute Systeme immer weniger greifen. Frühere Erfahrungen von Sicherheit und Struktur weichen einem inneren Durcheinander und der Vergleich mit ihnen zu einem negativen Klima. Viele jammern, klammern, beschweren sich, betäuben sich und haben doch eigentlich nur Angst.“
Coach: „Wobei die Formen der Angst individuell sehr unterschiedlich sein können. Wenn Sie vom Wegfall von Sicherheiten sprechen, dann neigen manche Menschen dazu, aus lauter Angst vor der Vergänglichkeit etwas erzwingen zu wollen, das aus ihrer Sicht unumstößlich sein soll. Die damit einhergehende Starrheit wird zu einem Dauerstress, weil die Zeit, in der wir leben, dazu beiträgt, dass diese Menschen das Gefühl haben, selbst dauernd von irgendetwas umgestoßen zu werden. Wenn sich diese Angst Bahn bricht, dann erlebt man zuweilen Menschen, die Beziehungen in Machtkämpfe führen, um so eine Sicherheit zu gewinnen, die sie schnell verlieren, wenn sie auf jemanden treffen, der seine Selbstsicherheit nicht verloren hat oder der seine Angst auf andere Weise zeigt.
Ein solcher Gegenspieler ist zum Beispiel ein Mensch, der vor Ansprüchen anderer Menschen Angst hat, der sich in Einsamkeit oder Isolation begibt, weil er nicht gelernt hat, sich menschlicher Nähe zu öffnen und sich ihr positiv hinzugeben. Für solche Person werden Menschen eher zu Werkzeugen, an denen sie ihre Wut und ihren Frust ablassen können.
Eine dritte Variante zeigen Menschen, die Angst davor haben, allein gelassen zu werden. Sie haben eben beschrieben, dass in Ihrem Umfeld Personen ein klammerndes Verhalten gezeigt haben. Als Vertrauenslehrer werden Sie womöglich gerade von diesen Menschen oft beansprucht worden zu sein als Corona so viele Beziehungen brüchig werden ließ. Sich ungeborgen zu fühlen kann bis zu einer Art Abhängigkeit von anderen führen, manchmal einhergehend mit Idealisierungen dieser Menschen. Gehen diese dann auf die Klammerung nicht ein, sind Verzweiflung und Depression nicht fern.
DIe Menschen, die gerade das Anklammern fürchten, haben eine weitere, vierte Angst. Die Angst vor dem Endgültigen. Alles soll im Fluss bleiben, man lebt sein Leben und andere sollen einen darin auch bestätigen. Dass sich die Welt womöglich gerade anders dreht, wollen diese Menschen nicht wahrhaben, und so würden sie am liebsten weiterziehen und sich ihrer Wunschwelt nähern – aber bei Corona, da war allzu oft Schluss mit lustig.
Egal wie unsicher und ängstlich Menschen sind – tritt ihnen jemand gegenüber auf, der ihnen die Lösung verspricht, dann folgen viele lieber dieser äußeren Führung, als in die Eigenverantwortung zu kommen. Haben Sie solche Erfahrungen gemacht?“
Florian: „Auf jeden Fall, und viele Menschen verlieren diese Eigenverantwortung, weil ihnen früh beigebracht wurde, sich Vorschriften zu unterwerfen. Wenn einem ständig gesagt wird, was man tun soll, verliert man das Gefühl, selbst gestalten zu dürfen. Ich hatte Glück, dass in meiner Kindheit dies nicht der Fall war, trotzdem zähle ich mich eher zu der von Ihnen genannten letzten Angsthasengruppe, weil ich in der Coronazeit dieses Empfinden hatte. Und ich weiß, dass im Gehirn hemmende Muster aufgebaut werden, die Bedürfnisse wie Bewegung, Neugier oder eigenes Gestalten unterdrücken, nur um Erwartungen anderer zu entsprechen. So entstehen Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die zwar funktionieren, sich aber innerlich nicht mehr lebendig fühlen. Als ich damals auf mein Leben schaute, erschrak ich schon, weil mir bewusst wurde, auch zu einem solchen Kreis der Funktionäre zu gehören.“
„Welche Schlüsse haben Sie daraus gezogen?“
Florian: „Dass ich zu keinem dauerhaften Objekt der Erwartungen von Dritten werden will. Klar, ich werde vor Rahmenbedingungen gestellt, Stichwort Kulturministerkonferenz. Ich stehe täglich wie jeder andere Lehrer, wie jeder Mensch, auch vor einer imaginären Liste von Bedingungen, die mir andere Menschen oder Systeme vorgeschrieben haben. Das finde ich auch okay. Was nicht okay war, dass ich darüber vergessen hatte, dass ich mich immer selbst zu diesen Bedingungen einstellen kann. Mir wurde bewusst: Wenn ich mich so fühle, dass mich andere zu ihrem Objekt machen, dann mache ich mich selbst klein. Dann kränke ich mich selbst. Dann rede ich mir eine Minderwertigkeit selbst ein.“
