Kategorie-Archiv: Umgang mit persönlichen Lebenslagen

Ressourcen-Check

Die Urlaubszeit kommt zum Ende, der Jahresendspurt im Job beginnt. Und mit ihm stellen sich wieder allzu menschliche Fragen. Wie gelingt mir eine gute Selbststeuerung und Selbstmotivation. Welche Absichten habe ich und wie kann ich die zielgerichtet umsetzen? Welchen Stress kann ich künftig besser abwenden, was müsste ich tun, um durch zu viel Stress zu scheitern? Laufe ich Gefahr, dass unter Stress alte Glaubenssätze wieder aktiv werden und mich hindern, ein gelingendes und erfreuendes Berufsleben zu führen? Worum geht es mir bei meiner Arbeit?
Sofern Sie sich solcherlei Fragen stellen, dann fühlen Sie offenbar ein Gap zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen Gelassenheit und Überforderung – und allemal ein Erfordernis, den Status Quo der individuellen psychischen Verfassung zu ermitteln.

Als Ausgangspunkt für Ihre bewusste Selbstentwicklung setzen wir in unserer Coaching- und Therapiepraxis die Osnabrücker Persönlichkeitsdiagnostik [entwickelt von Prof. Dr. Julius Kuhl] ein. Mit ihr gelingt ein genauer Blick in die bewussten und unbewussten psychischen Kraftquellen und Krafträuber. Und es zeigt Wege auf, wie das persönliche Set an Selbststeuerungsfähigkeiten verbessert werden kann. Das Verfahren leistet damit einen wichtigen Beitrag für die psychische Gesunderhaltung, nicht nur am Arbeitsplatz.

Wenn auch Sie einen Blick in Ihre psychische Verfasstheit entlang dieser wissenschaftlich fundierten Persönlichkeits- und Motivationstheorie werfen wollen, stehen wir Ihnen in unserer Praxis gerne zur Seite.

Werte in Ordnung?= Werteordnung

Für manche Menschen gibt es nur eine Sache auf der Welt. Mal ist es die Familie, mal die Leistung im Job, mal ein Sport, mal der Schutz der Natur – was auch immer: Wer eine solche pyramidale Werteorientierung hat, lebt ein Leben mit besonderer Mission. Für dieses Thema oder diese Aufgabe steht die Person ein, mit allem was sie hat. Andere Wertmöglichkeiten sind weniger wichtig, und darin liegt nun ein nicht unbeträchtliches Risiko. Bricht nämlich die Spitze der Pyramide weg, zum Beispiel durch Wegfall der beruflichen Herausforderung, durch Krankheit oder Tod einer Person, due mangelnde finanzielle Ressourcen o.ä., dann kann dies zu einer existenziellen Verlustsituation führen, zur Verlustkrise.

Andere Menschen wiederum führen eine Art Werte-Mischpult vor sich her. Sie leben in einer  parallelen Wert-Orientierung und haben mehrere und unterschiedliche Inhalte in ihrem Leben, die für sie viel bedeuten und die sich wertschätzen. Kommt es nun zu einem Wegfall der Möglichkeit, in einem Lebensbereich Werte zu verwirklichen, dann kann dies durch die Hinwendung zu anderen Lebensinhalten kompensiert und psychisch robust verarbeitet werden.

Wenn aber in unserer Gesellschaft, die noch weithin nach dem Strickmuster einer schnellen und möglichst umfassenden Befriedigung individueller Bedürf­nisse funktioniert, die sinnvolle Verwirklichung von Werten erschwert oder verunmöglicht wird, dann neigt die menschliche Psyche dazu, das offenkundige Sinndefizit ausgleichen zu wollen durch Wachstumsphantasien aller Art. Der Philosoph Odo Marquardt schrieb dazu: „Das Sinnlose [wird] zum Superleben transformiert. An die Stelle des Sinns treten die Zerstreuung, das Geld, der Erfolg, das Prestige, das Wachstum, die Korpulenz in physischer, technischer und ökonomischer Form: die moderne Anspruchsgesell­schaft ist der Kummerspeck des Sinndefizits. […] Weil das Leben, das man lebt, leer ist, braucht man es – und alles in ihm – mindestens zwei­mal: den Zweitfernseher, das Zweitauto, das Zweithaus, das Zweitstudium, die Zweit­frau oder den Zweitmann, das Zweitleben etwa als Urlaub […] Es gibt den Zweitberuf, die Zweitarbeit als Schattenwirtschaft und als Expansion der Nebentätigkeit.“ Und weiter: „Somit steigen die Lebensansprüche mit der Vertiefung des Sinndefizits. Kurz gesagt: Es geht um „Wachstum statt Sinn.“

