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Aller guten Dinge sind Zwei, alle besseren sind Drei

Menschen haben körperliche und psychische Triebe und Bedürf­nisse, die für sie handlungsleitend sind. Auch, wenn ihnen dies zum Nachteil gereicht, zum Beispiel dann, wenn sie keinen Verzicht üben, obwohl ihr Gesundheitszustand gerade dazu rät. Ob Schlemmerei, sexuelle Anzie­hungskraft oder selbst der Sport: vieles kann für einen Menschen so attraktiv sein, dass er glaubt, ihm nicht  widerstehen zu können. Für uns in der Logotherapie ist diese Perspektive zu flach, denn im Kern kann sich jeder Mensch aus besseren Gründen entscheiden, sich nicht seiner Psyche abzugeben.

Der Freiheitsbegriff der Logotherapie ist ein stets positiver. Der Mensch ist zwar nie frei von Zuständen, Umständen und Bedingungen, aber er ist grundsätzlich frei, zu ihnen Stellung zu beziehen. Anders als in reduktionistischen zweidimensionalen Menschenbildern verweist Viktor Frankl auf die dritte, spezifisch menschliche Dimension des Geistigen. Sie reicht über die physische (somatische) Dimension und die psychische Dimension bestehend aus Emotionen, Kognitionen, das angebo­rene Temperament und die Anlage fur bestimmte Charak­ter- und Persönlichkeitseigenschaften hinaus. Die geistige Dimension adressiert das, was wir auch das spezifisch Humane nennen können wie das Gewissen, die Spiritualität, die Ausrichtung auf ethische Aspekte, die Verwirklichung von Werten, Liebe und Hingabe, Sinnsuche und Sinnfindung.

„Leibliches wird durch Vererbung geschenkt. Seelisches wird durch Erziehung gelenkt. Geistiges jedoch kann nicht erzogen werde, Geistiges muss vollzogen werden – Geistiges IST überhaupt nur im Selbstvollzug, in der Vollzugswirklichkeit der Existenz.“ Viktor Frankl