„Ja, und wenn ein Mensch dieses Empfinden wieder loswerden will, dann hat die Psyche dafür drei Möglichkeiten parat. Entweder man erduldet den Zustand, oder man überkompensiert ihn und macht Dinge, wo andere Menschen sich wundern und sich fragen, was das soll oder ob man das wirklich nötig hat. Oder man flieht aus den Bedingungen, meist in andere. All das ist menschlich, und doch irgendwie unbefriedigend. Erdulden ist wie Selbstaufgabe, beim Überkompensieren distanzieren sich viele Menschen und übrig bleiben einem die, die auch diese psychische Strategie eingeschlagen haben – dann fährt man zum Beispiel mit seinen Minderwertigkeitsgefühlen eben mit anderen, die solche auch haben, Autorennen auf der Bundesstraße. Flucht ist auch eine Variante, und manchmal ist sie schlau, wenn es um echten Selbstschutz geht. Wenn ich aber ’nur‘ glaube, dass ich Besseres verdient habe als mich mit den gegebenen Bedingungen wirklich einmal auseinanderzusetzen, dann lehrt die Erfahrung, dass Menschen dann nur eine Art Aktiv-Passiv-Tausch machen und sich in neuen, nur anderen Bedingungen wiederfinden.
Florian: „Ja, und solche Überlegungen haben mich ja auch zu Viktor Frankl geführt. Wenn ich mich gegen meine innere Stimme wende, verliere ich den Zugang zu mir selbst, das war mir schnell klar. Und wenn ich an die Situationen zurückdenke, in denen ich dieses Gefühl hatte, dann merke ich jetzt noch, wie unglücklich ich war. Und dass ich dann auch für andere nicht das übrig hatte, was für sie wichtig gewesen wäre. Das tut mir bis heute leid. Was mir seither aber immer wieder durch den Kopf geht ist die Frage, ob die innere Stimme nicht ihrerseits wieder eine Erwartung anderer ist. Eine Stimme aus einem erlernten Hintergrund, quasi. Mein Anliegen ist also, woher weiß ich, dass diese Stimme die eigene innere ist?“
Coach: „Das ist eine wichtige Frage. Gehen wir dazu zuerst davon aus, dass Sie mit einem authentischen Selbst in die Welt kamen, niemals – sagen wir es technisch – mit einer leeren Festplatte geboren wurden. Dieses Selbst wird in den ersten zwei, drei Jahren – sagen wir es wieder technisch – neu formatiert. Meist sind es die Eltern, die ihre Kinder ‚zu sich ziehen‘ und ihnen vermitteln, wie sie zu ihnen stehen, was ihnen für ihre Kinder wichtig ist, wie wichtig die Kinder für sie sind und so weiter. Auf ihr früheres Selbst legt sich nun eine Konstruktion, nennen wir es ‚Ich‘. Im Ich finden sich nun die Muster, Rollen und Erwartungen, die die Bezugspersonen ihren Kindern einschreiben, bewusst und unbewusst. Diese Einschreibungen sind für ein Kind identitätsstiftend, schließlich kommen sie ja nicht von irgendwem, sondern von den wichtigsten Personen um das Kind herum. Zwischen Selbst und Ich entsteht nun ein mehr oder minder starker Konflikt. Und dieser Konflikt wandert weiter und wird verschärft oder entschärft, je nach dem, welche weiteren Bezugspersonen das Kind für sich erkennt, also Lehrer zum Beispiel oder Sportidole, Kirchenleute, Influencer, Freunde usw.. Von allen geht latent eine Menge an Erwartungen aus – ‚wenn Du, dann …‘, ‚damit Du, musst Du…‘ oder auch eine Menge an Erlaubnissen aus – “Du bist gut wie Du bist …‘, ‚Mach ruhig Dein Ding …‘ Werden die Erwartungen erfüllt, dann lockt eine Belohnung. Wenn nicht, dann droht Sanktion. Werden die Erlaubnisse nicht eingelöst, entsteht auch ein Dilemma, wenn der junge Mensch irgendwann zur Erkenntnis kommt, dass seine Fähigkeiten nicht ausreichen, um zu schaffen, was er wollte. In einem solchen Moment ist sicher jemand nicht weit, der dann wieder Erwartungen formuliert … – so bleibt es ein einfaches Spiel für die Bezugspersonen, ein schwieriges für ein Kind oder einen Jugendlichen, denn er steht immer wieder vor der Aufgabe: Anpassung oder eigene Stellungnahme.