Viktor Frankl hatte eine solche Haltung, in dessen Folge eine Person in ein existenzielles Vakuum rutscht, eine ‚provisorische Daseinshaltung‘ genannt. Sie zeigt sich in extremo in einer ‚Scheiß-egal-Haltung‘ mit Abgabe jeglicher Verantwortung und Selbstverpflichtung, einem Hinauszögern möglicher Entscheidungen und einem Nörgeln hinsichtlich vermeintlicher Aussichts- und Zukunftslosigkeit. Wer ein solches Leben lebt, der lebt ohne Werteordnung und die einzige Aufgabe kann nur darin zu bestehen, die eigenen Werte in Ordnung zu bringen.

Wollen Sie acht Tage mehr Sinn-Zeit für sich?

Bronnie Ware, Sterbebegleiterin aus Australien, hat in ihrem Buch ‚5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen‘ über ihre Erfahrungen aus Gesprächen mit Menschen berichtet, die sich auf ihren Tod vorbereiteten. Bemerkens- und nachdenkenswert hier ihre Beobachtungen:

Die meisten Sterbenden äußerten den Wunsch, den Mut gehabt zu haben, sich selbst treu geblieben zu sein anstatt ein Leben zu führen, wie andere es von ihnen erwarteten. Viele Menschen konnten sich die Träume nicht annähernd erfüllen, die sie in ihrem Leben gehabt hatten. Dabei waren es zumeist keine, die irgendwelche besonderen Rahmenbedingungen erfordert hätten.

Direkt auf dem zweiten Platz landete der Wunsch, nicht so viel gearbeitet zu haben. Dabei wurde häufig das liebe Geld als Grund für die Dauerüberforderung und Selbstoptimierung genannt oder der Karrieredruck, dem man sich hingab. Womöglich haben die Befragten erkannt, dass ein zu fokussierter Blick auf Status und Besitz eine Lebensführung vorgaukelte, die sich am Lebensende nicht als der sinnvollste erwies – denn den Personen waren die Alternativen ja offenkundig bewusst.
Merke: 15 Minuten weniger zweckdienliche Arbeitszeit täglich sind mögliche acht Tage mehr sinnvolle freie Zeit im Jahr.

Ebenfalls wurden die Wünsche genannt, mehr den eigenen Gefühlen Ausdruck verliehen zu haben, weniger Unterdrückung von Ärger und Groll und mehr klare und ehrliche Ansage an Störenfriede und Lebensfreudefresser. Dazu gehört insbesondere die Entwicklung von Trennungskompetenz, also die Fähigkeit, sich von Menschen zu distanzieren, die bewusst oder unbewusst immer wieder Werteverletzungen vornehmen und – weil nichts geschieht – dieses Fehlverhalten auch nicht abstellen. Dass es manchmal sogar Freunde und andere nahestehende Menschen sind, die sich diese Werteverletzungen erlauben, macht die Sache nicht einfacher und steht im Konflikt mit dem nächsten Wunsch:

Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten. Dieser Wunsch ist mehr als menschlich und sich vorzustellen, man würde mit einem harten Kern an echten Freunden mehr als nur ein paar Urlaubstage verbringen, klingt verlockend. Dann aber braucht es eine Sinnvereinbarung: Worum soll es uns in unserer Freundschaft gehen? Wozu soll es gut sein, dass wir diese Zeit miteinander gestalten? Kein Sterbender hat berichtet, ihm wäre es wichtig gewesen, mehr Zeit zum Beispiel fürs Komasaufen oder andere Exzesse verwendet zu haben.

Zu guter Letzt wünschten sich viele, sich mehr Freude gegönnt zu haben. Dies kann als Empfehlung für jeden der Folgegeneration angesehen werden, sich darüber bewusster zu werden, was genau einen selbst wirklich wirklich wirklich erfreut. Was ist Ihr Kern der Freude [nicht Spaß oder Gaudi]? Welche Bürden und Hürden müssten fallen, so dass Sie näher an diesen Kern herankommen?