Al
s Anfang des 16. Jahrhunderts der junge Albrecht Dürer sein Katastrophenbild der vier Apokalyptischen Reiter ins Holz schnitt, traf er den Zeitgeist einer von Krieg, Seuchen, Knappheit und Tod geschundenen Gesellschaft. Immer wieder und bis heute wird dieses Bild, das im sechsten Kapitel der Johannes-Offenbarung als die Boten des jüngsten Gerichts interpretiert wird, herangezogen, um die je aktuellen Ereignisse in die nicht enden wollenden Schritte hin zum apokalyptischen Untergang von Allem einzuordnen.
Trotz aller Dystopie, die das Zentrum des Bildes auszudrücken scheint, leuchtet doch im Bild oben links sinnbildlich mit den Strahlen der Sonne das auf, worauf von Viktor Frankl mit der ‚Trotzmacht des Geistes‘ hingewiesen wird. Der – in meiner Interpretation – unzerstörbaren geistigen Freiheit, sich so oder so den Bedingungen zu stellen, so schwer sie auch sein mögen.
Frankl geht davon aus, dass der Mensch selbst in größtem Leid eine letzte Freiheit behält: die Freiheit, Stellung zu dem zu beziehen, was ihm widerfährt, und ihm eine, seine Bedeutung zuzuschreiben. Sinn entsteht für ihn nicht durch äußere Umstände, sondern durch die innere Haltung gegenüber ihnen – etwa durch Tapferkeit, Verantwortungsübernahme oder das Bewahren von Würde. Die apokalyptischen Reiter stehen für Situationen, in denen Sinn scheinbar zerstört wird. Frankl hingegen beschreibt eine psychologische und existenzielle Antwort darauf. Gerade in Extremsituationen wird Sinn nicht abgeschafft, sondern kann sich auf nahezu paradoxe Weise verdichten. Leid wird nicht verharmlost, aber als Ort verstanden, an dem Sinn nicht verschwindet, sondern neu gewählt oder gefunden werden kann.
Für Stellungnahmen ist es nie zu spät. Alles andere ist selbstverschuldete Unmündigkeit.