Wenn ich Sie als Lehrer anspreche, dann als eine Person, die einen Beitrag dafür leisten kann, Kindern und Jugendlichen den Raum zur eigenen Stellungnahme zu vergrößern. Damit besteht die Chance, dass die jungen Menschen aus ihren Verwicklungen herauskommen und erfahren, dass es auf ihr eigenes Denken ankommt. Ein Denken, dass der eigenen inneren Stimme folgt, um über sie zu einer eigenen Stellungnahme zu kommen. Ein Lehrer wird damit für mich zu einem Denkhelfer, der junge Menschen darin unterstützt, sich damit auseinanderzusetzen, wer man eigentlich, also ursprünglich ist.
Nun zu Ihrer Frage, wie unterscheide ich Introjekte von eigenen Stimmen? In meiner Anschauung können diese Aspekte dabei helfen:
Wenn Sie ein Introjekt in sich hören, dann sagt es Ihnen zumeist, wie Sie sein sollten und nicht, wie Sie sind. Dann findet sich oft auch eine Strenge oder ein moralischer Ton wie ‚du musst…“, „du solltest…“, „Das macht man nicht…“. Die Stimme spricht dabei eher so unpersönlich oder verallgemeinernd, dass der Eindruck entsteht, sie käme eher von draußen und in einer Weise, dass dieses Draußen eine Angst mitschwingen lässt. Womöglich meint es die Stimme sogar gut mit Ihnen, aber sie verknüpft es mit einer Art Forderung: Wenn du mich nicht erhörst, dann kannst du nicht den Erwartungen genügen, also bist oder wirst du dumm, unbeliebt, unbrauchbar usw. Eine solche Stimme immer wieder innerlich zu hören, kann einen fertig machen – warum, weil es das Authentische, das Geistige der Person ja immer noch gibt. Der Versuch der Introjekte, sich Gehör zu verschaffen, läuft lebenslang, das ist auch ihr Job, denn schließlich stehen dahinter ja Menschen, die es womöglich nur gut meinten.
Ihre eigene innere Stimme ist dagegen meist kontextsensibel und flexibel. Sie ist keine Stimme, die Sie ein für allemal besitzen, sondern eine, die sich mit Ihnen in einem Prozess der Entwicklung befindet. Sie meldet sich situativ, sie ist pragmatisch, neugierig, selbstbewusst, sie ist zu Ihnen auch freundlich. Wenn Sie mit ihr „ins Gespräch gehen“, dann wird sie Ihnen nicht drohen, sondern sich eher plastisch einbringen und ihre Botschaft auch verändern, wenn sie die guten Gründe erfährt, die Ihnen am Herzen liegen. Ein guter Sensor ist dabei Ihr Körper, denn diese Stimme fühlt sich im Körper eher ruhig, weit und entlastend an. Wenn die innere Stimme wieder gelernt hat, dass sie gehört wird und sie sich mitteilen darf, dann wird sie keine Erwartungen formulieren, sondern Ihnen Hinweise geben, welche Ihrer eigenen Werte es sind, die Sie in dem, worum es Ihnen in der aktuellen Situation geht, verwirklichen können. In diesem Moment geben Sie sich selbst das Maß vor, Sie werden sich selbst maßgeblich.
Jetzt habe ich eine Frage an Sie in Ihrer Rolle als Lehrer. Wie kann Ihre innere Stimme wieder lernen, dass sie von Ihnen gehört wird? Wenn Sie also der Lehrer Ihrer eigenen inneren Stimme sein wollen, wie werden Sie dann vorgehen?
Florian: „Da würde ich das so machen wie bei einem Waldspaziergang mit einem Freund. Da ist Geduld für mich wichtig, keine unnötige Ablenkung, schon aber eine Richtung, weniger ein Ziel. Nach dem, was wir besprochen haben, ist die innere Stimme nicht zu messen. Wenn sie sich meldet als Introjekt, dann spricht sie immer nur mich an und in einer Weise, von der ich weiß, dass sie mir nicht entspricht. Bei einem Spaziergang geht es mir im Gespräch aber um meinen Freund. Ich würde meiner inneren Stimme also sagen, dass es nicht um mich geht, wenn sie sich einbringen will.“
Florians Resümee zeigt, dass er seine innere Stimme in die beiden unteren AQAL-Quadranten im Wilber-Modell lenkt. Und dies mit Werten wie Geduld, Konzentration, Zuneigung.
Coach: „Wenn Sie dieses Bild nun auf das Gespräch zwischen Ihnen und Ihrer inneren Stimme übertragen, wie wollen Sie dann vorgehen, wenn die Stimme etwas sagt, bei der es um ihre Erwartungen an Sie geht?“
Florian: „Spontan würde ich da sagen: Danke für die Information, aber um mich geht es hier und jetzt nicht. Wenn ich das höre, gehts mir gleich besser, erstaunlich.“
In meiner, aus der Praxis entstandenen phänomenologischen Sinnfindungsforschung zeigt sich, dass geistig-spirituelle Praktiken, die Zugänge zur Transzendenz eröffnen, häufig mit höherem Wohlbefinden und geringeren Stresswerten einhergehen. Das Beispiel aus der Arbeit mit Florian reiht sich hier aus meiner Sicht gut ein. Frankls Logotherapie liefert hierfür die anthropologische Basis: Selbsttranszendenz, also die Fähigkeit, sich über das eigene Ego hinaus in Liebe oder Hingabe auf Aufgaben und andere Menschen zu beziehen, ist nicht nur ein existenzielles Postulat, sondern eine empirisch nachweisbare Ressource für eine psychische Gesundheit.
Wilbers Modell bietet zudem die theoretische Möglichkeit, diese transzendente Dimension in ein systematisches Entwicklungsmodell einzubetten. Dabei wird deutlich, dass psychisches Wohlbefinden kein eindimensionaler Zustand ist, sondern aus einer Vielzahl von Faktoren zusammengesetzt wird, die sowohl intrapsychisch als auch interpersonell, kulturell und systemisch verankert sind. Genau an diesem Punkt setzt die Idee einer Integralen Logotherapie an: Sie verbindet Frankls anthropologische Grundthese vom Willen zum Sinn mit Wilbers integraler Landkarte, um die unterschiedlichen Zugänge der Selbstfindung (obere Quadranten) und Sinnfindung (untere Quadranten) nicht nur zu erkennen, sondern praktisch nutzbar zu machen.
Beide Theorien mit einem Brückenschlag zu verbinden, soll dem Prinzip des Ockhamschen Messers folgen. „Seiendes soll nicht über das Notwendige hinaus vermehrt werden“, so der englische Philosoph Wilhelm von Ockham. Sofern die hier skizzierte Idee einer Integralen Logotherapie an anderer Stelle weitergeführt werden sollte, dann wäre darauf zu achten, keine Überfrachtung des vernetzten Theoriegebäudes zuzulassen, sondern sich auf das Wesentliche zu beschränken, das Frankls Gedankengut nützlich erweitert. Wilbers AQAL-Modell kann meines Erachtens diesen Nutzen stiften, es war meine Absicht, einige Ideen dazu in den vergangenen Beiträgen einzubringen.
Eine Therapie oder ein Coaching, das logotherapeutische und integrale Perspektiven verbindet, fördert das psychische Wohlergehen, indem sie nicht nur bei individueller Zielerreichung unterstützen, sondern zuvorderst ihren zentralen Ausgangspunkt im Kontext der Sinnorientierung der Person setzt. Für diese Perspektive ist die Sinnlehre Frankls das Fundament, und Wilbers integrale Ausrichtung bietet eine spannende Möglichkeit für jeden Menschen, kontextuell sich seiner leitenden Werte im Spiegel seiner biografischen Entwicklung, seines Typus und seiner Bedürfnisse für ein gelingendes Leben bewusst zu werden.







